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Abgehoben: Europas Labor im Weltraum
Vergangenen Donnerstag startete die Raumfähre Atlantis ins Weltall. An Bord: Das Weltraum-Labor "Columbus"
Alles war so schön geplant: Schon im Jahr 2004 sollte das Labor "Columbus" zur Weltraumstation ISS fliegen und den Forschern spannende Experimente ermöglichen. Doch dann wurde die Reise abgesagt. Das 880 Millionen Euro teure Bauteil wartet seit drei Jahren auf den Abflug. Nun konnten die Astronauten endlich starten. Es wird ein Abenteuer, bei dem schon der kleinste Fehler schwerste Folgen haben kann.
Manche Dinge muss man selbst ausprobieren, um ein Gefühl für sie zu bekommen. Wer etwa wissen möchte, wie schwierig es ist, im Weltraum zu arbeiten, sollte sich seine dicksten Winterhandschuhe anziehen – und dann versuchen, eine Armbanduhr neu zu stellen. Schafft ihr es, an den winzigen Uhrenrädchen zu drehen oder die Knöpfe zu drücken? Wohl kaum! Die klobigen Woll- oder Lederfinger machen jede Feinarbeit unmöglich.
Genau das ist auch das Hauptproblem, vor dem der deutsche Astronaut Hans Schlegel steht, wenn er bald die wohl schwierigste Weltraummission des nächsten Jahres leitet: die Ankopplung des Weltraumlabors "Columbus" an die Internationale Raumstation ISS.
Seit Monaten bereitet Hans Schlegel sich auf diese Mission vor. Taucht in voller Montur in Wassertanks, um dort unter erschwerten Bedingungen jeden Handgriff zu üben. Macht sich mit der Technik des Columbus-Moduls vertraut, mit jedem Kabel, jedem Knopf. Wenn es nach ihm ginge, könnte es sofort losgehen. Doch da gibt es ein Problem.
Columbus, die europäische Experimentierstation, hat noch Bodenkontakt! Sie steht blitzblank geputzt und staubsicher verpackt in der wohl berühmtesten Wartehalle der Welt: dem "Reinraum" des Kennedy Space Center in Cape Canaveral, US-Bundesstaat Florida. Hier lagert alles, was in naher Zukunft ins Weltall geflogen werden soll. Laut Plan ist Columbus spätestens Anfang 2008 an der Reihe. Dann wird es in das Space Shuttle "Atlantis" verladen und zur Internationalen Raumstation, kurz ISS, geflogen, die in 400 Kilometer Höhe kreist. Dort dockt das Labor von außen an. Eine Reise, die vor allem von den Columbus-Entwicklern mit Hochspannung erwartet wird.
Auf den ersten Blick erinnert nichts an Columbus an eine Forschungsstation. Es sieht eher aus wie eine gigantische Getränkedose. Eine, die auf die Größe eines Doppeldeckerbusses aufgeblasen wurde. Hinter der glitzernden Aluminiumhülle entpuppt sich das Bauteil jedoch als High-Tech-Traum für Wissenschaftler. Zehn Schränke, groß wie Telefonzellen, haben die Ingenieure im
Doseninneren installiert. Ein jeder voll gestopft mit Schubladen, Bildschirmen, Messgeräten, Kühl- und Stromaggregaten, aus denen Kabel, Knöpfe und Schalter ragen.
Zehn Jahre lang haben die Ingenieure der Firma EADS in Bremen getüftelt, geschraubt und 880 Millionen Euro von der Europäischen Raumfahrtbehörde (ESA) für das Projekt bekommen. Kaum vorzustellen, was geschehen würde, wenn Columbus während des Fluges eine Beule abbekäme oder das Ankoppeln misslänge. Sorgenfrei schlafen werden die Ingenieure deshalb wohl erst wieder, wenn ihr Labor fest und funktionstüchtig an der Raumstation hängt. Bis dahin kann nämlich noch jede Menge schiefgehen.
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