Beruf: Bordkoch "Essen muss nach Zuhause schmecken"

Willi Woidera arbeitet bei den LSG Sky Chefs in Frankfurt, die sich um Bordverpflegung kümmern. Er denkt sich himmlische Menüs aus

GEOlino extra: Herr Woidera, was gibt's morgen im Flieger von Frankfurt nach New York zu essen?

Willi Woidera (lacht): Das weiß ich nicht. Ich kann Ihnen allerdings sagen, was wir im Sommer servieren werden.

Nämlich?

Unter anderem Blumenkohl-Mousse mit Ingwer. Wenn wir Menüs mit den Fluggesellschaften planen, sind wir der Zeit immer ein halbes Jahr voraus. So entwickeln wir jetzt im Winter die Sommergerichte und brutzeln im Hochsommer Weihnachtsgans.

Was speisen Fluggäste denn am liebsten über den Wolken?

Egal, was wir kochen: Wichtig ist, dass das Essen würzig ist. Das haben uns Tests erst kürzlich wieder bewiesen.

Erzählen Sie davon!

Wir haben im Labor genauer untersucht, wie Passagiere Essen in 8000 Meter Höhe schmecken. Das Ergebnis: Durch die veränderte Luftfeuchtigkeit und den Luftdruck ist vieles fader. Darum würzen wir nun etwas großzügiger. Unsere Brötchen salzen wir ein bisschen mehr. Manche Dinge schmecken durch die Bedingungen über den Wolken aber auch intensiver.

"Essen muss nach Zuhause schmecken"

Willi Woidera kocht für sein Leben gern. Auch über den Wolken

Tomatensaft etwa?

Genau! Die Säure der Tomaten schmeckt in der Höhe angenehmer, nicht so muffig. Darum scheint der Saft im Flieger so beliebt zu sein.

Wie viele von Ihnen entwickelte Gerichte fliegen derzeit um die Welt?

Über 100 – abgestimmt je nach Airline und Reiseroute.

Nach Reiseroute? Das heißt, auf dem Flug einer Airline nach New York gibt es etwas anderes zu essen als nach Tokio?

Ganz genau! Denn Essen an Bord soll – im wahrsten Wortsinne – Appetit machen auf das Land, in das Menschen gerade aufbrechen. Und die, die dorthin zurückkehren, wollen ein Essen, das wieder nach Zuhause schmeckt. Was glauben Sie, wie sehr sich Japaner nach zwei Wochen Haxe wieder über Sushi-Röllchen freuen!

Gibt es denn etwas, das man unmöglich an Bord servieren kann?

Ja. Zum Beispiel scheiden Saucen aus, die man kurz vorm Servieren noch einmal aufschäumen muss. Frische Spiegeleier sind auch schwer in die Luft zu bringen, die sehen schon nach ein paar Minuten in den Öfen an Bord nicht mehr lecker aus. Schwierig wären auch hoch aufgestapelte Gemüse-Türmchen. Würden die nach dem Start serviert, sähe es aus, als hätte ein Wirbelsturm auf den Tabletts gewütet.

Der 59-jährige Koch Willi Woidera sorgt für Hochgenuss und denkt sich Flugzeugessen aus. 100.000 solcher Mahlzeiten gehen jeden Tag von Frankfurt aus in die Luft. Beispiele gefällig? Im Internet gibt es etliche Fotos von Flugmahlzeiten weltweit.

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