Fall der Berliner Mauer November 1989: Als die Mauer fiel

Fast drei Jahrzehnte trennt die Berliner Mauer den Ost- und Westteil der Stadt voneinander. Dann fällt die berühmteste Grenzanlage der Welt am 9. November 1989 ganz plötzlich. Doch anderswo auf unserem Planeten leben Menschen noch immer hinter Stein und Stacheldraht
Fall der Berliner Mauer

Schon bald nach der Maueröffnung am Abend des 9. November beginnen die Berliner, überall in der Stadt die Sperranlagen abzureißen

Der Fall der Berliner Mauer

"Tor auf! Tor auf!" Es ist der Abend des 9. November 1989, als Harald Jägers Welt ins Wanken gerät. Wie an vielen Tagen zuvor bewacht der Offizier den Übergang Bornholmer Straße in Berlin, der den Ost- vom Westteil der Stadt trennt. Doch diesmal ist alles anders: Statt – wie sonst – respektvoll Abstand zu halten, stürmen Menschen in Massen auf ihn zu, immer näher an den Schlagbaum he­ran, an dem Jäger und weitere bewaffnete Grenzsoldaten stehen. Tausende Frauen und Männer drängen sich und schreien durch­einander: „Endlich frei!“ – „Auf­machen! Aufmachen!“

Was Jäger zu diesem Zeitpunkt nicht weiß: Wenige Stunden zuvor hat ein hoher Politiker der DDR verkündet, dass die Bürger Ostdeutschlands künftig in den Westen reisen dürfen. 28 Jahre war das den meisten streng verboten. So lange waren die DDR-Bürger hinter Mauern eingesperrt. Fast wie in einem Gefängnis. Wie kam es dazu?

Der Mauerbau: Die Berliner Mauer wird zur unüberwindlichen Barriere

Springen wir zurück in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Da­­mals teilen die Siegermächte Deutschland in zwei Teile auf: Der Osten steht künftig unter den Einfluss der Sowjetunion; ab 1949 heißt er Deutsche Demokratische Repu­blik (abgekürzt DDR). Der Westen (und Westberlin) wird zur Bun­des­re­publik Deutschland (BRD). Die beiden deutschen Staaten stehen sich nun feindlich gegenüber.

Viele Bürger sind mit dieser Trennung nicht einverstanden. Vor allem junge Ostdeutsche möchten nicht in der DDR leben, wo immer dieselbe Partei die Macht hat und der Staat fast alles regelt, sogar, welche Produkte in welcher Menge hergestellt werden. Millionen fliehen in den Westen, wo man frei wählen darf und sich der Staat weniger in die Wirtschaft einmischt. Die DDR droht zusammenzubrechen.

Schon 1954 wird die Flucht aus Ostdeutschland deshalb mit Ge­­fäng­­nis bestraft. 1961 entscheiden die Führer der Sowjetunion und der DDR: Wir schließen die Grenze zu Westberlin!

Am 13. August 1961 be­­ginnen Arbeiter, rund um den Westteil Berlins eine Mauer zu errichten. Bis 1989 wird sie zu einer fast unüberwindlichen Barriere aus Beton, Elektrozäunen und Wach­­türmen. Auch die Grenze zu den westdeutschen Bun­­des­län­dern wie Hessen wird immer stärker gesichert.

Zwar gelingt ei­­nigen Wagemutigen dennoch die Flucht: Sie schweben mit Heißluftballons über die Grenze oder buddeln in Berlin Tunnel unter der Mauer hindurch. Doch viele werden bei Fluchtversuchen ge­­schnappt und bestraft, etwa 300 Menschen auf der Flucht getötet.

Erst Ende der 1980er-Jahre än dert sich die Lage: In der Sowjet­union kommt Michail Gorbatschow an die Macht. Und der möchte sich mit dem Westen versöhnen. Er er­­mahnt auch die DDR-Regierung, ihre Politik zu ändern. Doch niemand ahnt, wie schnell nun alles geht.

