Interview Tierschutz mit Humor

Kaya Yanar ist nicht einfach ein Comedian. Der Promi nutzt seine Vorbildfunktion und setzt sich für Natur- und Tierschutz ein. Wir sprachen mit ihm insbesondere über die Situation der Straßenhunde in Rumänien

Herr Yanar, als bekannter Comedian sind Sie auch Vorbild. Inwiefern nutzen Sie das?

Ich denke eigentlich gar nicht so viel darüber nach, ob ich ein Vorbild bin oder nicht. Allerdings nutze ich gern Facebook für meine anderen Themen. Ein Missionar bin ich aber nicht. Auch wenn ich zum Beispiel vegan lebe, würde ich das niemals so groß hinausposaunen. Wenn ich es mit einfließen lasse, dann immer mit einer gehörigen Portion Humor. Ich sage zum Beispiel, dass vegane Schokolade meist nicht so lecker ist und, dass Tofu echt eine bescheuerte Festigkeit hat. Den Tierschutz oder andere Themen wie Patenschaften hingegen lege ich Menschen gerne ans Herz.

Tierschutz mit Humor

Der gebürtige Türke geht bald wieder auf Tour

Wofür setzen Sie sich genau ein?

Für die genannten Tierschutzthemen sowie für das Thema Kinderkrebs, was ich noch gar nicht so bekannt gemacht habe. Manche Dinge muss ich erst einmal privat für mich verarbeiten. In letzter Zeit war ich oft in einer Kinderkrebsstation, um die Kinder zu besuchen. Einige davon haben es schon zu meinen Auftritten geschafft. Nach der Fußballweltmeisterschaft werde ich das Thema über die sozialen Medien antreiben. Da möchte ich Geld sammeln, um die Forschung voranzutreiben. Das sind Themen, die mir am Herzen liegen. Die mache ich allerdings immer zuerst, weil es mir ein gutes Gefühl gibt, wenn es den Kindern gut geht oder Tiere gerettet werden. Erst im Anschluss denke ich darüber nach, ob das eine Vorbildfunktion hat oder nicht. Nicht andersherum.

Die PETA-Pelz-Kampagne war ein schönes Beispiel dafür, wie man ernste Themen mit Humor aufgreifen kann...

Tierschutz mit Humor

Die PETA-Pelz-Kampagne mit Kaya Yanar: "So trage ich Pelz."

Ja, ich denke, das ist auch die Lösung, um solche Themen noch bekannter zu machen. Wir arbeiten immer wieder mit PETA und Vier Pfoten zusammen. Humor kann ich nicht ablegen und darf nicht fehlen. Auch, weil ich denke, dass Humor einfach zugänglicher ist. Ich bin keiner, dessen Ruhm, Reichweite oder Namen man nutzen kann, um ganz ernsthafte Aussagen zu machen.

Gemeinsam mit VIER PFOTEN haben Sie zuletzt gegen die Tötung der rumänischen Straßenhunde aufmerksam gemacht. Wie kam es dazu?

Wenn es Dinge wie diese sind, die so viel Elend zeigen, horche ich sofort auf. Das berührt mich. Außerdem ist Rumänien nicht so weit weg, wie die Gräueltaten in China beispielsweise. Ich denke, am anderen Ende der Welt helfen auch Petitionen (Aufrufe zum Unterschriftensammeln) nichts. Ganz im Gegenteil: Wenn sie dort überhaupt ankommt, grinst man darüber wahrscheinlich noch. Aber Rumänien ist uns als Teil der Europäischen Union politisch und kulturell nahe.

Straßenhunde in Rumänien: GEOlino.de berichtet

Haben Sie schon öfter mit Vier Pfoten zusammengearbeitet?

