Cybermobbing: Hohn und Spott im Internet

Das hohe Maß von Kommunikation über das Internet, besonders bei Jugendlichen, fördert ein Phänomen, das sogar schon Jugendliche in den Freitod trieb: Cybermobbing - das Fertigmachen Anderer im Internet

Mobbing, also jemanden zu beleidigen, zu bedrohen oder vor anderen bloßzustellen, ist alles andere als eine neuartige Praxis. Schon die alten Griechen veranstalteten sogenannte „Scherbengerichte“, bei denen jeder Bürger den Namen eines ungeliebten Nachbarn oder auch Politikers auf eine Tonscherbe ritzen konnte. Wessen Name am häufigsten fiel, der wurde der Stadt verwiesen. Im Mittelalter erfreute sich der Pranger größter Beliebtheit. Hier wurden vor allem Verbrecher öffentlich angebunden, beleidigt und verhöhnt. Zu allen Zeiten machten Menschen andere nieder, um sich selbst über sie zu stellen und Macht zu empfinden. Nun, im 21. Jahrhundert, kann diesem Trieb auch außerhalb der Schule oder der Arbeit nachgegangen werden - im Internet.

Cybermobbing: Hohn und Spott im Internet

Cybermobbing verletzt die Betroffenen

"Cybermobbing" oder auch "Cyber Bullying" sind zur modernen Waffe gegen ungeliebte oder schwächere Mitmenschen geworden. Laut einer Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest (mpfs) haben im Jahr 2010 fast 25 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren in Deutschland in ihrem Umfeld Angriffe durch Cybermobbing miterlebt. Begünstigt wird das Phänomen durch einen Anstieg der Kommunikation über das Internet. Besonders Jugendliche tauschen sich verstärkt in sozialen Netzwerken oder über Chat-Programme aus. Dabei werden oft persönliche Informationen wie zum Beispiel Sorgen und Probleme preisgegeben. Und damit Angriffsfläche für die sogenannten "Cyber Bullies" geschaffen, denn beim Mobbing werden die vermeintlichen Schwächen des Opfers ausgenutzt. Auch die Veröffentlichung von Bildern und Videos im Netz birgt Gefahren. Allzu schnell können sie zur Bestätigung bestimmter Beleidigungen verändert und in neuer Form verteilt werden. Cybermobbing tritt in verschiedenen Formen auf:

Beleidigung

Beleidigungen und Beschimpfungen, die vornehmlich in öffentlichen Bereichen des Internets, also in Foren oder als Kommentar z.B. zu einem Bild geäußert werden. Dadurch kann die Beleidigung von besonders vielen Nutzern gelesen werden.

Belästigung

Belästigung durch häufige Angriffe, die von Nutzern sozialer Netzwerke, Bekannten oder auch unbekannten Personen ausgehen. Häufig mobben die Cyber Bullies mit einem anonymen Benutzerkonto. Besonders aufdringliche Belästigung wird als "Cyberstalking" bezeichnet.

Bloßstellung

Bloßstellung des Opfers indem private Kommunikation, private Bilder oder Videos veröffentlicht werden. Die Informationen werden gezielt eingesetzt um z.B. Freundschaften des Opfers anzugreifen. Cyber Bullies geben sich auch als andere Personen aus, indem sie entweder an das Passwort des Opfers gelangen oder mit Verwendung bloßstellenden Materials ein zweites Benutzerkonto mit dem Namen des Opfers eröffnen.

Bedrohung

Oft wird wiederholt und eindringlich körperliche Gewalt gegen das Opfer angedroht. Dies kann direkt oder auch unterschwellig geschehen. Durch die Angst des Opfers verschafft sich der Angreifer einen Vorteil.

Die Opfer und die Folgen

Im Jahr 2006 bekam das Phänomen Cybermobbing erstmals ein Gesicht: Die 13-jährige Amerikanerin Megan Meier erhängte sich im Keller ihres Elternhauses, nachdem ihr Internetfreund Josh sie wild beschimpft hatte und auch andere Nutzer des Netzwerks "myspace" in die Beleidigungen einstimmten. Josh, so stellte sich später heraus, hat nie existiert. Eine von Megan in ihrem Stolz verletzte Freundin hatte die Beziehung mit falscher Identität aufgebaut, um sich zu rächen. Mit schrecklichen Folgen.

