Fußball Kicker zu verkaufen

Wenn ein Fußballer von einem Verein zum nächsten wechselt, fließt oft viel Geld. Wie kommen die verrückten Millionenbeträge zustande? Wir nehmen den Transfer von Gareth Bale unter die Lupe

Für 91 Millionen Euro kann man eine Menge kaufen: eine Boeing 737, drei ICEs oder 1000 Porsches. Man könnte auch rund vier Kilometer Autobahn davon bauen oder viele große Schulen. Der spanische Rekordmeister Real Madrid aber hat vergangenen Sommer diese Summe lieber auf den Kopf gehauen.

Auf einen ganz bestimmten Kopf: den des walisischen Nationalspielers Gareth Bale. Den fürstlichen Betrag haben die "Königlichen", so wird Real Madrid auch genannt, an den englischen Verein Tottenham Hotspur überwiesen, damit der Stürmer in den kommenden sechs Jahren ihr Trikot trägt und möglichst viele Tore schießt.

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Alle wollen Gareth Bale! 91 Millionen Euro soll Real Madrid an Tottenham Hotspur bezahlt haben, damit der Stürmer das Trikot wechselt

91 Millionen Euro: Wer denkt sich so einen irren Preis aus?

Bei einem Fußballtransfer wird ein Mensch zu einer kostbaren Ware. Und deren Wert richtet sich nach Angebot und Nachfrage. Das heißt: Je besser ein Fußballer spielt und je beliebter er bei Fans und Sponsoren ist, desto eher wollen ihn Vereine in ihrer Mannschaft haben und desto mehr Geld sind sie bereit zu zahlen.

Aber beginnen wir etwas grundsätzlicher: Jeder Spieler hat bei seinem aktuellen Verein einen Arbeitsvertrag. In dem steht, wie viel Geld er monatlich verdient und wie viele Jahre der Vertrag besteht; in der Regel sind das zwei bis vier Jahre. Läuft der Vertrag aus, darf der Spieler verlängern oder zu einem neuen Verein wechseln. Stürmerstar Robert Lewandowski etwa ist ab diesem Sommer "frei" und spielt dann nicht mehr für Borussia Dortmund, sondern für Bayern München.

Oft möchten Vereine allerdings sofort bestimmte Spieler verpflichten

Auch wenn die noch woanders einen Vertrag haben. Dann ist eine "Ablösesumme" fällig. Je gefragter ein Spieler ist, desto höher fällt sie aus. Manchmal ist die Höhe in einer "Ausstiegsklausel" festgeschrieben. Wenn ein anderer Verein bereit ist, diesen Betrag zu zahlen, darf der Spieler gehen. Mario Götze zog vergangenen Sommer ebenfalls von Dortmund nach München - 37 Millionen Euro mussten die Bayern für ihn berappen.

Bei Gareth Bale allerdings war es komplizierter, es gab keine Ausstiegsklausel. Hier mussten sich der alte Verein Tottenham Hotspur und der neue Verein Real Madrid einigen. Und weil der spanische Klub schon beim Buhlen um den brasilianischen Superstar Neymar leer ausgegangen war, wollte er unbedingt einen anderen Starspieler holen – koste es, was es wolle. Über Wochen glühten die Telefone zwischen den Vereinszentralen. Erst als Madrid rund 90 Millionen anbot, willigte Tottenham in das Wahnsinnsgeschäft ein.

Gewonnen haben dabei eigentlich alle

Gareth Bale, weil er nun für seinen Traumverein spielt und viel verdient – angeblich mehr als 18 Millionen Euro im Jahr. Tottenham, weil der englische Verein sich für das viele Geld nun gleich mehrere gute Spieler kaufen konnte. Und einige Berater und Vermittler, die im Hintergrund die Verhandlungen geführt haben und einen Teil der Ablösesumme kassieren. Auch Real Madrid ist ein Gewinner, weil der Verein einen Spieler der Extraklasse bekommen und wieder einmal gezeigt hat, dass er es sich einfach leisten kann.

Die Chefs des Vereins wissen genau, was sie da getan haben. Denn viele Fußballvereine – besonders solche, die überall auf der Welt Fans haben – sind wie Jahrmärkte. Sie brauchen regelmäßig neue Attraktionen, also: Stars. Nur dann kommen die Massen ins Stadion, schalten Leute im Fernsehen ein – und kaufen Zigtausend neue Trikots mit dem Namen "Bale" auf dem Rücken.

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