VIER PFOTEN hat mich vor einiger Zeit nach einem Auftritt in Wien einfach angesprochen und nach einem Shooting gefragt. Für das Jubiläum der Organisation haben wir uns mit unserem Lieblingstier - ich also mit einer Katze - ablichten lassen. Auch andere Kollegen wie Michael Mittermeier oder Christoph-Maria Herbst haben mitgemacht. So haben wir uns kennengelernt. Der aktuelle Aufruf zum Unterschreiben der Petition, den ich bei Facebook für VIER PFOTEN geteilt habe, kam besonders gut an: Hunderttausende haben das Video gesehen, VIER PFOTEN hat sogar berichtet, dass die Petitionen nach oben geschossen seien. Es freut mich dann besonders, dass man Spaßseiten wie Facebook auch mal für etwas Sinnvolles nutzen kann. Und das ist wirklich kein großer Akt. Es waren ein paar Minuten meiner Zeit.

Was tun Sie noch für die Straßenhunde in Rumänien?

Das Thema ist vielseitig. Ich weiß, dass man nicht einfach nur eine Petition unterschreibt und es damit gut ist. Darauf aber aufmerksam zu machen, Mitgefühl zu wecken und den rumänischen Behörden zu zeigen, dass wir das Thema verfolgen: das hilft.

Finden diese Dinge auch in Ihren Shows Platz?

Jein, denn da habe nicht nur ich alleine das Sagen. Auch der Sender kann mitreden. Die Leute, die in meine Shows kommen, wollen schließlich unterhalten werden. Sie wollen nicht überzeugt, belehrt, behelligt oder belästigt werden. Auf Facebook aber bin ich frei und kann dort auch viele Menschen erreichen. Ich habe derzeit 1,7 Millionen Follower - eine mächtige Zahl.

Auch in Ihrer Heimat, der Türkei, sieht es nicht gut aus in Sachen Tierschutz...

Richtig, auch dort gibt es Gräueltaten, von denen ich mich angesprochen fühle. Vorletztes Jahr wurde zum Beispiel gerade ein Gesetz verabschiedet, nachdem man Streunerhunde und -katzen einfach aussetzen darf - irgendwo im Nichts der türkischen Berge, wo die Tiere überhaupt keine Überlebenschance haben. Das kommt ja an sich einer Tötung gleich. Solche Dinge stören mich einfach. Und sobald ich mich emotional angesprochen fühle, tue ich auch etwas.

Haben Sie selbst Haustiere?

Ich habe vorletztes Jahr in der Türkei eine Streunerkatze gerettet. Sie war noch so klein, zwei, vielleicht zweieinhalb Monate alt und somit viel zu früh von der Mutter getrennt. Ich sah sie im Park und stand fast zwei Stunden neben ihr. Ich habe sie beobachtet, im Park spielen gesehen. Die Leute kamen und gingen, aber keiner ist geblieben. Das hat mich sehr berührt. Also habe ich sie mir geschnappt. Ich bin dann zum Tierarzt gegangen, habe sie impfen lassen und sie hat einen Pass bekommen. Drei Monate später hat meine Mutter sie in ihre Obhut genommen, weil ich auf Tour musste. Leider - der Klassiker - ist sie letztes Jahr überfahren worden. Aber wir werden eine neue Katze aufnehmen und freuen uns schon auf das neue Familienmitglied.

Vielen Dank für das Interview!

Zur Person:

Kaya Yanar wurde 1973 in Frankfurt am Main geboren. Seine Eltern stammen aus der Türkei. Mit der Comedy-Show "Was guckst du?" schaffte er den Durchbruch im deutschen Fernsehen. Es folgten drei Livetourneen durch Deutschland. Jetzt startet Yanar seine vierte Show. In "Around the World" gibt sich der Comedian in den bekannten Rollen Ranjid, Francesco und Hakan sowie als lustigster Reiseführer der Welt.

Alle Termine und Tickets gibt es unter www.kaya-yanar.de.

Tierschutz mit Humor

Kaya Yanar verbindet Humor mit ernsten Themen

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