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Am Pranger stehen

Manchmal werden wir so stark kritisiert, dass wir uns so vorkommen, als würden wir am Pranger stehen. Aber was ist eigentlich ein Pranger? Hier erfahrt ihr es


Ein Schaupsieler und ein Tourist können hier selbst erfahren, wie es ist, am Pranger zu stehen (Foto von: Kelly-Mooney Photography/Corbis)
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Ein Schaupsieler und ein Tourist können hier selbst erfahren, wie es ist, am Pranger zu stehen

"Das kann doch wohl nicht wahr sein!", ruft Nele. "Ich habe dir doch gesagt, du sollst vorsichtig sein!" Nele ist stocksauer. Sie hatte ihrer kleinen Schwester Mia ihr Lieblings-T-Shirt geliehen, nachdem diese sie stundenlang deswegen genervt hatte. Nun bereut sie das sehr. Denn: Gerade kam Mia mit einem unübersehbar großen Loch im Stoff des Shirts nach Hause. "Es tut mir so leid. Ich wollte das nicht", erklärt Mia kleinlaut. "Wie ist das denn dann passiert?", hakt Nele nach. Mia berichtet: "Na ja. Eigentlich wollte ich nur mit Tina ein Eis essen gehen, aber irgendwann war uns das zu langweilig. Und dann sind wir zum großen Abenteuerspielplatz gegangen. Tja, und da bin ich am Klettergerüst hängen geblieben - und schon war das T-Shirt gerissen. Da konnte ich gar nichts machen."

Als die Mutter der beiden Schwestern hereinkommt, fällt ihr das kaputte T-Shirt ebenfalls sofort ins Auge. "Oh je, Mia, was ist denn mit dem schönen T-Shirt passiert?" "Sie hat es kaputt gemacht", sagt Nele trotzig. "Das stimmt gar nicht. Das ist aus Versehen passiert!", ruft Mia verzweifelt. "Jetzt stellt mich doch nicht gleich an den Pranger!"

Wenn man sprichwörtlich am Pranger steht, bedeutet das, dass man öffentlich einem Vorwurf ausgesetzt ist und für etwas beschuldigt wird. Die Wendung bezieht sich auf einen mittelalterlichen Brauch. Verurteilte wurden früher an einen Pfahl gekettet, der auf einem öffentlichen Platz stand. So wurden sie der allgemeinen Verachtung preisgegeben. Diese Strafe konnte zusätzlich mit weiteren Strafen - wie körperlicher Züchtigung, Landesverweis oder einer Geldstrafe - kombiniert werden. Die Redewendung wird seit Mitte des 19. Jahrhunderts, also schon über 150 Jahre, im übertragenen Sinne gebraucht.

Auch Mia fühlt sich fast wie eine Verurteilte, die von ihrer Schwester und Mutter an den Pranger gestellt wird. Und das, obwohl ihr das T-Shirt ja nur aus Versehen zerrissen ist. Um das Missgeschick wiedergutzumachen, hat sie das Loch gemeinsam mit ihrer Mutter zugenäht. Zwar ist noch eine kleine Naht übriggeblieben, aber das T-Shirt sieht nun fast wieder aus wie neu. Nele ist zwar nicht mehr sauer auf Mia, aber ob sie ihr noch einmal etwas von ihren Lieblingssachen leihen wird? - Das hängt wohl wieder von den Überredungskünsten ihrer kleinen Schwester ab!


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