GEOlino.de - Dem Herrn der Ringe auf der Spur Seite 1 von 4


Text von Sina Löschke

Dem Herrn der Ringe auf der Spur

Die Weltraumsonde Cassini hat es geschafft, sich so dicht an den Saturn heranzupirschen, dass Forscher endlich jahrhundertealte Rätsel lösen können. Eines von ihnen lautet: Wie sieht es auf dem geheimnisvollen Saturnmond Titan aus?


 (Foto von: JPL/ NASA)
© JPL/ NASA
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Der Spion ist so groß wie ein Bus. Ein bisschen klobig sieht er aus, mit der großen Schüssel, die ihm vorn als Schutzschild auf der Nase klemmt. Doch Vorsicht muss sein, denn sein Auftrag ist abenteuerlich. Heiße Strahlen, Staubwolken, herumfliegende Gesteinsbrocken - nichts sollte den Schnüffler unterwegs aufhalten. Trotzdem hat er fast sieben Jahre gebraucht, bis er sich anschleichen konnte und im Sommer 2004 endlich die erlösende Nachricht schickte: Beobachtungsposten eingenommen - und das in rund 1,3 Milliarden Kilometer Entfernung von der Erde!


Geheimnisse aufdecken

Sie klingt wie ein Agentenkrimi, die Geschichte der Raumsonde "Cassini". Dabei beschattet der Roboter keinen Bösewicht, sondern Saturn, den zweitgrößten Planeten unseres Sonnensystems. Im Oktober 1997 war Cassini vom amerikanischen Weltraumbahnhof Cape Canaveral auf einer Rakete in den Himmel gesaust. Cassini, eine der größten und schwersten Sonden, die je gebaut wurden, flog dem "Herrn der Ringe" entgegen. Ihr Ziel: die Geheimnisse des gelben Riesen aufzudecken. Bisher wissen wir nämlich nicht mehr, als wenn wir nur kurz mal durch das Schlüsselloch auf ihn gelinst hätten.


Im Unterschied zum festen Mantel der Erde besteht der Saturn überwiegend aus Wasserstoff und Helium. Ein gigantischer Gasball - so groß, dass die Erde 764-mal in ihm Platz fände. Seine Dichte aber ist geringer als die von Wasser. Das heißt: Könnte man den Saturn in eine riesige Badewanne setzen, würde er wie ein Ballon schwimmen. Ein Spaziergang auf dem Ringplaneten ist also unmöglich - auch aus anderen Gründen: Wer ihm einen Besuch abstattete, würde auf der Stelle erfrieren und vom Winde verweht. Denn um den Gasballon fegen gewaltige Stürme, neunmal schneller als ein Hurrikan. Die Durchschnittstemperatur auf dem Planeten beträgt eisige minus 139 Grad Celsius.


Glitzernde Kreisbahnen

An fantastisch glitzernde Kreisbahnen erinnert der Kranz der Saturnringe. Für Wettrennen eignen sich die mehr als 1000 Bahnen aber kaum. Auf ihnen wirbeln Milliarden Eisbrocken und Steine um den Planeten - einige mikroskopisch klein, andere so groß wie Häuser. Sie sind wahrscheinlich die Überbleibsel von Kometen und Asteroiden, die irgendwann in seiner Nähe zerschellten, von ihm angezogen wurden und nun um ihn kreisen.


Doch wieso strahlt der Saturn mehr Wärme ab, als er von der Sonne bekommt? Wie entstehen seine Wolken? Und warum fallen seine Ringe nicht auseinander? Weil die Planetenforscher auf diese Fragen keine Antwort wissen, wurde Cassini auf die Reise geschickt. Sie soll uns die Tür in die unbekannte Welt des Gasgiganten öffnen.


Wie es sich für einen Spion gehört, wurde die Sonde dafür mit Spezialwerkzeugen ausgestattet. Ihre Bordkameras sehen schärfer als jeder Adler und fangen auch Lichtwellen ein, die Tier- oder Menschenaugen nicht wahrnehmen können. Fühler messen die Stärke der Kraftfelder, durch die Cassini schwebt. Die Eissplitter und Staubteilchen werden von hoch empfindlichen Geräten untersucht. Und Cassinis Radarwellen tasten die Planetenoberfläche ab.



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