GEOlino extra Nr. 36 - Seite 1 von 2

Geld
Zur Übersichtsseite "Geld" »

Text von Barbara Lich

Glanzstücke unter Druck

Bundesadler, Eichenzweig und Brandenburger Tor - allerlei Motive zieren die Münzen in unseren Geldbeuteln. Bloß: Wie kommen diese Bilder auf das Metall? Wir haben Deutschlands älteste Münzstätte in Hamburg besucht. Und prägende Einblicke erhalten


Nichts für schwache Augen: Mathias Kahmke korrigiert eventuelle Ungenauigkeiten der frisch gepressten Patrize  (Foto von: Stefan Bungert)
© Stefan Bungert
Foto vergrößern
Nichts für schwache Augen: Mathias Kahmke korrigiert eventuelle Ungenauigkeiten der frisch gepressten Patrize

Mathias Kahmke sitzt an seinem Arbeitstisch, als machte er einen Sehtest beim Augenarzt. Den Rücken kerzengerade durchgestreckt, blickt er durch ein mächtiges Vergrößerungsglas, eine Art Riesenlupe. Darunter: seine Hände, die einen winzigen Stichel halten, und ein rundes Stück Metall. Behutsam ritzt er die Linien in dessen Oberfläche nach. "Gleichmäßig müssen sie sein", murmelt er und führt den Stichel über das Metall, auf dem das Bild eines Adlers mit ausgebreiteten Schwingen prangt. Es ist der wohl bekannteste Adler im ganzen Land - der Bundesadler. Sein Bild schmückt die Rückseiten der deutschen Ein- und Zwei-Euro-Münzen. Und genau dafür sorgt, unter anderem, Mathias Kahmke: Er ist Graveur bei der "Hamburgischen Münze", einer der fünf Münzstätten in Deutschland. In diesen "Geldfabriken" werden seit Jahrhunderten Münzen hergestellt, in Hamburg schon seit dem Jahr 834. Damals durfte der Erzbischof der Stadt erstmals das kaiserliche Münzrecht ausüben - er bekam also die Erlaubnis, Münzen zu fertigen. Heutzutage stünde dem Kirchenmann der Mund vermutlich sperrangelweit offen, würde er die Hamburgische Münze besuchen: Bis zu 800 Millionen Geldstücke werden hier jährlich geprägt, 850 Münzen pro Maschine und Minute!



Ist die Patrize fertig,
wird das Metallstück in
einem Ofen gehärtet.
Dann endlich können
die Prägestempel
gepresst werden, wie
hier etwa für Ein-
Euro-Münzen (Foto von: Stefan Bungert)
© Stefan Bungert
Foto vergrößern
Ist die Patrize fertig, wird das Metallstück in einem Ofen gehärtet. Dann endlich können die Prägestempel gepresst werden, wie hier etwa für Ein- Euro-Münzen

Genauigkeit bis ins kleinste Detail

Natürlich graviert Mathias Kahmke die nicht alle einzeln per Hand, das wäre schließlich eine Heidenarbeit. Und trotzdem: Ohne den 40-Jährigen bliebe unser Geld gesichtslos. Denn Mathias Kahmke stellt die sogenannte Patrize her, den "Ur-Stempel" für die eigentlichen Münzstempel. Die Produktion einer jeden Patrize - einem Einzelstück übrigens - beginnt in einem kleinen Raum, unweit von Mathias Kahmkes "Stichelzimmer". Das Surren der Maschinen füllt hier jeden Winkel. Im hinteren Teil des Raumes tastet ein Laser das esstellergroße Gipsmodell einer Münze ab. Jeder Strich, jede Ecke, jedes noch so kleine Detail der Vorlage wird auf diese Weise vermessen und in einen Computer übertragen. "Das dauert zwischen zwölf und 20 Stunden", sagt der Graveur. Und das ist bloß der Anfang. Schließlich muss das Motiv danach auf dem stählernen Patrizenkörper verkleinert abgebildet werden. Dies geschieht in einer Fräsmaschine mit einem Stichel, der etwa so dünn ist wie ein menschliches Haar. Stunde um Stunde kreiselt er spiralförmig über das Metall und graviert das Bild dort hinein. Winzige Späne fliegen; aus kleinen Düsen spritzt Öl auf den Fräser, damit er nicht überhitzt. Je nach Größe und Motiv dauert eine solche Gravur ein bis zwei Tage. Dann landet die Patrize für die Feinstarbeit unter Mathias Kahmkes Lupe - zum Nachsticheln des exakten Abstands der Adlerflügel zum Beispiel. Jetzt noch mal in den Härteofen, dann ist der Metallkörper für seinen Job gestählt: Stempel herzustellen, die später auf Münzrohlinge donnern - der nächste Schritt im Produktionsablauf.


Auf der nächsten Seite erfahrt ihr, wie die Reise bis zur fertigen Münze weitergeht - und was vier Elefanten damit zu tun haben! Schon eine Idee?



Seite 1 von 2


Druckansicht Artikel versenden Deine Meinung Kontakt Sitemap