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Weit, weit weg: Als Austauschschüler im Ausland

Ob Australien, Mexiko oder Italien – wie fühlt es sich an, als Austauschschüler in der Fremde zu leben, fern von Heimat, Freunden und Familie? GEOlino.de-Userinnen erzählen von ihren Erfahrungen im Ausland


Viva México!

Sarah Gartner (16) verbringt ein Jahr in der Hauptstadt von Mexico, Mexico-City. Sie wollte unbedingt eine neue Kultur kennenlernen und möglichst weit weg von zu Hause. Obwohl sie vor der Abreise nur wenig Spanisch konnte, hat sie sich inzwischen gut eingelebt und ist begeistert vom mexikanischen Lebensrhythmus


Sarah (rechts) mit zwei mexikanischen Freundinnen (Foto von: privat)
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Sarah (rechts) mit zwei mexikanischen Freundinnen

Einfach drauf los reden

Ich bin jetzt seit ziemlich genau zehn Wochen in Mexico City, der Hauptstadt Mexikos und gleichzeitig der zweitgrößten Stadt der Welt mit fast 23 Millionen Einwohnern. Ich wohne in einem sehr schönen Stadtviertel namens San Angel bei einer netten Gastfamilie. Meine 23 Jahre alte Schwester ist zwar ziemlich oft unterwegs, aber meine Gastmutter unternimmt sehr viel mit mir.
Ich bin fast ohne Spanischkenntnisse hierher gekommen, aber ich lerne jeden Tag ein bisschen was dazu. In der Schule ist es zwar noch schrecklich langweilig, aber es wird immer besser, meine Mitschüler sind alle sehr nett und hilfsbereit. Ich habe sehr bald gelernt, dass man einfach drauflos reden muss. Egal, ob's richtig ist oder nicht, einfach nur reden. Ich habe am Anfang immer einen Mix aus ziemlich viel Englisch und ein bisschen Spanisch gesprochen, mittlerweile wird das Spanisch aber mehr. Und notfalls gibt es ja noch Hände und Füße. Meine Grammatik ist zwar noch ziemlich fürchterlich, aber irgendwie versteht man mich schon. Und nur durch Reden kann man eine Sprache lernen.


Fiesta Mexicana am Unabhängigkeitstag

Eines meiner bisher tollsten Erlebnisse war der mexikanische Unabhängigkeitstag, der größte Feiertag, der hier immer am 15. September gefeiert wird. Überall hingen mexikanische Flaggen, die Menschen waren typisch mexikanisch gekleidet und alle haben gefeiert. Um Punkt 23 Uhr trat der Präsident auf den Balkon, alle haben "¡Viva México!" gerufen und die Hymne gesungen. Danach gab es ein ganz langes Feuerwerk in den mexikanischen Farben grün, weiß und rot! Ich fand es einfach einzigartig, dass alle Menschen fröhlich waren und gefeiert haben und es gefällt mir, dass die Mexikaner so stolz auf ihr Land sind! Überhaupt mag ich die Leute hier sehr gerne. Alle sind sehr freundlich, hilfsbereit und sehr interessiert, aufgeschlossen und herzlich. Als Austauschschülerin wurde ich sofort ganz selbstverständlich in meine Klasse aufgenommen und alle wollten mit mir reden. Wenn jemand sieht, dass ich mich nicht auskenne und Ausländerin bin, wird mir sofort Hilfe angeboten.


Mexikanisches Essen: Achtung, scharf!

Das mexikanische Essen finde ich einfach super! Das meiste ist zwar ziemlich scharf, aber es nehmen immer alle Rücksicht auf mich und meistens bekomme ich meine eigenen Saucen, die dann komplett ohne Chilli sind. Tortillas gibt es eigentlich fast täglich in irgendeiner Form: Tacos, Quesadillas, Enchiladas, Tostadas ... und sie schmecken einfach superlecker! Am Anfang war es ziemlich ungewohnt, dass es hier erst um 15 oder 16 Uhr Mittagessen gibt. Abendessen gibt es gegen 20.00 Uhr.
Ganz toll sind auch die vielen Märkte, die es hier überall gibt und auf denen ganz frisches Obst und Gemüse sehr billig angeboten werden. Es gibt hier einige Früchte, die ich noch nie zuvor gesehen habe! Das meiste schmeckt viel besser als in Deutschland, weil hier alles ganz frisch geerntet wird und direkt auf den Markt kommt. Ich bin mir sicher, dass ich das mexikanische Essen in Deutschland sehr vermissen werde, so viel und gerne habe ich noch nie gegessen!