Berliner Mauer

Im Schatten der Mauer: Die Westberliner nehmen es meist gelassen – und genießen das schöne Wetter eben unter Stacheldraht

Der Mauerfall: Die berühmte Grenze fällt

Und dann, an jenem 9. November 1989, dürfen die DDR-Bürger plötzlich ausreisen! In Berlin wollen Tausende das Wunder mit eigenen Augen sehen: Sie strömen auf die Grenzübergänge zu. Was soll Jäger tun? Panisch telefoniert er mit seinen Vorgesetzten. Doch die geben nur unklare Anweisungen. Und tauchen bald ganz ab.

„Aufmachen! Aufmachen!“ Im­­mer heftiger bedrängt die Menge die Grenzsoldaten, bis Jäger um 23.29 Uhr eigenmächtig beschließt, den Übergang Born­holmer Straße zu öffnen. Jubelnd strömen die Menschen durch die offenen Tore. Noch in der Nacht fallen an­dere Grenzübergänge, klettern Feiernde singend auf die Mauer oder schlagen mit Hämmern darauf ein. Die bekannteste Barriere der Welt ist gefallen.

Ein prima Schutz

Eine Mauer, um ein Volk einzusperren? Lange hätten Menschen diese Idee wohl für ziemlich schräg gehalten. Denn Jahrtausende dienen Mauern vor allem zum Schutz: Sie sind für Angreifer schwer zu überwinden und lassen deren Geschosse abprallen, während die Verteidiger dahinter Pfeile, Speere oder Steine auf die Feinde abfeuern können.

Schon im Jahr 7000 vor Christus umgeben die Bewohner Jerichos im heutigen Westjordanland ihre Stadt darum mit einer Steinmauer. Ein paar Jahrtausende später kommen solche Sperren auch in Europa in Mode. Wobei die Steinwälle zu immer raf­finierteren Anlagen werden: mit Wehrgängen und -türmen, Zinnen, Schießscharten, Gräben, Vormauern und vielem mehr. Gegen solche Bollwerke haben Feinde bei Angriffen kaum eine Chance.

Manchmal schützen Mauern so­­gar ganze Reiche – etwa in China. Dort ziehen Abertausende von Arbeitern Mauern über Berge und durch Wüsten, um Reiterhorden aus der benachbarten Mongolei zu stop­­pen. Die chinesische Mauer ist bis heute das größte Bauwerk der Welt.

Neben Chinesen sind auch die Römer Mauerfans: Im Norden der Provinz Britannia bauen sie den Hadrianswall, um den Zugang von Fremden zu kontrollieren. Zudem sichern sie günstige Stellen mit Burgen und Kastellen – etwa auf Bergen, wo sie schwer anzugreifen sind. Diese Taktik übernehmen im Mittelalter viele Rittergeschlechter.

Wälle gegen die Armut

Heute leben wir in einer Welt, die mehr und mehr zusammenrückt. Wir kaufen Kiwis aus Neuseeland und fliegen in den Ferien in ent­fernte Länder. Eigentlich, sollte man da denken, müssten Mauern doch langsam verschwinden. Doch Irrtum: Seit einigen Jahren wachsen an vielen Orten neue Hin­dernisse empor. Sie sollen nicht Feinde stoppen – sondern arme Menschen. Flüchtlinge, die ihre Heimat wegen Krieg, Verfolgung oder Armut verlassen.

Doch kaum ein reiches Land möchte diese Menschen aufnehmen. In den USA plant Präsident Donald Trump, an der Grenze zu Mexiko eine 3000 Kilometer lange Mauer zu errichten, um so Menschen aus Mittelamerika den Weg in die USA zu versperren.

In Europa schotten sich Un­­garn, Slowenien und weitere Länder mit Grenzzäunen ab. Und auch um die spanische Stadt Melilla in Nord­afrika zieht sich ein sieben Meter hoher Zaun. Immer wieder stürmen junge Männer darauf zu und versuchen darüberzuklettern – die reiche Welt vor Augen. Doch dahinter warten Polizisten, um sie abzufangen.

Seit dem Fall der Berliner Mauer sind nun 30 Jahre vergangen. Doch die Welt ist leider noch immer nicht frei geworden.

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