GEOlino extra Nr. 4/2004 - Das Universum Seite 1 von 4

Astronauten-Interview: "Im All schläft man auch kopfüber."

Das Leben im Weltraum ist nicht einfach: Das Essen kommt aus der Tube. Die Muskeln erschlaffen. In der Schwerelosigkeit schwebt alles davon. Drei GEOlino-Reporterinnen haben den deutschen ESA-Astronauten Reinhold Ewald nach seinen Erlebnissen befragt


Astronaut Reinhold Ewald stand den GEOlino-Reporterinnen Rede und Antwort (Foto von: Hardy Müller)
© Hardy Müller
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Astronaut Reinhold Ewald stand den GEOlino-Reporterinnen Rede und Antwort

Caroline: Beim Start einer Weltraum-Mission steigt die Rakete mit einem riesigen Feuerschweif und ohrenbetäubendem Donnern in die Höhe. Wie haben Sie als Astronaut diesen Moment erlebt?

Ewald: Das Komische ist, ich habe in den ersten 20 Sekunden gar nichts gespürt und geglaubt, wir würden noch immer auf der Startrampe stehen. Die russischen Raketen heben nämlich ziemlich langsam ab. Erst später nehmen sie Geschwindigkeit auf. Das merkt man dann aber sofort: Ich wurde richtig in den Sitz gepresst. Ihr kennt dieses Gefühl vielleicht vom Anfahren im Auto. Beim Raketenstart wirken dieselben Kräfte - nur viel stärker. Das Donnern habe ich als fernes Grollen wahrgenommen. Wir tragen während des Starts unseren Raumanzug, einen Helm und Kopfhörer und hören deshalb nicht viel von dem, was draußen vor sich geht. Und aus dem Fenster konnten wir auch nicht schauen, weil das Raumschiff während des Starts in einer Hülle steckt. Als diese nach einigen Minuten weggesprengt wurde, war draußen zuerst alles himmelblau, dann kam das Dunkel des Weltalls.


Vera: Was ist das für ein Gefühl, im Weltall zu schweben?

Ewald: Am Anfang ganz ungewohnt, denn das Schweben muss man lernen. Stellt euch vor, ich wollte hier, in diesem Zimmer, an die Decke springen. Ich müsste mit maximaler Kraft abspringen und würde sie wahrscheinlich nicht mal berühren, weil mich die Erde nach unten zieht. Bei Schwerelosigkeit fehlt diese Bremse. Stoße ich mich dort so kräftig ab, sause ich mit vollem Tempo gegen die Decke. Das gibt blaue Flecken. Es genügt ein kleiner Stupser mit dem Finger oder dem Zeh, um ganz gemütlich durch die Kabine zu schweben.


Gesa: Schwebt man auch, wenn man schläft?

Ewald: Ja, geschlafen wird überall. Manchmal sogar kopfüber! Wir brauchen dafür kein Bett und keine Matratze, sondern kriechen einfach in einen Schlafsack. Der muss aber irgendwo festgebunden sein - sonst driftet man durch das Schiff. Vor dem Flug habe ich gedacht, ich würde kein Auge zumachen und müsste die ganze Zeit aus dem Fenster sehen. Schließlich habe ich mich zwei Jahre lang auf diesen Moment vorbereitet. Als ich dann aber den ganzen Tag lang Experimente durchgeführt hatte, war ich abends sehr müde.


Hier erfahrt ihr, wie ihr Reinhold Ewald eure eigenen Fragen stellen könnt:


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