Der trainierte Besen (Henning Hanisch, 11 Jahre)

"Tschüss Ina", sagte die Hexe Mara zu ihrer Tochter, denn Ina musste zur Schule. Mara und Ina waren Hexen. Inas Vater war Zauberer, aber er starb bei einem Unfall, als er mit seinem Besen geflogen war. Mara war eine sehr gute Hexe und hatte auch einen Besen, aber seitdem Inas Vater gestorben war, flog sie nicht mehr oft mit ihm.

Ina hasste es zur Schule zu gehen, denn sie hatte noch keinen Besen, weil sie zu wenig Geld hatten. Alle anderen Hexen und Zauberer in ihrem Alter kamen mit Besen zur Schule geflogen. Immer wenn jemand über Ina flog, schämte sie sich. Oft riefen andere Kinder auf einem Besen ihr etwas zu, wie z.B. "Ina hat noch keinen Besen." Ina hatte schon die Idee, ihren normalen Besen so zu trainieren, dass er flog, doch Mara hatte nur gelacht. Doch Ina nahm sich vor es zu versuchen und zwar an diesem Nachmittag.

Als Ina aus der Schule kam, musste sie essen und dann ihre Hausaufgaben machen. Beim Mittagessen erzählte sie Mara noch einmal von ihrer Idee, doch sie lachte wieder nur. Nach den Hausaufgaben nahm sie nun den Besen zum Putzen und eine Trillerpfeife. Sie ging mit ihm in den Garten, doch das Problem war, sie wusste nicht, wie sie ihn trainieren sollte. Ina überlegte, es wäre am besten, ihn als erstes zum Gehen zu bringen. Sie stellte den Besen mit den Borsten nach unten hin, doch er kippte sofort wieder um. So oft sie ihn auch hinstellte und rief und pfiff, er fiel immer wieder um. Aber gerade als sie aufgeben wollte, fiel ihr auf, dass er immer länger stehen blieb. Dann versuchte sie ihn selber aufstehen zu lassen, indem sie pfiff und dann laut rief: "Stell dich hin!" Plötzlich hob sich der Stil, doch er kippte nach 30 cm wieder um. Sie übte den ganzen Nachmittag mit ihm, denn am nächsten Tag wollte sie ihm das Gehen beibringen. Als ihre Mutter sie zum Essen hereinholte, konnte er schon fünf Minuten lang stehen. Beim Abendessen erzählte Ina Mara davon, aber Mara wollte es nicht glauben. Ina zeigte es ihr und Mara war verblüfft.

Ina übte jeden Tag nach der Schule mit dem Besen. Wenn er gehen sollte, stellte sie ihn hin und stupste ihn dann leicht an. Es sah sehr witzig aus, wenn er ging, denn er lief mit seinen vielen Borsten. Nach einer Woche schaffte er es, zehn mal um das Haus zu laufen. Sie wollte ihm unbedingt das Fliegen beibringen, aber dachte es hätte noch keinen Sinn. Nach zwei Wochen versuchte sie es doch. Sie hielt den Besen in die Luft und lies los. Am Anfang fiel er sofort wieder herunter, aber sie wusste, dass sie viel Geduld haben musste. Nach einer halben Stunde sah man die ersten Verbesserungen, denn er schwebte einige Sekunden. Sobald Ina ihn anfasste, fiel er wieder herunter.

Zwei Tage später konnte er schon fast zehn Minuten fliegen und wenn sie sagte "rechts", "links", "oben" oder "unten" flog er in die jeweilige Richtung. Ein paar Tage darauf konnte Ina ihre Hand auf dem Besen abstützen. Mit der Zeit wurde es immer besser. Drei Wochen danach versuchte sie das erste mal, sich auf den Besen zu setzen. Zu ihrer Verwunderung klappte es. Jetzt pfiff sie und rief dann laut "nach oben". Der Besen schoss in die Höhe. Ina war noch nie geflogen und hatte ziemliche Angst. Sie wusste nicht wie man steuert, aber sie versuchte es einfach, indem sie den Stiel gerade riss. Es funktionierte.

Ina konnte das ganze Dorf sehen. Sie hatte es geschafft. Mara schaute zufällig aus dem Fenster. Zuerst wusste sie gar nicht, wer es war, doch dann erkannte sie Ina auf dem Besen. Mara war sehr stolz.

Am nächsten Tag flog Ina mit dem Besen zur Schule. Alle Kinder fragten woher sie den Besen hatte. Doch Ina verriet nicht ihr Geheimnis.

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