Locker auf den Hocker!

Wer glaubt, Hinsetzen sei keine Kunst und schon gar kein Sport, der irrt! Denn beim Hockern geht es genau darum: möglichst trickreich Platz zu nehmen. Mit Video!

Sitzen bleiben? Kommt für Zoë nicht in Frage! Weder in der Schule noch in ihrer Freizeit. Die 14-Jährige reißt sich ständig selbst vom Hocker. Ihren bunt beklebten Schemel schleudert sie in die Luft, wirbelt ihn herum, dreht, rollt, fängt ihn oder balanciert darauf. Und landet am Ende immer wieder im Sitzen. "Hockern" heißt dieser Trendsport, bei dem es gilt, sich möglichst elegant, trickreich und lässig auf einen Hocker plumpsen zu lassen.

Locker auf den Hocker!

Am Fuße des Berliner Fernsehturms präsentieren Zoë und die anderen 39 Teilnehmer des "HockHart-Camps" ihre Tricks. Vor sechs Jahren ist die 14-Jährige auf den Hocker gekommen

Ausgedacht haben sollen sich das Ganze drei ehemalige Studenten aus Kiel. Einen alten Wohnzimmerhocker, einen langweiligen Fernsehabend und einen verrückten Einfall - mehr brauchten sie im Jahr 2004 nicht, um das Hockern zu erfinden. Sie gründeten den ersten Hocker- Verein der Welt. Mittlerweile werden in Deutschland tatsächlich professionelle "Sporthocker" hergestellt. Sogar Meisterschaften hockern Profis immer wieder aus. Dabei bewertet eine Jury unter anderem, wie waghalsig, elegant, vielfältig oder artistisch ein Teilnehmer Platz nimmt.

Hockern: Weiter Infos für euch!

Aber auch ohne Wettkampf treffen sich Hockerer und Hockerinnen, wie sie in der Hocker- Sprache heißen, regelmäßig zum Schwitzen und Sitzen. So wie an diesem Wochenende beim "HockHart-Camp" in Berlin. Mit ihren Sportschemeln ziehen sie durch die Hauptstadt, üben Tricks oder denken sich in Gruppen Choreografien aus.

"Ich finde es toll, wenn die Leute gucken", sagt Zoë und zeigt ein paar Fahrradfahrern, Joggern und Spaziergängern den sogenannten Dreifach-Turbo-Tschüss. Bei diesem Trick wirft sie den Hocker in die Luft, schlägt ihn mit der flachen Hand dreimal, sodass er sich um die Querachse dreht, fängt ihn hinter dem Rücken und endet mit dem "Tschüss", stellt sich den Hocker also von hinten unter den Po.

Hinsetzen - fertig! Neben Tricks wie diesem kann sich jeder Sportler selbst neue Bewegungsabläufe ausdenken. Könner rutschen auf den Plastikschemeln sogar Skater-Rampen hinunter oder machen einen Handstand darauf. "Aber auch für Anfänger ist Hockern nicht schwer", sagt Zoë. "Hinsetzen ist bei uns schließlich auch schon ein Trick. Und das kann ja eigentlich jeder!"

Locker auf den Hocker!

Schleudersitz: Zoë und Sascha halten die Hocker mit Hand und Fuß nach oben. Nico, Max, Sarah und Jonas nehmen hinter der Mauer Anlauf und treten im Sprung so gegen die Hocker, dass diese umgedreht auf dem Boden aufkommen. Nach etlichen Versuchen landen die vier auch tatsächlich im Sitzen darauf

Steckbrief: Hockern

Was brauche ich zum Hockern?

Zum Ausprobieren kann man natürlich jeden runden, nicht allzu schweren Hocker ohne Lehne nutzen. Doch Vorsicht: Der kann dabei kaputtgehen.

Fürs richtige Hockern eignen sich tatsächlich die dafür entwickelten Sporthocker am besten. Sie sind aus hartem Kunststoff, zwischen 1,8 und 2,2 Kilogramm schwer und halten einiges aus. Allerdings sind sie mit 80 bis 160 Euro auch nicht gerade billig.

Wer hockern will, sollte Sportschuhe oder zumindest Sneakers tragen, bei besonders waghalsigen Tricks sogar Knie-, Ellenbogen- und Handgelenkschoner sowie einen Helm.

Welche Plätze eignen sich zum Üben?

Hockern kann man im Grunde überall. Aber: Man braucht Platz, und den hat man eher draußen. Es sollten keine Personen oder zerbrechlichen Gegenstände in der Nähe stehen.

Wo kann ich mich informieren?

Fotos, Videos und weitere Infos gibt es unter www.sporthocker.com.

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