Buchtipp Buchtipp: Handbuch für Weltverbesserer

Wer wäre nicht gern ein ganz normaler Held! Doch scheitert es nicht selten an der Mission: Schließlich wollen die meisten Omas ihre Einkaufstüten lieber selber tragen. Was soll man also tun? Das Buch "500 junge Ideen, täglich die Welt zu verbessern" hilft weiter

Hand aufs Herz: Wer zählt schon nicht zu den Menschen, die eigentlich ganz anders sind, aber leider so selten dazu kommen? Macht nichts. Denn um Gutes zu tun, muss man ja nicht gleich eine Doktorarbeit über aussterbende Tiere schreiben. Oder einer Menschenrechtsorganisation beitreten. Oder seine Klamotten in gerechte zwei Teile zerschneiden. Lasst lieber kleine Taten sprechen!

Das Büchlein "500 junge Ideen täglich die Welt zu verbessern" kitzelt das Beste aus euch heraus. "Hört, hört", tönt es da aus der endlosen Menge der Mütter. Wie sollen ein paar Seiten Papier schaffen, woran ihre gute Erziehung ein Lebtag gescheitert ist? Unter uns gesagt: mit Humor statt säuerlicher Moral. Denn der Sinn und Zweck dieses kleinen Ratgebers für Weltverbesserer besteht nicht darin euch ein schlechtes Gewissen zu machen. Vielmehr liefert das Buch kleine Gedankenanstöße zu so unterschiedlichen Themengebieten wie "Natur und Umwelt", "Schule", "Computer und Internet" oder "Kaufen und Verkaufen".

Buchtipp: Handbuch für Weltverbesserer

Lebenshilfe in Taschenbuchform

Und Geld stänkert doch!

Geschrieben wurde das Buch "500 junge Ideen täglich die Welt zu verbessern" übrigens nicht von typischen Moralaposteln. In kurzen Beiträgen von maximal einer halben Seite kommen zahlreiche Prominente, Aktivisten und Wissenschaftler zu Wort. Mal frech, mal argumentativ, mal rührselig stimmt jeder Autor einen ganz anderen Ton an. Kostprobe gefällig? Zum Beispiel schlägt Irene Kugelmann vom ADAC vor, kleine Pamphlete gegen die Kinderarmut auf Geldscheine zu krickeln. Frei nach dem Motto: Wenn die Menschen auf eins achten, dann doch wohl auf ihre Kröten! Und bestimmt staunt der Kunde an der Supermarktkasse nicht schlecht, wenn ihn sein Wechselgeld freundlich darauf hinweist, dass "Eine Milliarde Menschen von weniger als einem Dollar pro Tag leben".

Wirklich saubere Klamotten

Diesen Sommer lieber mal oben ohne? Die Journalistin Annette Sabersky schlägt vor, nicht bei jedem neuen Trend gleich den halben Kleiderschrank auszusortieren. Schließlich werden für die Herstellung eines einzigen Baumwollshirts sage und schreibe 2000 Liter Wasser verschwendet. Und nicht nur das: Bis euer Lieblingsfummel in den Geschäften hängt hat die Baumwolle bereits die halbe Welt umrundet! Zum Beispiel vom Anbaufeld in Nicaragua, zu den Spinnfabriken in die Türkei, zu den Webereien in Taiwan und zu den Nähstuben in El Salvador. Bei jedem einzelnen Arbeitsschritt werden die Stoffe mit giftigen Chemikalien behandelt. Von wegen 100 Prozent Baumwolle! Mit ihrer Gesundheit bezahlen die Arbeiter in den ärmeren Ländern dafür, dass die T-Shirts bei uns so billig sind. Also Augen auf beim Klamottenkauf!

Fazit

Eine besondere Stärke dieses kleinen Ratgebers ist zweifelsohne, dass so unterschiedliche Menschen darin zu Wort kommen. Doch leider waren die Herausgeber Shary Reeves, Jan Hofer und Dieter Kronzucker in der Auswahl ihrer "Autoren" ein wenig nachlässig. Ein Beispiel: Während sich die Journalistin Annette Sabersky lautstark für Fair-Trade-Klamotten einsetzt tritt ein paar Seiten später der Werbetexter des Slogans "Geiz ist Geil" als Weltverbesserer in Erscheinung. Constantin Kaloffs guter Rat für eine goldene Zukunft: mehr Kommunikation statt iPods. - Mit letzteren macht sein Auftraggeber Saturn jedoch ein Riesengeschäft. Und so entsteht auf manchen Seiten dieses schlauen Büchleins ein leiser Eindruck von Heuchelei. Zum Beispiel auch wenn Kai Diekmann, Chefredakteur der Bild-Zeitung, die Welt zum Lesen aufruft: "... weil man nirgends so viel lernen und seine Ansichten auf Fehler überprüfen kann, wie wenn man die eigenen Gedanken mit denen der anderen vergleicht." Seit wann überprüft die Klatschpresse ihre Ansichten auf Fehler!? Trotzdem ist das Buch "500 junge Ideen, täglich die Welt zu retten" ein netter Ferienschmöker. Und wie schreiben Revolverheld auf Seite 175 doch so richtig? "Man sollte sich einfach öfter an die eigene Nase fassen und schauen, was man selbst besser machen kann, anstatt nur rundum zu kritisieren".

Shary Reeves, Jan Hofer, Dieter Kronzucker (Hrsg.): "500 junge Ideen, täglich die Welt zu verbessern", Rowohlt, 7,99 Euro, ab 10 Jahren

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