Luftverschmutzung Warum Smog vielen Menschen den Atem raubt

Abgase verpesten die Luft. Wenn dann noch die Wetterlage ungünstig ist, entsteht gefährlicher Smog. Besonders in Asien ist das ein riesen Problem

Warum Smog vielen Menschen den Atem raubt

Nicht Nebel, sondern Smog verdüstert in der Millionenstadt Hongkong den Himmel. Die meisten Bewohner haben Angst, dass sie von der schlechten Luft krank werden und tragen deshalb Atemschutzmasken

Einmal richtig Luft schnappen und tief durchatmen. Aaaaaahhhhh! Tut das gut – wenigstens bei uns in Mitteleuropa. In China hingegen, etwa in der Hauptstadt Peking, klemmen sich die Menschen in den Wintermonaten häufig Atemschutzmasken vors Gesicht. Denn die Millionenstadt versinkt dann in dicken grauen oder gelben Schwaden, dem Smog, zusammengesetzt aus dem englischen "smoke" = Rauch und "fog" = Nebel. Blaue-Himmel-Tage? Gibt es dort kaum mehr.

Schuld am Smog ist die Luftverschmutzung, etwa durch Autos, Kohleöfen und Fabriken, die Abgase ungefiltert in die Luft pusten. Wenn dieser Dreck aus den Schloten und Auspuffen nicht mehr richtig abziehen kann, breitet sich der Smog aus.

Smog entsteht durch eine ungünstiges Wetter - die sogenannte Inversionswetterlage

Aber der Reihe nach: Normalerweise sind die Luftschichten in der Nähe des Bodens wärmer als in höheren Lagen, weil der Boden die Sonnenwärme aufnimmt und speichert. Wenn die leichte Warmluft dann nach oben steigt, kühlt sie unterwegs ab und nimmt dabei den Dreck in die oberen "Stockwerke" mit. Sie wirkt wie eine Art Staubsauger.

Bei der sogenannten Inversionswetterlage, die Smog begünstigt, ist das genau umgekehrt. Dann ist die Luft über dem Boden kühler als darüber. Es weht kaum Wind, die Luftschichten tauschen sich nicht aus. Es hängt eine Lage Warmluft wie eine Sperre zwischen der kalten Bodenluft und der kalten Höhenluft. Abgase entweichen nicht, sie hängen in und über der Stadt fest.

Noch vor ein paar Jahrzehnten passierte das auch in manchen Städten in Europa. "Erbsensuppe" nannten etwa die Londoner diese bedrohliche Luftverschmutzung. Denn als im 18. Jahrhundert in England unzählige Fabriken gebaut wurden und die Maschinen unter Volldampf standen, bliesen die Schornsteine mehr und mehr Abgase in die Luft, die Kohleöfen glühten. Bald stank es zum Himmel! Und schlimmer noch: Allein im Jahr 1952 wurden insgesamt 12.000 Menschen in London Opfer der giftigen Luft.

Zehn Jahre später starben auch hierzulande im Ruhrgebiet etwa 150 Menschen wegen des Smogs. Seitdem hat sich bei uns viel getan, zum Glück: Die Fabriken säubern ihre Abgase mit Filteranlagen, Kohleöfen gibt es kaum mehr, Autos haben Katalysatoren, durch die ebenfalls weniger Schadstoffe in die Luft gepustet werden.

Vor allem in China wird viel Kohle verbraucht - das führt zu Luftverschmutzung

Doch in einigen Teilen Asiens heizen die Menschen nach wie vor mit stinkenden Kohleöfen. China ist für knapp die Hälfte des weltweiten Kohleverbrauchs verantwortlich. In den Metropolen verstopft der Autoverkehr die Innenstädte. Deshalb haben viele Einwohner Pekings bereits Apps auf ihren Smartphones installiert, mit denen sie die Werte der Smog-Messstationen in der Stadt abrufen können. Im Winter leuchtet ihnen fast immer ein sattes Violett entgegen. Das ist die zweithöchste Alarmstufe und bedeutet: Der Aufenthalt im Freien ist sehr ungesund. Besonders Kinder und ältere Menschen sollten dann lieber in geschlossenen Räumen bleiben, weil die Anzahl der gefährlichen Feinstaubteilchen in der Luft zu hoch ist und sich diese in der Lunge oder der Blutbahn festsetzen können.

Gerade hat eine Umfrage gezeigt, dass die Menschen in Asien nicht vor Krieg oder Krankheiten die größte Angst haben, sondern vor der Umweltverschmutzung. Deshalb hat die chinesische Regierung der schlechten Luft den Kampf angesagt. Passiert ist allerdings noch nicht viel. Im vergangenen Jahr haben nur neun von 161 Städten in China die Messwert-Höchstgrenzen nicht überschritten.

Warum Smog vielen Menschen den Atem raubt

Hier seht ihr, wie Smog entsteht

Sommersmog kennen vor allem die Bewohner von Riesenstädten

Smog tritt allerdings nicht nur im Winter auf. Es gibt auch Sommersmog oder "photochemischen Smog": Der entsteht, wenn die Sonneneinstrahlung bestimmte chemische Verbindungen wie Stickoxide oder Kohlenmonoxid, die in Autoabgasen enthalten sind, in das Reizgas Ozon umwandeln. Ozon dient unserem Planeten in höheren Luftschichten zwar als Schutzschild gegen Strahlung aus dem Weltall. In der Nähe der Erdoberfläche ist es für die Menschen jedoch ungesund.

Sommersmog kennen vor allem die Bewohner von Riesenstädten wie Los Angeles oder Mexiko-Stadt, wo die Sonne kräftig auf die Erde strahlt und viele Menschen mit Autos unterwegs sind.

Ganz schön weit weg: Los Angeles, Mexiko-Stadt, Peking. Doch wenn die Wetterlage ungünstig ist, kann Smog auch heute noch in Europa zum Problem werden. In der französischen Hauptstadt Paris etwa wurde im vergangenen März Alarm geschlagen, weil die Feinstaubwerte zu hoch waren. Drei Tage lang durfte nur die Hälfte des Verkehrs rollen. Das Auto stehen zu lassen ist einfach das beste Mittel gegen dicke Luft.

Elektroautos - Sensation mit Strom
Elektroauto
Elektroautos - Sensation mit Strom
Elektroautos fahren ohne Benzin, pusten keine Abgase in die Luft und kaputtgehen sollen sie auch fast nie. Bloß: Eine entscheidende Schwäche haben die Fahrzeuge leider bis heute…
22. September: Autofreier Tag
22. September: Autofreier Tag
Falls ihr euch wundert, warum es in der Stadt so still ist: Jedes Jahr ist am 22. September "Autofreier Tag". Mit der Aktion soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass es auch ohne Auto geht
GEOlino-Newsletter
nach oben