Wikinger So verfasst ihr eine Saga

Hier lest ihr, nach welchen Regeln sie formuliert wurden – und wie ihr selbst in vier Schritten zum Super-Saga-Schreiber werdet
Schreiben, Saga

Das Wichtigste an einer Saga: Sie muss spannend sein!

1. Schritt: Sucht euch ein packendes Thema

Gefürchtet, gewitzt und – geschwätzig waren sie, die Wikinger. Ihre Könige beschäftigten bereits professionelle Poeten: die sogenannten Skaldendichter. Gegen Lohn reimten sie mehrstrophige Loblieder auf ihre Herrscher und verbreiteten diese im ganzen Reich. Doch auch das normale Volk schwatzte gern. Saßen die Wikinger in dunklen Wintern erst einmal am Feuer, um einander ihre Geschichten zu erzählen, hörten sie lange nicht auf. Das Vortragen einer einzigen konnte sich oft über Tage hinziehen, unterbrochen nur von kurzen Schlafpausen.

Aus diesen Erzählungen entstanden nach der Wikingerzeit, ab dem späten 12. Jahrhundert, die Sagas. Wovon die handelten? Von allem! Von Göttern und mutigen Abenteurern, von Familienfesten und -fehden, von Kriegsschlachten und, natürlich auch, von Königen. Ihr wollt es den Wikingern nun gleichtun? Dann sucht euch als Erstes ein spannendes Thema.

Wie wäre es mit einer Saga über das gewonnene WM-Finale oder über eure Lieblingsband? Erzählt vom ersten Sprung vom Fünf-Meter-Turm oder von anderen Mutproben! Wichtig ist: Euer Sagathema sollte auf einen Höhepunkt zulaufen, sodass ihr es spannend erzählen könnt.

2. Schritt: Macht euch Notizen!

Schreibt euch Stichpunkte auf: Wo und wann spielt eure Saga? Wer sind eure Helden und was ihre Heldentaten? Wie sehen die Helden aus? Wie und was könnten sie erzählen? Zugegeben: Das ist nicht ganz Wikingerart. Die hielten fast nichts schriftlich fest; von kurzen, in Runenschrift verfassten Texten auf Gedenksteinen einmal abgesehen. Stattdessen fabulierten sie frei.

Erst ab dem 12. Jahrhundert begannen dann Dichter wie Snorri Sturluson (im Bild unten), die alten und über die Generationen weitergetragenen Geschichten aufzuschreiben. Diese Werke zählen heute zu den wichtigsten Quellen über die Wikingerzeit: Nirgendwo sonst sind so viele Einzelheiten über den Alltag der Nordmänner, ihre Fahrten, Kämpfe, Könige und Götter überliefert.

Schritt 3: Legt los!

Nordische Sagas schaffen am Anfang Fakten: Sie stellen den Helden vor, seine Familie, Stärken und Schwächen. Beispiel? Bitte schön: „Ein König, der über Dänemark herrschte, hieß Gormr und wurde ,der Kinderlose‘ genannt. Er war ein mächtiger König und bei seinen Leuten beliebt. Als das Folgende geschah, hatte er noch nicht lange über das Reich geherrscht …“ Wie die „Jómsvíkinga saga“ weitergeht, erfahrt ihr hier .

Lest euch damit warm und legt dann selbst los. Es geht etwa um einen Fußballstar? Schreibt auf, wann er zu spielen begann, was seine Spezialität ist und für welche Vereine er bereits im Einsatz war. Je mehr Kleinigkeiten, desto besser; Sagas nehmen es ganz genau. Geht es zur Sache und der spannende Höhepunkt naht, wechseln viele nordische Sagaschreiber die „Tonart“. Sie fügen dann etwa gereimte Skaldengedichte in die Geschichte ein, oder die Helden liefern sich Wortgefechte. Viele Sagas sind voll von rasanten Dialogen.

Schritt 4: Schwurbelt, was das Zeug hält

Wollt ihr Skaldengedichte in eure Sagas einbringen, merkt euch: je komplizierter, desto besser. Nur wer so verschwurbelt und unverständlich dichtete, dass nur noch Experten die Sprache verstanden, galt zur Wikingerzeit als wahrer Könner. Die Skaldendichter benannten viele Dinge nicht beim Namen, sondern umschrieben sie. „Frauen“ wurden etwa „Gefilde der Goldringe“ genannt, ein Schiff wurde zum „Wellenpferd“. Nehmt das zum Vorbild, schreibt von den „Helden am Rundstück“ (Fußballer) und von der „Kugel des Verlangens“ (Ball), von „Trikot-Tauschern“ (Gegnermannschaft) und „Regelhütern mit den Farben der Sonne in der Tasche“ (Schiedsrichtern) …

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