GEOlino extra Nr. 34 - Spione & Detektive Seite 1 von 1

Text von Simone Müller

Spürnasen mit Scharfsinn

Räuber und Gangster, Gauner und Verbrecher: Die Pfefferkörner schlagen sie alle in die Flucht. Seit fast 13 Jahren schon ermitteln die Filmdetektive in der Hamburger Speicherstadt. GEOlino war bei den Dreharbeiten dabei



Die jungen Schauspieler stehen eine Woche lang vor der Kamera,
um eine einzige <strong>Folge</strong> von "Die
Pfefferkörner" zu drehen (Foto von: Valeska Achenbach und Isabela Pacini)
© Valeska Achenbach und Isabela Pacini
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Die jungen Schauspieler stehen eine Woche lang vor der Kamera, um eine einzige Folge von "Die Pfefferkörner" zu drehen

Es ist Szene 106-26, in der alles zu scheitern droht: Emma, Nina und Max sind dem Schurken Dragan auf die Schliche gekommen: Er dealt an Schulen mit "Happy Pills". Die drei Detektive haben die Drogen entdeckt, als sie in Dragans Büro schnüffelten. Der Fiesling hätte sie dabei fast erwischt. Fast! Atemlos lehnen sie nun hinter einer Hauswand.


Emma: "Und jetzt?"
Nina: "Wir müssen ihn an seiner Achillesferse packen."
Sie zieht zwei Pillentütchen aus der hinteren Hosentasche.
Nina (grinst): "Seine Achillesferse!"
Emma: "Die Happy Pills."
Nina: "Von wegen happy, dem wird das Lachen bald vergehen, das schwöre ich euch!"


Abgehängt? Die <strong>Nachwuchs-Detektive</strong>
haben Drogenboss Dragan nachgeschnüffelt
- und wurden dabei fast erwischt.
Jetzt hecken sie einen Plan aus, um ihn dingfest zu machen. Für diese
Szene ließ das Filmteam extra einen Teil des Hamburger
Stadtteils St. Pauli sperren (Foto von: Valeska Achenbach und Isabela Pacini)
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Abgehängt? Die Nachwuchs-Detektive haben Drogenboss Dragan nachgeschnüffelt - und wurden dabei fast erwischt. Jetzt hecken sie einen Plan aus, um ihn dingfest zu machen. Für diese Szene ließ das Filmteam extra einen Teil des Hamburger Stadtteils St. Pauli sperren

Gebannt blicken die drei auf das Tütchen. Da passiert es: Max - muss kichern. Mal wieder. "Stopp!", hört man aus dem Hintergrund. Eine Frau kommt nach vorn. "Ihr müsst ernst bleiben!
Wenn einer anfängt, können sich die anderen auch nicht mehr halten", ermahnt Andrea Katzenberger, die Regisseurin von "Die Pfefferkörner", die drei Kinder. Kopfnicken. Also alles von vorn! Seit diesem Jahr spielen Bruno Alexander (Max), Carolin Garnier (Nina) und Aurelia Stern (Emma) die Nachwuchs- Detektive der gleichnamigen Fernsehserie. Im KiKA ermitteln sie gemeinsam mit Sammy O'Leary (Henri), dem vierten Mitglied der Bande. Das Nesthäkchen wird an diesem trüben Frühlingstag erst später seinen Auftritt haben. Zuvor muss Szene 106-26 klappen. "Achtung, bitte auf Anfang!"


Das ganze Team drängt sich stumm hinter die Kamera. Davor heißt es für Bruno, Carolin und Aurelia nun: rennen, verstecken, Pillen auspacken – zum fünften Mal! Diesmal zucken Aurelias Mundwinkel, ein klein wenig. Der Kameramann hält drauf. Durchhalten! Nach einer gefühlten Ewigkeit ruft jemand: "Schnitt!" Die Szene ist im Kasten. Geschafft! Pause hat nun aber kaum jemand. Im Gegenteil. Auf dem kleinen Platz hoch über dem Hamburger Hafen wird es wuselig. Techniker legen die Schienen um, auf denen der kleine Wagen mit der Kamera rollt. Requisiteure schleppen Plastiktische und Stühle herbei. Der Duft von Fritten-Fett wabert umher. Die nächste Szene, 106-33A, spielt vor einer Würstchenbude. Im Fernsehen wird sie erst am Ende der Folge zu sehen sein. "Für uns ist das überhaupt nicht verwirrend, sondern total normal", sagt Aurelia alias Emma, die schon eine ganze Weile vor der Kamera steht. Wie jetzt!