Auch in Deutschland ist Cybermobbing stark verbreitet. Marco aus Bonn hat fast zwei Jahre lang darunter leiden müssen. Der heute 18-Jährige besuchte bis letztes Jahr ein Gymnasium in Bonn, nachdem er 2008 aus Magdeburg hergezogen war. "Ich habe mich in der neuen Klasse wie ein Alien gefühlt. Ich wurde überhaupt nicht akzeptiert", erzählt er. Mit seinen alten Freunden bleibt Marco über das Internet in Kontakt, hat Profile bei SchülerVZ, Facebook und myspace. Dort finden ihn auch die neuen Klassenkameraden. "Das begann eigentlich harmlos. Ich habe mich zuerst sogar gefreut, als ich Freundschaftseinladungen von denen bekam. Ich dachte ja, die können mich nicht leiden", so Marco weiter.

Ein Trick. Schon kurz darauf tauchen grotesk verformte Bilder von Marco im Internet auf. "Da wurde ich mit einer Foto-Software 50 Kilo dicker gemacht. Später habe ich die Bilder in Profilen, die meinen Namen trugen gefunden. Alles mögliche: Soziale Netzwerke, Dating-Webseiten, sogar einen Diät-Blog soll ich geschrieben haben" - die Mobbing-Angriffe werden immer persönlicher. Marco geht zum Vertrauenslehrer der Schule, doch auch der kann ihm nicht weiterhelfen. Keines der Bilder und kein Kommentar lässt sich eindeutig zurückverfolgen.

Eineinhalb Jahre kämpft Marco gegen die Cyber Bullies, dann verlässt er die Schule und beginnt eine Lehre als Schreiner. "Ich hätte auch die Schule wechseln können, klar. Aber mir dieses Gefühl, neu in eine Klasse zu kommen und mich wie ein Alien zu fühlen, noch einmal anzutun kam nicht in Frage", sagt er heute, "Seit ich aus diesem Umfeld raus bin, haben die Angriffe nachgelassen. Ich fühle mich in meinem Betrieb akzeptiert und habe im Internet nur noch meinen Facebook Account - mit maximalen Sicherheitseinstellungen".

Was kann man tun?

  • Zunächst einmal: Nicht selbst zum Täter werden! Mobbing ist je nach Form und Ausprägung eine Straftat, die mit empfindlichen Strafen bedacht werden kann. Gerade Mobbing unter Jugendlichen kann zu schweren psychischen Schäden führen. Um sich selbst zu schützen, können die folgenden Maßnahmen hilfreich sein.
  • Lasst Beleidigungen nicht an euch heran, und lasst euch nicht von Selbstzweifeln beherrschen. Antwortet auch nicht auf die Beleidigungen, denn genau das wollen die Absender.
  • Akzeptiert in sozialen Netzwerken nur Freundschaftsanfragen von tatsächlichen Freunden und Bekannten. Alle Netzwerke haben Funktionen, mit denen man aufdringliche und beleidigende Nutzer blockieren bzw. ignorieren kann. Beleidigungen und Belästigungen können zudem beim Betreiber des Netzwerks gemeldet werden. Dieser prüft den betreffenden Nutzer und gehen gegen ihn vor.
  • Veröffentlicht keine Beiträge wie Fotos oder Videos, die gegen euch verwendet werden könnten.
  • Teilt niemandem eure Passwörter mit und wechselt sie regelmäßig.
  • Wenn ihr in Chats oder Foren beleidigt werdet, speichert die Protokolle und druckt sie wenn möglich aus. Damit könnt ihr Lehrern, Eltern oder auch der Polizei den Verlauf des Mobbings nachweisen.
  • Werdet ihr gemobbt, sprecht darüber - zum Beispiel mit Lehrern oder euren Eltern. Auch Freunde können eine große Hilfe sein, denn sie nehmen euch die Selbstzweifel.
  • Unterstützt Opfer! Wenn ihr Probleme mit Cybermobbing in eurem Umfeld feststellt, tretet in Aktion und schaut nicht stumm zu. Nehmt den Opfern ihre Zweifel und unterstützt sie.
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