Kinderarbeit ist trauriger Alltag

Kinder haben das Recht zur Schule zu gehen, zu spielen und sich zu erholen. Sie sollen Zeit haben, harmonisch aufzuwachsen und sich zu entwickeln. Fast jedes sechste Kind auf der Welt hat diese Chancen leider nicht
Kinderarbeit ist trauriger Alltag

Yeni macht Frühstück für ihre Familie: Wie jeden Tag gibt es Kochbananen und Kokosnuss

Kind sein, das ist wohl das Tollste auf der Welt. Im Schutz der Eltern dreht sich das Leben nur darum, Spaß zu haben: Spielen, Hobbies, Freunde treffen. Bestimmt habt auch ihr warme Kleidung im Winter und könnt im Sommer mit eurer Familie in den Urlaub fahren. Leckeres Essen steht auch immer pünktlich zum Frühstück, Mittag und Abend auf dem Tisch, oder?

Viele andere Kinder in eurem Alter können leider nicht von einem so schönen Leben erzählen. In ihren Ländern herrscht Armut. Darunter leiden sie, obwohl sie selbst gar nichts dafür können! Oft bekommen Menschen, die wie wir in guten Verhältnissen leben, gar nichts von diesem Leid mit. Und das obwohl es jedem sechsten Kind auf der Welt so ergeht. Sie ackern für wenig Geld in der Landwirtschaft, verkaufen Souvenirs und Blumen auf der Straße oder erledigen Botengänge. Sie machen das nicht freiwillig: Würden sie kein Geld mehr nach Hause bringen, hätte die Familie kein Essen mehr und die Kinder müssten betteln oder stehlen. Viele würden verhungern.

Kinderarbeit ist trauriger Alltag

Yeni arbeitet mit ihrer Schwester im Steinbruch am Sinoto River im Norden von Nias

Kinderhilfsorganisationen wollen ihnen helfen und versuchen eine Lösung zu finden. Die Kindernothilfe ist eine davon. Sie hilft Kindern in Not schon seit 50 Jahren, inzwischen sogar in 30 Ländern der Welt.

Sie bauen beispielsweise Schulen, bieten ärztliche Versorgung oder verhandeln mit der Regierung des jeweiligen Landes und konnten so bereits 780.000 Kindern und deren Familien helfen. Ihre Idee ist, die Arbeitsbedingungen der Kinder zu verbessern. Sie sollen die Möglichkeit haben, neben der Arbeit zur Schule zu gehen und nicht mehr so lange arbeiten müssen.

Yeni (13), lebt und arbeitet in Indonesien

Auf ihren Reisen rund um die Welt begegnen die Mitglieder der Kindernothilfe vielen tausend armen Kindern. Auf eine erschreckende Geschichte stießen sie auch bei der 13-jährigen Yeni. Sie lebt mit ihrer Familie auf der Insel Nias in Indonesien. Weil ihr Vater schwer krank ist, kann er nicht mehr arbeiten und Geld verdienen. Deshalb hilft das kleine Mädchen, seitdem sie acht Jahre alt ist. Die Schule musste sie in der dritten Klasse verlassen. Während andere Kinder am Vormittag dorthin gehen, macht sich Yeni auf den Weg zum Steinbruch am nahe gelegenen Sinoto Fluss.

Kinderarbeit ist trauriger Alltag

So sieht ihr Tag aus:

7:00 Uhr: "Durch die Fensteröffnung sehe ich, wie der Himmel langsam hell wird. Zeit zum Aufstehen. Ich bin immer als Erste auf, weil ich das Frühstück vorbereiten muss. Es gibt jeden Tag das Gleiche: Kochbananen und Kokosnuss."

7:45 Uhr: "Meine Mutter, meine Geschwister und ich machen uns auf den Weg zum Steinbruch. Wir bringen eine Schubkarre, Hämmer, Hacken und eine Schaufel mit. Wie jeden Morgen begegnen uns ein paar Kinder, die zur Schule gehen. Ich beneide sie so!"