Der Mann in der <strong>Maske</strong>:
Klaus Leder kämmt Schauspielerin Carolin vor
dem Dreh (Foto von: Valeska Achenbach und Isabela Pacini)
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Der Mann in der Maske: Klaus Leder kämmt Schauspielerin Carolin vor dem Dreh

106-33A. Emma, Max, Henri und Hannes (Emmas Vater) am Imbisswagen. Auf dem Tisch liegt die "Hamburger Abendzeitung".
Hannes (liest): "Schlag gegen die Drogenszene auf St. Pauli: Bei einer routinemäßigen Fahrzeugkontrolle wurden Dragan M. und Janko P. wegen Drogenbesitzes festgenommen. Bei der anschließenden Durchsuchung ihres Büros stellte die Polizei Drogen im Wert von 12 000 Euro sicher."
Max: "Von uns kein Wort. Dieser Dragan wird nie erfahren, dass wir dahinterstecken!"


"Stopp!" Bruno wird mitten im Satz unterbrochen. Ein Hubschrauber rattert über das Viertel hinweg. Sein Lärm übertönt jedes Wort. Darum alles von vorn. 106-33A, die Zweite ... Und wieder: Stopp! "Wenn wir jetzt anfangen, haben wir in einer Minute und 30 Sekunden das Glockenläuten mit drauf", ruft der Tonmann und zeigt mit dem Daumen zum Turm der St.-Pauli-Kirche, der keine 100 Meter entfernt zwischen den Häusern aufragt. Also Pause. Carolin, die Pfefferkörner-Nina, putzt sich die Nase, bekommt noch einmal die Haare zurechtgezupft. Sie weiß nur zu gut, dass Schauspielerei auch ein Geduldsspiel ist: Fast anderthalb Stunden braucht das Team, um 1:20 Minuten Film abzudrehen!


Gemeinsam mit der Regisseurin
Andrea Katzenberger und deren
Assistent Carmine Melone gehen die Detektive
das <strong>Drehbuch</strong> durch (Foto von: Valeska Achenbach und Isabela Pacini)
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Gemeinsam mit der Regisseurin Andrea Katzenberger und deren Assistent Carmine Melone gehen die Detektive das Drehbuch durch

Die Pfefferkörner wurden in 104 Folgen schon mit Pistolen bedroht, gefesselt, verfolgt. Ob Carolin sich auch manchmal fürchte, wenn sie sich während ihrer Film-Ermittlungen in Gefahr begibt? Die Zwölfjährige überlegt kurz. "An einer Stelle in dieser Folge verstecken wir uns vor Dragan im Schrank, und er entdeckt uns fast. Da hatte ich wirklich ein bisschen Angst. Aber wie man gerade sieht, geht ja alles gut aus", flüstert Carolin und grinst hinüber zur Imbissbude. Ihre Film-Freunde drehen dort schon die nächste Szene - und lassen sich von Max' Oma Leni eine Currywurst spendieren.


Oma Leni (zu Hannes): "Noch eine Currywurst?"
Hannes: "Oh nee, ich darf nicht."
Henri: "Ich darf."
Henri stopft sich die Wurst in den Mund.
Max: "Wo bleibt Nina eigentlich?"
Emma: "Sie wollte nicht kommen."


Drei Anläufe, dann ist auch diese Szene abgedreht. Und es gibt wirklich für alle Mittagessen. Nur Bruno und Neil Malik Abdullah, der Dragan spielt, stehen noch vor der Würstchenbude. "Na, du Schurke", feixt Bruno und rempelt Neil an. Der "Schurke" hebt ihn hoch, schüttelt ihn. Gerade noch Feinde, jetzt Freunde: Ist das nicht komisch? "Nö", grinst der Junge, "der ist in echt doch total nett."


Zum Lernen, zum Gruseln und zum Mitfühlen: Die Pfefferkörner sind seit dreizehn Jahren im Dienst (Foto von: NDR)
© NDR
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Zum Lernen, zum Gruseln und zum Mitfühlen: Die Pfefferkörner sind seit dreizehn Jahren im Dienst

Die Pfefferkörner

EINSATZGEBIET: Ihr Hauptquartier haben "Die Pfefferkörner" in einem alten Lagerhaus für Gewürze mitten in der Hamburger Speicherstadt - daher rührt ihr Name. Von dort aus jagen sie dreiste Einbrecher-Banden, skrupellose Hundehändler oder nächtliche Brandstifter in ganz Hamburg.
DIE ERMITTLER: Die Pfefferkörner gibt es gar nicht. Denn etwa alle zwei Jahre übernimmt ein anderes Team das Hauptquartier. Derzeit steht die fünfte Detektiv-Gruppe vor der Kamera. Sie besteht aus der zwölfjährigen Emma mit ihrem fotografischen Gedächtnis, der sensiblen Nina, dem Nesthäkchen Henri und dem Draufgänger Max (im Bild von rechts nach links).
IM DIENST SEIT: 1999
GELÖSTE FÄLLE: 104
ERFINDER: Die Idee zu den ersten Folgen der Pfefferkörner hatten Katharina Mestre, Angelika Paetow und Anja Jabs. Heute schreiben mehrere Autoren die Drehbücher.
FÄLLE DOKUMENTIERT ALS: Fernsehserie (die neuen Folgen laufen ab Oktober im KiKA)




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