Beruf Was macht eigentlich eine Lektorin?

Auf dem Titel eines Buches steht immer nur ein Name: der des Autors. Dabei ist auch Büchermachen Teamarbeit – sagen Autorin Christina Erbertz und ihre Lektorin Beatrice Wallis

GEOlino: Wie kamen Sie auf den Ursuppenprinzen?

Christina Erbertz: Mein Mann – ein Physiker – erzählte mir vom Ursuppen-Experiment, mit dem erforscht wird, wie einst das Leben auf der Erde entstanden sein könnte. In meinem Kopf funkten die Ideen: Wer aus dieser Ursuppe alles heraushüpfen könnte! Eben zum Beispiel ein Prinz.

GEOlino: Und wie kam der Prinz dann zu Ihnen, Frau Wallis?

Beatrice Wallis: Über eine Literaturagentur, die zwischen Autoren und Verlagen vermittelt, erreichten mich vor etwa zwei Jahren die ersten drei Kapitel. Die habe ich gelesen und dachte: geniale Idee!

GEOlino: Ein Autor schreibt, was macht eigentlich eine Lektorin?

Beatrice Wallis: Ich betreue die Autoren im Verlag und unterstütze sie dabei, das bestmögliche Buch zu schreiben. Frau Erbertz und ich haben nur zu Beginn und nach Abgabe an der Geschichte gefeilt, sehr unkompliziert. Mit anderen Autoren telefo- niere ich während des Schreibens regelmäßig.

GEOlino: Braucht man einen Lektor?

Was macht eigentlich eine Lektorin?

Christina Erbertz

Christina Erbertz: Oh, ja! Ein Lektor hilft, eine Geschichte zu Ende zu erzählen. Ich will in den letzten Kapiteln immer nur noch fertig werden. Eine Frau Wallis achtet dann darauf, alle Figuren gebührend aus der Geschichte zu verabschieden. Sie streicht Überflüssiges aus dem Text – und würde mir helfen, wenn es mit dem Schreiben nicht weitergeht.

Beatrice Wallis: Aber Schreibkrisen kennen Sie doch gar nicht!

Was macht eigentlich eine Lektorin?

Beatrice Wallis

Christina Erbertz: Da habe ich Ihnen etwas verheimlicht (lacht). An zwei Stellen hat es mächtig gestockt. Einmal hat mir meine Tochter weitergeholfen. Ihr las ich, wie jeden Abend, die Geschichte vor und erzählte ihr, dass es mit dem Prinzen nicht weitergeht. Da sagte sie mir: „Mama, der muss doch auch mal wachsen!“ Das war’s! Indem er größer und gescheiter wurde, hatten er und Doro sich wieder mehr zu sagen. Beim zweiten Mal – ich war verzweifelt mit meinem Schluss – half mir meine Schwester. Sie sah sofort das Problem: Ich wollte die Geschichte zu kompliziert beenden und habe Doro aus dem Blick verloren. Also schrieb ich die letzten drei Kapitel neu.

Beatrice Wallis: Und trotzdem haben Sie noch pünktlich geliefert!

GEOlino: Was sagten Sie zum Text?

Beatrice Wallis: Passt! Allein an der Stelle, wenn Doro und der Prinz fliehen, mussten wir noch ein wenig friemeln.

GEOlino: Juckt es Sie nicht, eigene Ideen einzubringen?

Beatrice Wallis: Manchmal schon. Aber es ist die Geschichte der Autoren, mit der man behutsam umgehen muss. Ich habe dafür an anderer Stelle mehr Gestaltungsmacht, etwa in der Frage, wie der Titel aussehen soll.

GEOlino: Sind Sie zufrieden?

Beatrice Wallis: Sehr!

Christina Erbertz: Ich auch! Wobei ich mir meinen Prinzen anders vorgestellt hatte, älter. Aber der Illustrator hat ihn deutlich knuffiger und liebenswerter gezeichnet – und das ist gut.

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