Sehnsucht nach Schokolade

Meine Freunde und meine Familie in Deutschland vermisse ich natürlich manchmal, aber eigentlich habe ich gar nicht so viel Zeit an zu Hause zu denken, da einfach so viel los ist! Zweimal in der Woche habe ich Spanischkurs, außerdem gibt es sehr viele Museen und Sehenswürdigkeiten, wie die alten Pyramiden, zu besichtigen. Und dann gibt es ja auch noch viele andere Austauschschüler und auch nette Mexikaner, mit denen ich etwas unternehme. Viel Zeit für Heimweh bleibt da wirklich nicht!
Das einzige, was ich in den ersten paar Wochen sehr vermisst habe, war Schokolade. Aber durch meine Gastmutter habe ich jetzt "Palanqueta" und "Pon-Pons" kennengelernt und so einen super Schokoladen-Ersatz gefunden.
In Deutschland wird mir das mexikanische Wetter sicher auch sehr fehlen! Momentan ist zwar Regenzeit, aber es regnet gewöhnlich nur abends und in der Nacht. Tagsüber ist es ziemlich warm und zwar das ganze Jahr über.


Besuch bei den Pyramiden (Foto von: privat)
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Besuch bei den Pyramiden

Dienstmädchen bedienen Besserverdienende

Als ich hier angekommen bin, hat mich erst mal gewundert, dass hier alle Familien mit etwas mehr Geld ein Dienstmädchen haben, das wirklich alles macht und manchmal sogar im Haus wohnt! Nicht wenige Familien haben sogar einen eigenen Chauffeur. In Mexiko gibt es viele reiche, aber auch viele arme Menschen. Auf der Straße sieht man leider sehr oft bettelnde Menschen, häufig Kinder, manche sogar erst vier oder fünf Jahre alt.
Wenn ich Bus oder Metro fahre, muss ich gut aufpassen, weil ich als Europäerin ein bisschen auffalle und die Kriminalität hier sehr hoch ist. Aber wenn man immer alles im Blick hat, kann kaum was passieren. Am schlimmsten ist es eigentlich in der Schule, wo ständig irgendwelche Handys oder iPods verschwinden.


Schule auf mexikanisch

Die Schulen sind hier auch ganz anders als in Deutschland, die staatlichen Schulen haben keinen guten Ruf und es gehen fast nur die ärmeren Kinder dorthin. Ich bin beispielsweise auf einer Privatschule, trotzdem sind auch hier meist mehr als 40 Schüler in einer Klasse. Statt Noten von eins bis sechs gibt es hier Punkte zehn bis Null. Außerdem Jahr gibt es fünf mal im Jahr Zeugnisse. Ich muss die Examen aber zum Glück noch nicht mitschreiben. Auch die Unterrichtsfächer sind hier sehr anders. Es gibt zum Beispiel ein Fach zur Stärkung der Klassengemeinschaft und Fächer wie Logik, Psychologie oder konstruierendes Zeichnen. Im Unterricht geht es manchmal ganz schön laut zu und die Schüler laufen sogar herum. Lehrer und Schüler duzen sich gegenseitig und tauschen eMail-Adressen aus.


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Das A und O: Offenheit und Neugierde

Ich bin hier in Mexiko sehr glücklich, habe viel Spaß und erlebe lauter tolle Sachen! Ich kann gar nicht glauben, dass ich schon zehn Wochen hier bin. Ich kann einen Schüleraustausch nur jedem empfehlen, es ist einfach super! Ich glaube, so richtig darauf vorbereiten kann man sich eigentlich kaum. Wenn man offen und neugierig auf alles zugeht, kann kaum was schief gehen. Und wenn's mit der Sprache nicht so hinhaut, ist das nicht schlimm. Irgendwie kann man sich schon verständigen und mit Zeichensprache geht das schon. Außerdem kann das richtig lustig sein und man versteht sich oft auch ohne Worte. Es haben normalerweise auch alle Verständnis, wenn man die Landessprache noch nicht kann. Irgendwann geht das von allein. Und mit dem Heimweh ist das wirklich nicht so schlimm, wie die meisten glauben. Man erlebt so viel und sieht so viel Neues, dass man kaum an zu Hause denken kann. So ein Austauschjahr ist ein einzigartiges Erlebnis und fühle mich in Mexiko schon ganz zu Hause! Mal schaun, ob ich in einem Jahr überhaupt wieder nach Deutschland zurück will ...



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