Nostradamus Nostradamus und seine unglaublichen Prophezeiungen

Seit mehr als 500 Jahren faszinieren und ängstigen die düsteren Vorhersagen des Franzosen Nostradamus die Menschen. Seine Anhänger glauben bis heute, dass der Hellseher in geheimnisvollen Versen zahlreiche Katastrophen ankündigte, Terroranschläge etwa, Seuchen oder gar den Zweiten Weltkrieg. Doch Kritiker halten dagegen und sagen: alles Quatsch!
Nostradamus

Grübeltäter: Vom Fenster seiner Dachkammer aus beobachtet Nostradamus die Sterne und brütet über dunklen Gedanken, bis ihm Visionen erscheinen. Diese hält er in insgesamt zehn Büchern fest

Die Nacht ist hereingebrochen im französischen Städtchen Salon. Jeder schläft – bis auf einen geheimnisvollen Mann: Nostradamus. In einen schwarzen Mantel gehüllt, sitzt er in der Dachkammer seines Hauses. Er hofft, dass die furchterregende göttliche Stimme wieder zu ihm spricht. Dass er in eine Art Traumschlaf fällt und sich ihm so die Zukunft enthüllt. Auf einem Messinghocker vor ihm steht eine Wahrsageschale voller Wasser. Vorsichtig taucht er einen Lorbeerzweig hinein – und starrt in die sich kräuselnden Wellen …

So könnte sie ausgesehen haben, eine Nacht im Leben des Nostradamus. Die dunklen Ahnungen, die den Seher Mitte des 16. Jahrhunderts in seinem Dachzimmer überkamen, hat er in seinen „Prophezeiungen“ aufgeschrieben. Sie reichen bis weit in die Zukunft, bis ins Jahr 3797. Und sie haben Nostradamus weltberühmt gemacht.

Noch heute, rund fünf Jahrhunderte später, lesen Millionen Menschen seine Vorhersagen. Und Experten setzen alles daran, seine geheimnisvollen Verse zu entschlüsseln. Die düsteren Reime handeln von sterbenden Königen, Terroranschlägen, Totschlag und Seuchen. Immer wieder geraten Nostradamus’ Anhänger in Panik, weil angeblich bald ein schreckliches Unglück bevorsteht. Sie behaupten gar, der Meister habe die Weltkriege, den Abwurf der ersten Atombombe und die Mondlandung vorausgesagt!

Wer war Nostradamus?

Der rätselhafte Seher kommt im Jahr 1503 als Michel de Notredame in Frankreich als Sohn eines Notars zur Welt. Schon als Kind beobachtet er leidenschaftlich gern die Sterne. Nach seinem Studium arbeitet er als Apotheker und heilt als erfolgreicher Pestarzt Kranke – unter dem Namen Nostradamus. Er streift durch Europa und erweckt in dieser Zeit sogar einen Toten wieder zum Leben, so lautet zumindest die Legende.

Gesichert ist: Im Jahr 1547 heiratet Nostradamus eine reiche Witwe aus der Stadt Salon. Er arbeitet nun nicht mehr nur als Arzt, sondern verfasst auch Almanache, also jährliche Horoskop-Kalender. In ihnen beschreibt er Mondphasen und Wetterregeln, sagt aber auch anhand der Sterne künftige Ereignisse voraus.

Der französische Adel vertraut auf Nostradamus

Die Menschen damals wollen solche Zukunftsvorhersagen nur allzu gern glauben: Sie leben in unsicheren Zeiten, müssen stets mit Kriegen, Seuchen oder Hungersnöten rechnen. Ist es da nicht besser, wenn jemand sie vor künftigen Gefahren warnt? Jemand wie Nostradamus? Beim Volk sind seine Horoskop-Kalender ein Verkaufs-Hit. Doch auch mächtige Adelige vertrauen dem „Seher von Salon“.

Katharina von Medici, die Frau des französischen Königs, lädt ihn gar an den Hof nach Paris ein. Sie bittet Nostradamus, für ihre Kinder Horoskope zu erstellen. All das trägt damals zum Ruhm des Sehers bei. Ab 1555 veröffentlicht Nostradamus auch die „Prophezeiungen“, die seine Anhänger bis heute studieren: Es sind düstere, meist vierzeilige Reime – eine geheimnisvolle, kaum verständliche Mischung aus Altfranzösisch, Latein und selbst erfundenen Begriffen. Eine der bekanntesten Prophezeiungen betrifft – womöglich – die französische Königsfamilie…

Nostradamus

Kristallkugeln? Brauchte Nostradamus nicht. Er sah die Zukunft etwa mithilfe einer Wasserschale vorher. Seine Anhänger behaupten, er hätte so die Herrschaft des Diktators Adolf Hitler und die Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki prophezeit. Konkrete Jahreszahlen nennt Nostradamus in seinen Versen fast nie. Und die meisten Vorhersagen werden ohnehin erst in die Zeilen hineingedeutet, nachdem ein Ereignis längst geschehen ist…

Es ist der 1. Juli 1559. Bei einem Ritterturnier am französischen Königshof preschen zwei Pferde aufeinander zu. Auf dem einen thront König Heinrich II., auf dem anderen der schottische Graf Montgomery. Mit lautem Krachen trifft seine Lanze den König – und ein Holzstück durchdringt das Helmvisier. Es verwundet Heinrich oberhalb seines Auges so unglücklich, dass er wenig später stirbt. Was das mit Nostradamus zu tun hat? Nun, vier Jahre vor dem Unfall hatte der geschrieben:

„Der junge Löwe wird den alten überwinden, auf kriegerischem Feld im Einzelstreit. Im goldenen Käfig wird er ihm die Augen ausstechen, von zwei Flotten setzt sich eine durch, der Besiegte stirbt einen grausamen Tod.“ Das passt ganz eindeutig, jubeln Nostradamus-Anhänger bis heute: Der junge Löwe ist Montgomery. Er hat den alten Löwen, also den König, besiegt, indem er ihm ins Auge sticht. Und der Helm ist der „goldene Käfig“.

Vollkommener Quatsch, widersprechen Experten, die nicht an Nostradamus’ Fähigkeiten glauben. Weder Montgomery noch Heinrich II. trugen einen Löwen im Wappen. Der Unfall fand nicht auf „kriegerischem Feld“ statt, und die Wunde war oberhalb des Auges.

So ist es bei allen Prophezeiungen: Sie sind so nebelhaft und vieldeutig formuliert, dass sie sich auf ganz verschiedene Arten übersetzen und deuten lassen. Und fast nie macht Nostradamus konkrete Zeitangaben. Ein und dieselbe Vorhersage passt also zu verschiedensten Ereignissen – und „erfüllt“ sich im Lauf der Jahrhunderte eben durch Zufall, erklären die Kritiker.

In jedem Fall machen Nostradamus seine Vorhersagen reich. Doch die letzten Lebensjahre sind eine ständige Qual: Er leidet unter der Gicht. Die Erkrankung sorgt dafür, dass jede Bewegung schmerzt. In der Nacht auf den 2. Juli 1566, als wieder die Sterne über dem französischen Städtchen Salon funkeln, verstirbt der „König der Propheten“ – anderthalb Jahre früher, als er selbst vorhergesagt hatte.

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