Tiere Wieso die Waldspitzmaus im Winter schrumpft

Während ihr die Winterjacke vielleicht lieber etwas größer kauft, damit ihr auch nächstes Jahr noch hineinpasst, hat die Waldspitzmaus mit solchen Dingen gar kein Problem. Im Gegenteil: Sie schrumpft sogar - und damit auch ihre Knochen, Organe und das Gehirn
Waldspitzmaus

Waldspitzmäuse haben einen extrem hohen Energiebedarf

Die Waldspitzmaus kennt keinen Energiesparmodus

Die Waldspitzmaus (wissenschaftlich "Sorex araneus") führt ein Leben auf der Überholspur: Das gerade einmal zehn Gramm schwere Energiebündel hält keinen Winterschlaf und ist quasi daueraktiv.

Der Insektenfresser benötigt so viel Energie, dass das Tier bereits verhungert, wenn es länger als drei Stunden keine Nahrung gefunden hat. Die Waldspitzmaus frisst daher Tag und Nacht - einen Energiesparmodus kennt das Tier nicht.

Die Waldspitzmaus ernährt sich hauptsächlich von Würmern und Larven. Im Winter nimmt sie aber auch mit Insekten und Spinnentieren vorlieb, um sich den Bauch zu füllen und damit genug Energie für ihren Hochleistungskörper zu tanken.

Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell und Seewiesen haben nun herausgefunden, dass die Waldspitzmaus während der Wintermonate trotzdem fast ein Fünftel ihres Körpergewichts verliert. Und damit nicht genug: Auch ihr Schädel, ihre Knochen und ihre Organe schrumpfen.

"Wir haben entdeckt, dass jede Waldspitzmaus vom Sommer bis zum Winter ihren Schädel dramatisch um bis zu 20 Prozent verkleinert“, berichtet der Doktorand Lazaro in der Zeitschrift Current Biology, "Im Frühling dann wächst der Schädel wieder, bis er im folgenden Sommer fast wieder seine Originalgröße erreicht."

Waldspitzmaus

Röntgenaufnahmen: Schädel einer Waldspitzmaus im Sommer (links), im darauffolgenden Winter (Mitte) und im Sommer des nächsten Jahres (rechts)

Der Grund für das Schrumpfen der Nager

Auich die Organe schrumpfen im Winter: Wiegt beispielsweise die Milz einer Waldspitzmaus im Sommer noch 92 Milligramm, schrumpft das Organ im Winter auf nur noch 34 Milligramm, Vermutlich können sich die Tiere diesen Verlust leisten, weil die Milz unter anderem für das Bekämpfen von Infektionskrankheiten zuständig ist.

Im Winter sind die Waldspitzmäuse alleine unterwegs und suchen versteckt unter der Schneedecke nach Nahrung. Und wer kaum anderen Artgenossen begegnet und auch keine frische Luft unter freiem Himmel tankt, der läuft weniger schnell Gefahr, sich mit Krankheiten zu infizieren.

Die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts vermuten, dass dieses Phänomen eine bisher unbekannte Strategie der Waldspitzmäuse ist, um im Winter trotz eiseiger Temperaturen und wenig Nahrung überleben zu können. Durch das Schrumpfen sparen die Waldspitzmäuse zusätzliche Energie, weil ihre Körperoberfläche kleiner wird und sie weniger Wärme verlieren.

Waldspitzmäuse werden nur 13 Monate alt - sie machen diesen Veränderungsprozess also nur einmal im Leben durch. Übrigens teilt sich der Insektenfresser mit den Mäusen nur den Namen wegen seiner Körperform, denn die Waldspitzmaus ist tatsächlich viel enger mit Maulwurf und Igel verwandt.

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