LKWs Giga-Brummis

Ab Januar 2011 rollen Riesen-LKWs, sogenannte Eurocombis, durch Deutschland. Während in anderen Ländern ähnliche Riesen-LKWs schon seit vielen Jahre fahren, wird bei uns noch immer heftig über sie diskutiert. GEOlino.de verrät euch, warum

In Australien sind diese Schwergewichte schon längst nicht mehr aus dem Verkehr wegzudenken. Die "Roadtrains", bis zu 50 Meter lange Straßenzüge auf Rädern, transportieren Güter quer durch das Land und besonders in entlegene Gegenden, die nicht an das Eisenbahnnetz angeschlossen sind.

Giga-Brummis

In Australien bewältigen die Roadtrains schon seit vielen Jahren einen großen Teil des Güterverkehrs.

Sie versorgen die Menschen mit allem, was die zum Leben benötigen. Häufig werden andere Waren angeliefert, als später wieder in die gegengesetzte Richtung transportiert werden. So beliefern die Riesen-Trucks abgelegene Orte mit Lebensmitteln oder Treibstoff, auf dem Rückweg befördern sie hingegen Vieh oder Rohstoffe in die Industriezentren.

In Städten dürfen die Giganten zwar nur auf bestimmten Strecken fahren. Die breiten, wenig befahrenen Straßen im Outback hingegen sind für die Roadtrains bestens geeignet. Eingehüllt in dicke Staubwolken, donnern sie mit bis zu 100 Stundenkilometer über den heißen Asphalt ihrem Ziel entgegen.

Sich diese Roadtrains in unserem dicht befahrenen Verkehrsnetz vorzustellen, fällt schwer. Doch schon in dieser Woche sollen die ersten Straßenzüge in einem Feldversuch über deutsche Straßen rollen. Eurocombis (oder Lang-LKWs) setzen sich aus einem normalen LKW und einem weiteren Anhänger zusammen. Das Gespann kommt damit auf immerhin 25,25 Meter, sieben Meter länger als bisher zugelassene Lastwagen. Und um diese sieben Meter wird heftig diskutiert.

Die Befürworter sehen in den neuen Giga-Brummis eine Chance, deutsche Straßen besser zu nutzen und dabei die Umwelt zu schonen. Zwei Eurocombis befördern die Ladung von drei normalen LKWs, verbrauchen dabei jedoch weniger Diesel als die drei Lastwagen und verursachen so weniger schädliches CO2. Noch umweltfreundlicher ist allerdings die Bahn. Es bleibt daher zu hoffen, dass lediglich LKWs, jedoch keine Güterzüge durch Eurocombis ersetzt werden.

Die Gegner sorgen sich um die Unfallgefahr. Aufgrund ihrer Länge könnten die Monstertrucks gegen Verkehrsinseln rauschen. Zwar sollen Eurocombis hauptsächlich in Gewerbegebieten und auf Autobahnen verkehren, allerdings müssen sie dort von ihrem Startpunkt aus ja erst einmal hinkommen. Diese Abschnitte – häufig durch Städte - sind nicht für LKWs dieser Länge ausgelegt.

Zudem warnen die Gegner vor zu hohem Gewicht der Fahrzeuge. Die deutschen Autobahnen sind bislang für Autos und Laster bis maximal von 40 Tonnen ausgelegt. Da die Riesenlaster aber bis zu 44 Tonnen wiegen, könnten sie Straßen beschädigen. Tatsächlich ist diese Gefahr ist jedoch begrenzt: Da die Riesenlaster mehr Achsen als die herkömmlichen LKWs haben, verteilt sich das Schwergewicht auf mehr Räder und der Asphalt wird nicht zusätzlich belastet.

Um die Giga-Brummis fahren zu dürfen, müssen LKW-Fahrer eine spezielle Schulung besuchen. Die wichtigste Regel dabei lautet: Eurocombis dürfen zwar überholt werden, sie dürfen selbst aber nicht überholen. Denn der Lang-LKW ist zwar nur eineinhalb Mal so lang wie ein normaler LKW, doch sein Überholweg vervielfacht sich entsprechend. Damit die Autobahn nicht sofort verstopft, wenn sich die Lastwagen gegenseitig überholen, müssen die Riesen auf der rechten Spur bleiben.

Ob es trotz der Schulungen zum Verkehrschaos kommt, ob die Monstertrucks in den Kurven der Autobahnauffahrten stecken bleiben oder ob sie gar den Verkehr auf unseren Straßen verringern, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Ein echter Feldversuch eben, an dem zunächst die Bundesländer Bayern, Schleswig-Holstein, Hessen, Niedersachsen, Baden-Württemberg, Sachsen, Thüringen und vermutlich auch Hamburg teilnehmen. Diese Länder umfassen fast 70 Prozent der Fläche Deutschlands. Durch sie führt außerdem die wichtige Nord-Süd-Route von den Alpenländern nach Skandinavien, wo die Straßenzüge ähnlich wie in Australien schon viele Jahre eingesetzt werden.

Die Ergebnisse werden also Aussagekraft besitzen. Wer weiß, vielleicht brummt ja bei euch ein Giga-Laster vorbei.

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