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Schreien, tanzen, pupsen Wie Tiere kommunizieren

Wie Schimpansen kommunizieren
© Zitat: GEOlino 07/2021
Sie verstehen sich auch ohne Worte: Tiere haben ganz eigene Wege gefunden, um sich auszutauschen und mitzuteilen. Welche? Das erzählen sie am besten selbst. Und wir übersetzen

Schimpansen: »Wir sind einfach sprachlos«

»Unser Ruf eilt uns Schimpansen häufig voraus: Durch Schreie teilen wir unseren Artgenossen mit, wo wir sind, wer bei uns ist und wo es was zu futtern gibt. Mehrere Hundert Meter weit ist das zu hören. Oft verständigen wir uns aber auch mit Händen und Füßen. Unseren Kindern machen wir zum Bei-spiel per Handzeichen deutlich, dass sie auf unseren Rücken klettern sollen. Immerhin 66 verschiedene Gesten haben Forschende bei wild lebenden Artgenossen gezählt. In Zoos haben sie einigen von uns sogar Gebärden beigebracht, um mit ihnen zu kommunizieren. Selbst einzelne, nicht zusammenhängende Wörter konnten sie ihnen antrainieren. Für Sätze und Gespräche reicht es aber nicht: Wir sind einfach sprachlos! Das liegt daran, dass unser Kehlkopf zu hoch sitzt, um zu sprechen. Außerdem unterscheiden sich unsere Hirnstrukturen von euren. Eines aber können wir genauso gut wie ihr: Wir teilen nur Informationen, wenn wir davon ausgehen, dass unser Gegenüber sie noch nicht weiß. Damit sind wir Schimpansen, neben euch, die einzigen Tiere, die andere nicht einfach mit längst Bekanntem langweilen.«

Chamnäleon: »Ich bin eine ehrliche Haut«

Wie Chamäleons kommunizieren
© Zitat: GEOlino 07/2021

»Was ich denke und fühle, sieht man mir meist an den Hautschuppen an. Deren Farbe verrät nämlich, ob ich aufgeregt bin oder eine Partnerin suche. Und genauso gut mache ich einem Konkurrenten knallig klar, wenn er sich verziehen soll. Eigentlich färben Pigmente, winzige Farbteilchen, meine Haut gelb. In ihr steckt aber auch noch ein Gitter aus Nanokristallen. Und das sorgt dafür, dass ich es richtig bunt treiben kann. Je nach Ausrichtung reflektieren und brechen sie das Licht unterschiedlich stark. Dadurch entstehen verschiedene Farbtöne. Gesteuert wird das Ganze durch Nervensignale. Fühle ich mich entspannt, sorgen diese dafür, dass die Kristalle eng beieinander liegen und „blau machen“, also die blauen Anteile des Lichts zurückwerfen. Zusammen mit den gelben Pigmenten erscheine ich darum grün. Rege ich mich auf, lockert sich das Gitter und reflektiert rotes Licht. Mein Körper leuchtet – na? – genau, orange. Ich bin also wirklich eine ehrliche Haut.«

Gelbbauchmurmeltier: »Wir pfeifen nicht auf Gefahren« 

Wie Murmeltiere kommunizieren
© Zitat GEOlino 07/2021

»Die Warnkommandos unserer Wachposten lernen wir Gelbbauchmurmeltiere schon von klein auf. Mehrere kurze Töne bedeuten: „Feind lauert am Boden“. Und ein einziger langer: „Gefahr aus der Luft“. In beiden Fällen verschwinde ich – schwupps – im unterirdischen Bau! Ganz schön pfiffig, diese Alarmanlage, oder? Nicht ganz: In Wahrheit pfeifen wir nicht auf Gefahren. Wir schreien aus voller Kehle! Die Töne, die wir dabei im Kehlkopf erzeugen, klingen für eure Ohren bloß wie Pfiffe. Wie auch immer: Das Wacheschieben überlassen wir so oder so den Pfeifen der Gruppe – Außenseitern, die sich durch ihren selbstlosen Einsatz bei den anderen einschleimen wollen.«

Honigbiene: »Meine Tanzschritte sind richtungsweisend«

Tierkommunikation der Honigbiene
© Zitat GEOlino 07/2021

»Im Bienenstock bringe ich regelmäßig die Tanzfläche auf den Waben zum Beben! Damit verrate ich meinen Artgenossinnen nämlich, wo es Nektar zu holen gibt. Ich schmeiße – summmmmm! - meinen Flügelmotor an und setze meinen Körper und damit auch den Boden unter mir in Schwingung, ganz ohne die Flügel zu bewegen. Meine Artgenossinnen um mich herum merken dadurch, dass ich etwas mitzuteilen habe. Heranwinken kann ich sie schlecht, im Bienenstock ist es nämlich stockfinster. Dann startet die Show. Zum Programm gehören: der Rundtanz für nahe Ziele oder der Schwänzeltanz für Futterquellen, die oft kilometerweit entfernt liegen. Meine Tanzschritte sind dabei buchstäblich richtungsweisend, und ihre Geschwindigkeit zeigt die Entfernung zum Ziel an. Ein Jammer, dass die anderen die Moves im Dunkeln nicht sehen können! Stattdessen legen sie ihre Fühler auf meinen Allerwertesten, um die Bewegungen zu spüren. Da darf man auch als Biene keinen Stock im Po haben.«

Wildkaninchen: »Wir führen dufte Klogespräche«

Tierkommunikation des Wildkaninchens
© Zitat GEOlino 07/2021

»Was es Neues gibt, erfahre ich auf der Toilette. Einfach mal ein Näschen nehmen, und schon weiß ich, was abgeht. Denn wir Wildkaninchen setzen statt Facebook-Posts lieber ein paar Kötel und Pippi ab. Dafür legen wir extra Sammelklos an. Einige davon befinden sich an der Außengrenze unseres Reviers. Die Chefs unserer Gruppe machen dort fremden Kaninchen durch ihre Hinterlassenschaften klar: Hier wohnen und koten wir! Im Zentralklo in der Nähe unseres Baus tauschen wir hingegen Infos mit eigenen Gruppenmitgliedern aus. Wir führen dufte Klogespräche: Über Geruchsstoffe klären wir zum Beispiel die Rangordnung untereinander oder läuten die Paarungszeit ein. Die jüngeren Mitglieder parfümieren sich sogar mit dem Mief, damit wir sie als Teil der Gruppe erkennen.«

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