Polarstern Unterwegs in die Antarktis

Was auf, im und unter dem Eis der Antarktis lebt, gibt selbst Experten Rätsel auf. Um sie zu lösen, sind auch diesen Winter wieder Biologen an Bord des Forschungsschiffes "Polarstern" Richtung Südpol unterwegs
Unterwegs in die Antarktis

Lebensgrundlage Krill: Viele Pinguine ernähren sich überwiegend von Krill - oder von Fischen, die ebenfalls Krill verspeisen

Soll jetzt alles umsonst gewesen sein? Das ganze vergangene Jahr über haben sich Hauke Flores vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven und sein Team vorbereitet, haben Experimente geplant, Overalls in Koffer gestopft, Mikroskope in den Bauch der "Polarstern" geschleppt. Im Dezember legte das Forschungsschiff endlich im Hafen von Kapstadt in Südafrika ab. Den ganzen Winter sollte es in der Antarktis verbringen. Doch als der Eisbrecher nach gut vier Wochen den Rand vom Schelfeis erreicht, gibt einer der beiden Propeller den Geist auf. Die Polarstern kommt nur noch mit Mühe durch das dicke Eis und muss umkehren.

"Natürlich habe ich mich erst einmal geärgert", berichtet Hauke Flores jetzt per Mail von Bord, während sich die Polarstern zurück nach Kapstadt kämpft. "Aber mit so einem Schaden ist man der Natur ausgeliefert. Und eigentlich ist es genau diese Unberechenbarkeit, die mich an Expeditionen in die Antarktis reizt."

Forschen am Ende der Welt

Mit leeren Händen kehrt der 40-jährige Polarökologe trotzdem nicht heim: Tag für Tag haben seine Kollegen auf dem Oberdeck gestanden und Tiere auf dem Eis gezählt, etwa Pinguine und Robben. Andere bohrten armdicke Zylinder aus dem Meereis, sogenannte Eiskerne, und fischten mit Netzen in 1000 Meter Tiefe. So wollen die Forscher herausfinden: Welche Tiere leben auf, im und unter dem Eis der Antarktis? Und wer frisst wen?

Auch wenn das Thermometer am Südpol selbst im Sommer kaum über den Gefrierpunkt klettert und im Winter die Sonne wochenlang nicht aufgeht: Die Antarktis ist Lebensraum für viele verschiedene Arten, wie Hauke Flores weiß. Leuchtende Fische, schillernde Rippenquallen, Schnecken mit Flügeln und stecknadelkopfkleine Ruderfußkrebse sind ihm ins Netz gegangen.

Die Eiskerne haben die Forscher im Labor der Polarstern ganz langsam aufgetaut. Im Schmelzwasser suchen sie nun mit Hilfe von Mikroskopen nach winzigen Eisalgen und Tieren. Selbst Plattwürmer, kleine Quallen und Schnecken haben sie in feinen Salzwasserkanälen im Eis entdeckt. Sie alle dienen als Nahrungsgrundlage für den Krill, eine Art Minikrebse.

Geht das Futter aus?

"Der Krill ist ein wichtiges Bindeglied im antarktischen Nahrungsnetz", sagt Hauke Flores. Schließlich wird der Krill wiederum von Fischen, Pinguinen, Seevögeln und Walen gefressen. Was aber passiert, wenn der Klimawandel die Temperaturen weltweit steigen lässt? Wenn den Algen im antarktischen Meereis der Lebensraum wegschmilzt und damit dem Krill das Futter ausgeht?

Um diese Fragen zu beantworten, muss Hauke Flores erst einmal zurück nach Bremerhaven reisen, mit unzähligen Proben im Gepäck und vielen neuen Erfahrungen: "Wir haben gelernt, dass es sich immer lohnt, aus einer Situation das Beste zu machen. Auch wenn es mal nicht läuft wie geplant."

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