Buchtipp Buchtipp: Die Entdeckung des Hugo Cabret

Auf zu den Ursprüngen des Kinos! In Brian Selznicks neuem Roman begegnet der Waisenjunge Hugo dem Filmemacher Georges Méliès
In diesem Artikel
Die Maschine des Magiers
Der Filmemacher Georges Méliès
Ein Film zwischen Buchdeckeln
Fazit

Manchmal wünscht sich der Waisenjunge Hugo, die ganze Welt wäre ein riesiger Automat: "Denn in einem Automaten ist kein einziges Teil überflüssig." Aber das Leben wickelt sich nun mal nicht an Zahnrädern ab und die Menschen bestehen auch zum Glück nicht aus Metall und Schmieröl, sondern aus Fleisch und Blut. So aber steht Hugo vor der schwierigen Aufgabe, seinem traurigen Dasein selbst einen Sinn geben zu müssen.

Gar nicht so einfach für einen Zwölfjährigen, der in den 1930er Jahren mutterseelenallein im Pariser Hauptbahnhof wohnt. Noch dazu verfolgt von einem mürrischen Stationsaufseher, der für "Streuner" und "Tagediebe" wie ihn wenig Mitleid hat. Dabei geht der Junge ungesehen einem ehrbaren Beruf nach. Seit sein trinksüchtiger Onkel eines Nachts verschwand, erledigt Hugo dessen mühevolle Aufgabe, täglich alle 27 Bahnhofsuhren aufzuziehen.

Buchtipp: Die Entdeckung des Hugo Cabret

Ein Schlüsselloch und viele Zahnräder... Zusammen mit Hugo taucht der Leser in eine märchenhafte Welt ein.

Die Maschine des Magiers

Überhaupt setzt Hugo alle Hebel in Bewegung, um Mensch und Maschine ihre rechte Bestimmung zurückzugeben. Hugos verstorbener Vater hat ihm einen kaputten Jahrmarkt-Automaten hinterlassen, an dem der Junge in jeder freien Minute herumtüftelt. Einmal in Gang gebracht, entpuppt sich der Automat als mechanischer Mann, der Hugo seinem eigenen Schicksal zuführt. Denn die klapprige Figur aus Metall und verrosteten Zahnrädern gehört dem Magier Georges Méliès. Der ist ein großartiger Trickkünstler und Filmemacher der ersten Stunde. Allerdings hat er sich nach dem Ersten Weltkrieg selbst aufgegeben und fristet seitdem ein enttäuschtes Dasein als Besitzer eines Spielzeugladens. Bis Hugo mit dem mechanischen Mann bei ihm auftaucht und zusammenbringt, was zusammengehört...

Der Filmemacher Georges Méliès

"Die Entdeckung des Hugo Cabret" ist eine märchenhafte Geschichte mit einem wahren Kern, denn den Filmemacher Georges Méliès gab es wirklich. Er wurde vor 150 Jahren geboren, war ein Pionier des Science-Fiction-Films und Erfinder des Kinos als Traumfabrik. Anders als heute waren Méliès filmische Illusionen jedoch handgemacht: Der ehemalige Zauberkünstler zog vor der Kamera alle Register der Kunst und arbeitete mit aufwändigen Kostümen, Fallklappen, unsichtbaren Seilen, Stopptricks und Rauchwerk. Doch nach dem Aufkommen des Spielfilms fanden seine theaterähnlichen Kulissen beim Publikum keinen Beifall mehr. So verbrachte Georges Méliès seine letzten Lebensjahre zurückgezogen als Spielzeughändler in einem kleinen Laden in Paris. Eben dorthin schickt Brian Selznick seinen kleinen Romanhelden Hugo, um einem fast vergessenen Filmkünstler die ihm gebührende Ehre zukommen zu lassen.

Ein Film zwischen Buchdeckeln

Brian Selznicks Roman ist über 500 Seiten dick und lässt sich doch in 90 Minuten lesen. Diese Gemeinsamkeit zum Film ist nicht zufällig: Der preisgekrönte Autor und Illustrator erzählt die Geschichte über viele Seiten hinweg in eindrucksvollen Schwarzweißzeichnungen. So beginnt das Buch mit einer mitreißenden "Kamerafahrt" über die nächtlichen Dächer von Paris, hinein in den überfüllten Bahnhof, bis zu einem Jungen, der sich eng in die dunklen Winkel drückt. Ein Cut. Und dann erst folgen die ersten Seiten Text.

Fazit

"Die Entdeckung des Hugo Cabret" stellt ein großartig gelungenes Experiment dar, einen Roman in eigenständigen Worten und Bildern zu erzählen. Brian Selznick versteht es darüber hinaus, interessantes Wissen über den Filmemacher Georges Méliès in eine abenteuerliche Geschichte zu verpacken. Nicht nur für Filmliebhaber eine spannende Lektüre!

Brian Selznick: "Die Entdeckung des Hugo Cabret", cbj Verlag, ab 12 Jahren, 12,95 Euro

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