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Das goldene Buch (Varinia König, 15 Jahre)

Kyra rannte den Gang entlang. Ihre Schritte hallten im Flur des alten Schlosses, in dem sich die Schule befand, laut nach.

Hinter ihr hörte sie die Schritte der Jungen aus der Parallelklasse, die sie verfolgten, weil Kyra einem Lehrer gesagt hatte, dass sie einen Zweitklässler verprügelt hatten.

Sie rannte um die Ecke, so dass ihre Schuhe quietschten. Da sah sie vor sich ein graue Tür. Darauf stand:

BESENKAMMER

EINTRITT VERBOTEN!

Verzagt riss Kyra an der Türklinke. Die Tür schwang auf und Kyra hastete in die Kammer. Die Jungen schlugen gegen die Tür und rüttelten an der Türklinke, aber sie kamen nicht hinein. Als Kyra sich umsah, merkte sie, dass der Raum keine Besenkammer war, sondern ein großer fensterloser, weißer Saal.

In der Mitte des Fußbodens war ein großer, geschliffener Marmorstein eingelassen, von dem ein helles Leuchten ausging.

Kyra ahnte, dass sie hier nichts zu suchen hatte und wollte die Tür wieder öffnen. Doch diese war fest verschlossen.

Zögernd ging sie auf den Stein zu. Darauf lag ein schweres Diamantcollier. Neben dem Collier war in fremder Sprache etwas in den Stein geritzt.

Auf einmal wirbelten die Zeichen durcheinander. Als sie zur Ruhe kamen konnte Kyra lesen, was dort stand. Es war ein Gedicht:

Nimm das Collier doch gebe acht

nicht zu verbrauchen seine Kraft.

Geh' ins Land der Schatten ein,

du wirst einer der ihren sein.

Mach dich auf die Such'

Und finde dort

Das magische Buch

An jenem Ort.

Hast du's gefunden

Bringt zurück dich die Macht

Die alles beherrscht und alle bewacht.

Kaum hatte Kyra die Schrift entziffert, da verschwand diese.

Das Collier begann zu leuchten.

Kyra hob es hoch und legte es sich um. Das Leuchten erlosch. Dafür öffnete sich ihr gegenüber langsam eine schwarze Tür.

Kyra ging auf sie zu und sah eine Treppe, die in die Tiefe führte.

Sie stand auf der ersten Stufe, als die Tür zuschlug.

Kyra machte sich nichts daraus. Sie war neugierig was passieren würde.

Am Ende des Ganges musste Kyra kriechen.

Auf einmal roch sie einen seltsamen unbekannten Geruch.

Moderig und süßlich.

Dann öffnete sich der Tunnel.

Sie kroch heraus und merkte, dass sie in einem breiten Gang war.

Auf einmal schwebte etwas an ihr vorbei. Es war eine menschliche Gestalt, die seltsam durchsichtig wirkte und in schwarze, durchscheinende Tücher gehüllt war.

Die Schatten, fuhr es Kyra durch den Kopf, wo bin ich hier nur gelandet?

Ohne nachzudenken folgte sie dem Schatten, der langsam den Gang entlang schwebte. Da bemerkte Kyra, dass sie selbst auch schwebte. Erschreckt erkannte sie, dass sie ebenfalls zum Schatten geworden war.

Der Gang weitete sich.

Kyra sah eine große Höhle, in der dutzende Schatten versammelt waren. Unruhig huschten sie hin und her.

In der Mitte der Höhle erhob sich eine Säule, auf der eine Gestalt stand, die ein dickes golden glänzendes Buch in den Händen hielt. Kyra erschauderte als sie der Blick der rot glühenden Augen traf. Sie drängte sich durch die Menge bis zu der Säule.

Auf einmal fing das Collier an zu leuchten und Kyra spürte, wie sie von ihm auf die Säule gezogen wurde. Lautes Raunen erhob sich.

Ohne nachzudenken riss Kyra der grauenhaften Gestalt das Buch aus der Hand. Die Gestalt riss die Augen weit auf und stieß ein schrilles Kreischen aus.

Auf einmal flogen die Schatten auf sie zu. Sie kreischten und schwangen geschliffene Waffen. Sie packten Kyra und rissen an ihrer Kleidung, dem Collier und dem goldenen Buch um es in ihre Gewalt zu bringen.

Doch auf einmal erhitzte sich das Collier und ein greller, weißer Blitz erhellte den Raum. Kyra schloss die Augen und spürte, dass die Schatten sie losließen.

Als sie die Augen öffnete, fand sie sich in dem weißen Saal wieder.

Zitternd stand sie auf und sah, dass auf dem Marmorstein, anstatt des Gedichtes eine viereckige Vertiefung erschienen war. Sie legte dass Buch hinein und das Collier daneben.

Beides ließ sich nicht mehr bewegen und über dem Buch erschien ein Vers:

Gerettet ist vor Zerstörung die Macht

Ein Hüter das Heiligtum nun bewacht.

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