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Mittelalter Minne - Sanfte Töne für holde Damen


Wenn Bei Hofe zarte Liebeslieder ertönten, war mit Sicherheit ein Minnesänger im Spiel. Die Musiker, meist selbst von adliger Herkunft, zogen von Burg zu Burg, fiedelten oder zupften die Harfe und besangen schmachtend die Schönheit der Frauen. Manch klampfender Dichter wurde damit sehr berühmt, einige sind es bis heute

Dû bist mîn, ich bin dîn


Des solt dû gewis sîn
Dû bist beslozzen
In mînem herzen
Verlorn is daz slüzzelin
Dû muost immer drinne sin

Romantische Zeilen wie diese schallten erstmals im 12. Jahrhundert über deutsche Burghöfe. Damals setzte sich eine Mode durch, die rund 200 Jahre anhalten sollte: der Minnesang, dessen Verse nicht wie bisher auf Latein gedichtet waren, sondern auf Mittelhochdeutsch.

Das war - in unterschiedlichen Dialekten - die Volkssprache jener Zeit. So redet heute niemand mehr, aber sicherlich habt ihr eine Ahnung, worum es in der Strophe geht, oder? Um die Liebe natürlich: Das mittelhochdeutsche Wort "Minne" heißt nämlich genau das: Liebe!

Minnesang war übrigens meistens Männersache; anfangs reimten und sangen sogar nur Adlige und Ritter. Diese gefielen sich gut in der Rolle "harte Schale, weicher Kern": eben noch in der Schlacht Schwerthiebe ausgeteilt, jetzt mit sanfter Stimme romantische Texte zum Besten gegeben.

Später griffen aber auch einfache Leute zu Harfe und Fiedel und reisten damit von Burg zu Burg. Dort blieben sie Tage, Wochen oder gar Monate, um die Hofgesellschaft bei Festen und Feierlichkeiten zu unterhalten.

Mittelalter: Walther von der Vogelweide (um 1170 bis 1230) ist der bekannteste deutsche Minnesänger. Von ihm sind rund 100 Texte überliefert
Walther von der Vogelweide (um 1170 bis 1230) ist der bekannteste deutsche Minnesänger. Von ihm sind rund 100 Texte überliefert
© Bettmann/CORBIS

In ihren Liedern priesen die Minnesänger etwa die Schönheit der Frauen und schwärmten in den höchsten Tönen von deren Anmut und Liebreiz – kurz: Sie machten ihnen "den Hof". Diese Redensart, die wir heute noch gebrauchen, stammt aus jener Zeit. Gemeint ist damit die besondere Verehrung einer Dame.

Allerdings ging es in den Texten der Minnesänger oft darum, dass diese unerreichbar sei. Das gehörte zum Spiel der sogenannten "hohen Minne": Die Sänger lobten und vergötterten – und dabei blieb es. Die Liebe war ein Traum und spielte sich im Kopf ab. Schließlich waren Minnesänger Ehrenmänner!

Einer, der um einiges direkter über die Liebe sang als viele seiner Zeitgenossen, war Walther von der Vogelweide. Er war - anders als seine ritterlichen Kollegen - Berufsdichter und verdiente sich allein mit Auftritten seinen Lebensunterhalt.

In seinen Versen wollen Männer die Frauen nicht nur anhimmeln, sondern erobern! Kein Wunder, dass diese "niedere Minne" in der höfischen Gesellschaft nicht überall gern gehört wurde. In einem Lied über einen edlen Ritter und ein einfaches Mädchen lässt Walther das Fräulein singen:

"Küsste er mich? Wohl tausendmal! Tandaradei! Seht, wie rot mir der Mund geworden ist."

Das war damals ziemlich unpassend – denn über so etwas sprach man nicht! Heute aber gilt Walther von der Vogelweide als der berühmteste deutschsprachige Minnesänger. Doch nicht einmal ein "Star" wie er wurde reich mit seiner Kunst.

Wie die allermeisten Minnesänger war auch Walther zeitlebens abhängig von dem Wohlwollen seiner Auftraggeber. Im Jahr 1203 bat er den Bischof von Passau, an dessen Hof er die vergangenen Wochen verbracht hatte, ihn doch bitte nicht mit getragenen Kleidern zu entlohnen. Zumindest in diesem Fall hatte Walther Erfolg. Er bekam fünf Schillinge für einen neuen Pelzrock.

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GEOLINO EXTRA Nr. 12/07 - Das Mittelalter

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