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Gürteltiere: Schnüffler in Rüstung

In den Savannen und Wäldern Südamerikas lebt ein Tier, dem so leicht niemand auf die Pelle rücken kann: das Gürteltier. Bei Gefahr zieht es sich einfach in seinen Panzer zurück. Und das ist lange nicht der einzige Trick, den die flinken Säuger auf Lager haben


Das Gürteltier sieht ein bisschen aus wie eine riesige Kellerassel (Foto von: Theo Allofs/CORBIS
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Das Gürteltier sieht ein bisschen aus wie eine riesige Kellerassel

Überdimensionierte Kellerassel oder ein Ferkel in Ritterrüstung? Mit ihrem dicken Schuppenpanzer, den kurzen Beinchen und den winzigen Äuglein geben Gürteltiere ein merkwürdiges Bild ab und machen auf den ersten Blick einen eher unbeholfenen Eindruck. In Wahrheit sind die rüstigen Kerlchen perfekte Überlebenskünstler - und alles andere als unbeweglich: Die Schuppen des Gürteltier-Panzers sind in Ringen angeordnet und so erstaunlich flexibel. Mit ein bisschen gutem Willen erinnert ihr Aussehen an Gürtel - daher auch der Name Gürteltier. Im Spanischen heißen Gürteltiere "Armadillos" - "die Gepanzerten".


Erfolgsmodell der Natur

Dass Gürteltiere ein echtes Erfolgsmodell der Natur sind, sieht man daran, dass es sie schon so lange gibt: Bereits vor 60 Millionen Jahren lebten die Vorfahren der heutigen Gürteltiere auf der Erde. Damals wie heute bewahrte sie vor allem eins davor, im Magen eines hungrigen Raubtieres zu landen: Genau, ihr Panzer. Dieser umschließt den Körper nicht ganz, wie etwa bei einer Schildkröte, sondern ist zum Bauch hin offen. Um ihre verletzliche Unterseite zu schützen, ziehen Gürteltiere bei Gefahr die Beine ein und drücken sich fest auf den Boden. Einige Arten können sich sogar zu einer perfekt geschlossenen Kugel zusammenrollen.


Ein richtiges Urtier: Gürteltier in Brasilien (Foto von: Theo Allofs/zefa/Corbis)
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Ein richtiges Urtier: Gürteltier in Brasilien

Eingebaute Schaufeln

Buddeln ist eine weitere Spezialität der Gürteltiere. An den Vorderpfoten haben sie lange Klauen, mit denen sie in rasantem Tempo einen Bau schaufeln oder nach ihrer Lieblingsnahrung - Insekten, Schnecken und Käfern - graben. Mit ihrem hervorragenden Riechorgan erschnüffeln sie ihre Beute selbst dann noch, wenn sie sich 20 Zentimeter tief unter der Erde versteckt. Damit kein Dreck in die Nase kommt, der ihren feinen Geruchssinn trüben könnte, halten Gürteltiere bei ihren Erdarbeiten bis zu sechs Minuten lang die Luft an. Eine Fähigkeit, die ihnen auch in nassen Gefilden nützt. Gürteltiere scheuen nämlich keinesfalls das Wasser. Ist eine kürzere Strecke zu überwinden, marschieren sie einfach über den Grund auf die andere Seite. Dauert der Aufenthalt im nassen Element länger, haben sie noch einen besonderen Trick parat: Um mit ihrem schweren Panzer nicht unterzugehen wie ein Stein oder ein Ritter in Rüstung, pumpen sie Luft in Magen und Darm. Das gibt Auftrieb und lässt sie an der Oberfläche schwimmen.


Nachtaktive Supernasen

Beobachten kann man das allerdings selten. Gürteltiere sind nachtaktiv. Tagsüber schlafen sie in ihrem unterirdischen Bau. Sollte ein Raubtier auf die Idee kommen, sie währenddessen dort herauszuziehen, hat es schlechte Karten: Die Gürteltiere spreizen ihre Panzerplatten so weit wie möglich vom Körper ab. So funktionieren diese wie Widerhaken. Derart festgehakt ist ein Gürteltier kaum zu bewegen.

Nur gegen den Menschen helfen alle Tricks nicht. In Südamerika gilt Gürteltier-Fleisch als Delikatesse und auch der Panzer ist eine beliebte Trophäe. Dabei können die Tiere lebend viel nützlicher sein: Vielerorts werden sie als Schädlingsbekämpfer eingesetzt. Mit Supernase und Klebezunge sind sie dafür bestens gerüstet!




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