Tierische Helfer: Polizeipferde

Wenn sie mit ihren uniformierten Reitern durch die Straßen schreiten, hat das immer etwas Erhabenes: Polizeipferde strahlen Stolz und Sympathie aus. Für ihre menschlichen Kollegen sind die großen Vierbeiner eine echte Bereicherung
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Unersetzbare Mitarbeiter

Tierische Herausforderungen

Hupen, Schreien, Knallen und Pfeifen: Diese Geräuschkulisse ist Alltag für Polizeipferde. Sie bewegen sich im dichten Straßenverkehr, durch grölende Fans und fahnenschwänkende Demonstranten. Auch laute Knallkörper fliegen immer wieder durch die Gegend. Kein Job für schwache Nerven also.

Den großen Rotschimmel Eragon kann das alles nicht beeindrucken. Seit Mai 2011 ist der Holsteiner bei der Reiterstaffel in Hamburg und will was erleben. Deshalb geht er auch lieber zu Fußballspielen als auf Patrouille in den Park, erzählt uns sein Reiter Christopher Korte. "Eragon hat einen besonderen Charakter: Er ist unerschrocken, brav und hat kein Problem mit Menschenmassen. Die Arbeit macht ihm Spaß und er ist gern mit den anderen Pferden von der Reiterstaffel unterwegs." Nur eins sei dem liebenswürdigen Vierbeiner nicht ganz geheuer: "Eragon hat Angst vor Wasser. Aber zum Glück muss man im Polizeidienst ja nicht so oft schwimmen", so Korte.

Tierische Helfer: Polizeipferde

Hier seht ihr eine Polizeibeamtin der Reiterstaffel Frankfurt, die ihrem Pferd gerade ein Stück Zucker zur Belohnung gibt

Außergewöhnliche Ausbildung

Doch Eragons Unerschrockenheit im Polizeieinsatz musste erst trainiert werden. Auch für ihn war der Einsatz bei Fußballspielen und Demonstrationen zu Beginn eine große Herausforderung. Denn Pferde sind Fluchttiere, die bei Gefahr erst einmal das Weite suchen. Eine gute Ausbildung bei der Reiterstaffel ist deshalb ganz besonders wichtig.

Ein zukünftiges Polizeipferd muss zunächst bestimmte Kriterien erfüllen. Neben einer Mindestgröße von 1,65 Metern müssen die Vierbeiner ein angenehmes Temperament und gute Charaktereigenschaften mitbringen. Wallache, das heißt kastrierte Hengste, sind ausgeglichener als Hengste und Stuten und werden deshalb bevorzugt für den Polizeidienst ausgewählt - so wie Eragon. Mit seinen 1,80 Metern ist er besonders groß und bringt alles mit, was ein Pferd für den Polizeidienst braucht.

Ein Pferd, das in der Ausbildung ist, heißt "Remonte". Je nach Vorausbildungsstand dauert die Ausbildung der Pferde zwischen einem halben und zwei Jahren. In der Ausbildung werden die Pferde nicht nur im Dressur- und Springreiten ausgebildet, sondern auch in der sogenannten "Gewöhnungsarbeit". Hier werden Einsatzsituationen nachgespielt, indem zum Beispiel mit flatternden Fahnen, Plastikbeuteln, Luftballons oder klappernden Blechdosen hantiert wird. Auch Ausritte im Straßenverkehr gehören mit zur Ausbildung, um die Pferde an Straßenlärm und vorbeifahrende Autos zu gewöhnen.

"Bei den Trainings gehen die Pferde immer als Gewinner hervor. Und Eragon ist gerne Gewinner!", erzählt uns Christopher Korte schmunzelnd. Kein Wunder, dass Eragon einmal Springpferd werden sollte. Die Pferde von der Reiterstaffel sollen lernen, dass Dinge, die zunächst bedrohlich wirken, für sie letztlich keine Gefahr darstellen. Das stärkt ihr Selbstbewusstsein. Am Ende gibt es eine Abschlussprüfung. Dann sind die Polizeipferde offiziell einsatzbereit.

Auf der nächsten Seite erfahrt ihr, welche Vorteile der Einsatz von Polizeipferden hat und wie die Vierbeiner ihren Feierabend verbringen.

Unersetzbare Mitarbeiter

Eragon und seine Kollegen sind aus dem Polizeidienst nicht mehr wegzudenken. Bei Großeinsätzen wie Fußballspielen ersetzt ein Pferd bis zu 10 menschliche Polizisten. Außerdem verschaffen sie ihren Reitern einen besseren Überblick: "Von Eragons Rücken aus kann ich gefährliche Situationen viel früher erkennen als die Kollegen, die zu Fuß unterwegs sind. Auch über Hecken oder andere große Hindernisse kann ich so leicht schauen, was zum Beispiel bei der Verhinderung von Einbrüchen oder einer Vermisstensuche sehr hilfreich ist", sagt Christopher Korte. Außerdem tragen die Pferde ihre Reiter auch durch Gebiete, die zu Fuß oder mit dem Polizeiauto nur schwer zu erreichen wären: etwa Wälder und Grünanlagen.

Vor allem aber bestechen die Polizeipferde durch ihr Wesen. Als Sympathieträger verhindern sie Konflikte und tragen außerdem zu einer guten Beziehung zwischen Polizei und Bürgern bei. "Welcher Bürger hat schon mal einen Polizeiwagen gestreichelt?", fragt Christopher Korte und lacht.

Ihren wohlverdienten Feierabend verbringen die acht Pferde von der Hamburger Reiterstaffel immer auf einer grünen Weide. Hier können sie sich erholen. Doch dem Kraftpaket Eragon ist das schnell zu langweilig. Der 700 Kilo schwere Wallach freut sich schon auf den nächsten spannenden Einsatz. Hut ab vor diesem nervenstarken Helfer und seinen Kollegen!

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