Tierkinder Mutige Küken

Hoch oben in Baumhöhlen werden kleine Schellenten geboren. Schon kurze Zeit nachdem sie aus dem Ei geschlüpft sind, müssen die Küken ihren ganzen Mut zusammen nehmen und in die Tiefe springen, um im See planschen zu können
Mutige Küken

Junge Schellenten an der Seite ihrer Mutter

Enten sind Wasservögel und lieben es in Teichen und Seen zu schwimmen. Auch ihre Jungen werden im seichten Wasser geboren. Doch für die Schellenten beginnt das Leben mit einem Sprung in die Tiefe. Die Küken dieser Enten werden auf Bäumen geboren! Sie sind die einzigen Enten, die verlassene Baumhöhlen als Nistplatz für den Nachwuchs wählen.

Zur Balzzeit versuchen die Schellenten-Erpel alles, um die Aufmerksamkeit der Weibchen auf sich zu ziehen. Obwohl sie schon durch ihr leuchtendes Gefieder beeindrucken, schlagen sie aufgeregt mit ihren Füßen im Wasser und spritzen kleine Fontänen in die Höhe. Ist die Ente nicht überzeugt, schwimmt das stolze und aufgeplusterte Männchen ihr so lange hinterher, bis es sie für sich gewinnt.

Gemeinsam suchen sie nach der Paarung nach einer geeigneten Nisthöhle. Diese darf nicht zu klein sein, um ein entengerechtes Zuhause zu bieten. Es fehlen nur noch ein paar Daunen, damit es der Nachwuchs weich und gemütlich hat.

Im Abstand von ein bis zwei Tagen legt das Weibchen bald bis zu zwölf hellgrüne Eier. Sie wiegen gerade einmal 65 Gramm und werden von der Entenmutter schützend gewärmt und immer wieder gedreht. Schon nach einem Monat verspürt sie ein vorsichtiges Picken aus dem Inneren der Eischale - das erste Küken versucht, sich mit Hilfe seines Eizahns zu befreien. Endlich ist es geschafft! Erschöpft kuschelt sich das Kleine an seine Mutter.

Jeden Tag schlüpft nun ein Küken, das von einem flauschigen, schwarz-weißen Gefieder bedeckt ist. Die Entenmutter kümmert sich ganz alleine um die Aufzucht der Kleinen. Der Erpel ist nach seinen anfänglichen Bemühungen schon vor der Geburt der Küken wieder aufgebrochen.

Doch auch die kleine Entenfamilie gehört zu den Nestflüchtern. Sobald das letzte Küken geschlüpft ist, drängt auch die Mutter den Nachwuchs dazu, die sichere Höhle zu verlassen. Schließlich sollen die jungen Enten schon bald im See schwimmen.

Gerade aus dem Ei geschlüpft...

Haben sich die Küken erst einmal aus ihrer Schale befreit, wartet also schon die nächste Herausforderung auf sie. Ihre Mutter macht den Anfang und verlässt das Nest. Zu Beginn noch zögerlich, vermissen sie die Nähe zu ihr schon bald so sehr, dass sie ihr schon nach wenigen Minuten folgen wollen. Vorsichtig nähern sich die kleinen Enten dem Rand des Nests.

Ihre Mutter wartet unten und ruft immer wieder aufmunternt nach oben. Sie passt auf, dass keine Feinde in der Nähe sind. Falken, Bussarde und Füchse könnten ihnen in dieser Situation gefährlich werden. Obwohl die Kleinen noch nicht fliegen können, müssen sie jetzt ins Ungewisse springen. Da purzelt schon das erste in die Tiefe. Instinktiv versucht es, mit seinen noch kurzen Flügeln zu schlagen und seine Schwimmhäute auszuspreizen. Doch obgleich ihn diese noch nicht tragen, fängt der mit Moos und Blättern bedeckte Waldboden das mutige Küken sanft auf.

Im Entenmarsch...

Sind alle unten? Und schon geht es im Entenmarsch in Richtung See. Hier werden sie ihr neues Zuhause finden. Schnell beeilen sich die Kleinen, um nicht den Anschluss zu verlieren. Doch die Entenmutter lässt ihren Nachwuchs keine Sekunde aus den Augen.

Am See angekommen, gibt es kein Halten mehr. Die wenige Tage alten Schellenten planschen neugierig und verspielt im Wasser. Schon versuchen sie, es ihrer Mutter gleich zu tun, und ihr nachzutauchen. Doch das flauschige Daunenkleid macht es ihnen nicht leicht. Später werden sie wie die Großen nach kleinen Fischen, Schalentieren und Pflanzen tauchen. Im Gegensatz zu den Gründelenten, die nur ihren Kopf in das Wasser strecken, können Schellenten auf der Suche nach Nahrung bis zu fünf Meter tief tauchen. Ihr schmaler Schnabel hilft ihnen dabei, in Spalten und zwischen Steinen Essbares zu entdecken.

Bereits nach zwei Monaten sind die jungen Enten ausgewachsen und trennen sich langsam von ihrer Mutter. Während die Weibchen auch im Erwachsenenalter ihr grau-braunes Federkleid behalten, färbt sich das Gefieder des Erpel schwarz-weiß. Sein Kopf erhält ein leuchtendes Dunkelgrün mit einem weißen Fleck zwischen Auge und Schnabel. Doch beiden gemein sind die für Schellenten charakteristischen gelben Augen, die ihnen im Englischen den Namen "Goldeneye", das "goldene Auge", eingebracht haben.


GEOlino-Newsletter
nach oben