8:00 Uhr: "Jetzt geht die tägliche Schufterei los. Als erstes muss ich Steine aus dem Fluss auf die Schubkarre laden und zu einer Stelle oberhalb des Flusses transportieren. Danach muss ich die Steine in Stücke schlagen. Oft klopfe ich mir mit voller Kraft versehentlich auf die Finger oder auf die Hand. Ständig sind einige Fingernägel blau, und meine Hände bluten, sind zerkratzt und rissig.

Wir fertigen Steine in verschiedenen Größen an, die für unterschiedliche Zwecke verwendet werden: zum Beispiel als Kies oder Schotter für den Bau von Straßen und Häusern. Ab und zu rumpeln LKWs in den Steinbruch. Sie transportieren die Steine, die wir zu Haufen aufgetürmt haben, ab. Die Fahrer bezahlen dem Steinbruch-Besitzer Geld für jede Ladung, die sie mitnehmen. Ich sehe manchmal, wie der Besitzer dicke Bündel von Geldscheinen in seine Tasche steckt. Wir bekommen nur einen sehr kleinen Teil von diesem vielen Geld. Davon können wir kaum überleben."

11:00 Uhr: "Endlich Pause! Ich schnappe meinen Hammer und renne nach Hause. Unser Haus ist nur ungefähr 5 Minuten Fußweg vom Steinbruch entfernt. Die anderen kommen später, wenn ich das Mittagessen zubereitet habe. Mittags gibt es bei uns jeden Tag Reis und Gemüse."

12:00 Uhr: "Schnell zurück zum Fluss. Puuuuh, vor allem jetzt in der Mittagssonne ist es unerträglich heiß; es gibt weit und breit keinen Schatten. Den gesamten Nachmittag hocke ich vor meinen Steinhaufen und zerschlage einen Stein nach dem anderen. Meine Arme, mein Rücken und meine Beine tun weh. Außerdem muss ich mich ständig kratzen, weil mich die Ameisen gebissen haben. Ich kann's kaum erwarten, dass die Zeit für heute um ist."

17:30 Uhr: "Geschafft! ENDLICH FEIERABEND!!! Wir packen unsere Sachen zusammen und gehen zurück nach Hause. Jetzt freuen wir uns auf das Abendessen. Ich koche, meine Schwester spült. Danach bleibt nicht mehr viel Zeit zum Spielen. In unserem Dorf gibt es kein elektrisches Licht, und wenn die Sonne untergegangen ist, ist es drinnen und draußen wirklich stockdunkel."

20:00 Uhr: "Meine Mutter muss uns gar nicht in die Betten scheuchen, denn auch wir Kinder sind hundemüde von der Arbeit. Meine Eltern und wir beiden Mädchen schlafen in einem durch Bretter abgetrennten Teil der Hütte, meine Brüder in einem anderen Teil. Wir liegen dicht gedrängt auf harten Holzlatten. Wenn es regnet oder stürmt, ist es ziemlich ungemütlich in unserer Hütte. Die wenigen Bretter, aus denen das Haus besteht, bieten keinen sehr guten Schutz gegen Unwetter. Aber jetzt muss ich dringend schlafen. Morgen wird wieder ein harter Tag."

Kinderarbeit ist trauriger Alltag

Yeni arbeitet meistens bis zu zehn Stunden am Tag

Jedem sechsten Kind geht es wie Yeni

Etwa 2,3 Millionen Kinder, die in Yenis Heimatland Indonesien leben, müssen arbeiten. Sie sammeln Müll, fischen, klopfen Steine im Steinbruch oder tragen schwere Lasten. So wie Yeni geht es leider vielen!

Ihr fragt euch jetzt sicherlich, wie ihr helfen könnt. Engagiert euch zum Beispiel am Weltkindertag! Unter dem Motto "Kinder brauchen Zeit" findet er 2012 an verschiedenen Orten in Deutschland statt. Damit möchten Kinderrechtsorganisationen auf die Rechte der Kinder aufmerksam machen. Ihr könnt auch an eurer Schule auf das Thema hinweisen und mit selbstgebackenem Kuchen, einem Flohmarkt oder einer Lotterie Spenden sammeln.

Weitere Informationen zum Weltkindertag, den Veranstaltungen und dem kleinen Mädchen Yeni findet ihr hier:

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