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Der erste Computer der Welt

Vor 100 Jahren entdeckten Taucher im Mittelmeer ein Schiffswrack. An Bord fanden sie nicht nur Schätze, sondern auch einen rätselhaften, komplizierten Mechanismus - High Tech aus der Antike


Das größte der Zahnräder hatte vier große Speichen (Foto von: Antikythera Mechanism Research Project)
© Antikythera Mechanism Research Project
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Das größte der Zahnräder hatte vier große Speichen

Elias Stadiatis traute seinen Augen nicht: Am Grund in 40 Meter Tiefe sah er die Umrisse eines Schiffswracks. Eigentlich suchte er mit seinen Freunden nur nach Schwämmen, doch nun reizte es ihn, das gesunkene Schiff genauer zu untersuchen. Schnell war klar: Sie hatten einen Schatz gefunden. An Bord des römischen Handelsschiffs waren Schmuck, Bargeld, bronzene Statuen und Amphoren mit damals kostbaren Weinen. Aber von der eigentlichen Sensation wussten sie damals noch nichts.

Aus der Römerzeit ins Museum

Das Schiff war vor mehr als 2000 Jahren im Sturm zwischen der griechischen Insel Kreta und der Halbinsel Peloponnes gesunken. Und erst im Jahr 1900, als die Taucher es entdeckten, betraten wieder Menschen die morschen Decksplanken. Die Taucher berichteten von ihrem Fund, und die geborgenen Fundstücke wanderten ins Museum von Athen. Darunter auch ein unscheinbarer, schwerer Klumpen. Offenbar verrostetes Metall. Nichts Besonderes. Oder etwa doch?



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So könnte die ungefähr 30 Zentimeter hohe Apparatur ausgesehen haben (Vorder- und Rückseite) (Foto von: Antikythera Mechanism Research Project)
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So könnte die ungefähr 30 Zentimeter hohe Apparatur ausgesehen haben (Vorder- und Rückseite)

Geheimnisvolles Innenleben

Ein Jahr später nahm ein Archäologe den Klumpen einmal genauer unter die Lupe. Er staunte nicht schlecht, als er ein Zahnrad entdeckte, das aus dem Rost herausragte. Zahnräder kannten die alten Griechen. Das wusste man. Aber dass sie komplette Uhrwerke bauen konnten, das war eine Sensation. Denn bei der Untersuchung zeigte sich, dass noch mehr Räder in dem Klumpen verborgen sein mussten. Und alle griffen sie, wie bei einem Uhrwerk, ineinander.

Als Forscher den Klumpen siebzig Jahre später mit einem Röntgengerät durchleuchteten, staunten sie noch mehr: Der ganze Apparat bestand aus fast 40 verschieden großen Zahnrädern, alle fein säuberlich aus einer dünnen Bronzeplatte hergestellt. Jetzt fingen die Forscher auch an zu verstehen, wie die Maschine einmal funktioniert haben musste. Und wozu sie gut war. Dabei halfen auch die griechischen Schriftzeichen, die auf einigen Teilen angebracht waren. Wie eine Art Gebrauchsanweisung.


Der erste Sternenrechner

Heute weiß man, dass der ganze Apparat nicht größer war als ein Schulranzen. Es gab ein Zifferblatt auf der Vorderseite und zwei auf der Rückseite. Die Zeiger auf diesen Zifferblättern zeigten aber nicht die Zeit an, sondern den Stand der Sonne, des Mondes und der übrigen Planeten. Das war aber noch nicht alles: Man konnte mit der Maschine wie mit einem Rechner vorausberechnen, wann die nächste Sonnenfinsternis stattfinden würde. Man nannte die Maschine nach ihrem Fundort "Mechanismus von Antikythera".

Das hätte man nie für möglich gehalten, dass die Griechen im Jahr 80 vor Christi Geburt schon so feine und komplizierte Apparate bauen konnten. Einem Forscher schien das so unglaublich, dass er behauptete, Außerirdische hätten die Technik auf die Erde gebracht. Hm. Naja ...
Offenbar gab es auch damals schon Leonardo da Vincis, Erfinder, die ihrer Zeit weit voraus waren. Und das hätten wir nie erfahren, wenn Elias Stadiatis damals nicht den verrosteten Klumpen aus dem Schlamm des Meeres gezogen hätte.




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