Die Kinder vom Ende der Welt

Wenn man die Pinguine nicht mitzählt, hat Villa Las Estrellas 28 Einwohner - 14 davon sind Kinder. Der sechsjährige Fernando erzählt von seinem Leben am Rande der Antarktis, von Schnee, Pinguinen und Robben
Die Kinder vom Ende der Welt

Fernando und seine Freunde können jeden Tag im Schnee spielen - das ganze Jahr über

Schön ist das "Dorf der Sterne", so die Übersetzung des Namens, nicht: Knapp zwanzig Container stehen verstreut in einer Bucht der König-Georg-Insel, einem kargen Eiland zwischen der Antarktis und dem südlichsten Zipfel Südamerikas. Einige der Metallkisten dienen als Wohnungen, in anderen befinden sich ein kleiner Supermarkt, das Krankenhaus, die Bank. Die meisten Container sind eingeschneit, nur ihre Türen und Fenster schaufeln sich die Dorfbewohner frei.

Zur Weihnachtszeit ist in der Antarktis gerade Sommer. Eiskalt ist es dann trotzdem: Deshalb stapfen die Einwohner von Villa Las Estrellas auch in dicker Winterkleidung durch den tiefen Schnee. Das An- und Ausziehen dauert dabei meist länger als der Weg zum Supermarkt oder zur Schule. Wenn es nicht gerade stürmt, dürfen die Kinder nach Schulschluss lange draußen spielen, denn selbst am Abend bleibt es taghell. Zum Glück ist die Insel leicht hügelig – so lässt es sich perfekt mit alten Autoreifen oder Schlitten die kleinen Hänge herunterrutschen.

Auch der sechsjährige Fernando wohnt seit zehn Monaten in Villa Las Estrellas. GEOlino.de erzählt er, wie es ist, am Ende der Welt zu leben.

Die Kinder vom Ende der Welt

Fernando vor der Flagge seines Heimatlandes Chile

Was siehst du, wenn du aus dem Haus gehst?

Viel Schnee, das Meer und Skuas, das sind antarktische Raubmöwen.

Ihr lebt nicht in Steinhäusern, sondern in großen Containern. Ist es darin überhaupt gemütlich?

Ja, wir haben alles, was man zum Leben braucht.

Was gefällt dir am besten in der Antarktis?

Dass ich immer im Schnee spielen und die Hubschrauber hören kann. Ich schaue den Flugzeugen gern beim Start zu und liebe vor allem das Geräusch der Motoren.

Bei euch im Dorf gibt es auch eine Schule. Ist der Unterricht genauso wie in Chile, deiner eigentlichen Heimat?

Nein, der Unterricht ist hier viel persönlicher. Wir sind ja nicht so viele Kinder. Bis jetzt haben wir Mathe, Spanisch, Naturwissenschaften und Sport. In den Pausen sind wir nicht draußen auf dem Hof, sondern spielen in der Schule.

Vermisst du etwas in der Antarktis?

Ja, meine Großeltern, meine Tanten Yayita und Anita und auch meinen Hund Bolkow. Außerdem vermisse ich es, Obst von Bäumen pflücken zu können.

Wird dir gelegentlich langweilig?

Ja, weil ich manchmal wegen der Kälte nicht nach draußen kann. Aber wir haben ja einen Fernsehapparat.

Was machst du in der Freizeit am liebsten?

Es macht total Spaß, mit meinen Freunden zu spielen, wir fahren immer Schlitten. Und ich spiele mit meiner Xbox 360.

Was ist das Aufregendste, das du in der Antarktis erlebt hast?

Dass ich Skuas, Pinguine und Wölfe gesehen habe.

Welche Tiere leben sonst noch in der Region?

Es gibt hier auch Robben, Seeelefanten - und ab und zu sieht man Wale in der Bucht.

Würdest du gern für immer in der Antarktis leben?

Ja!

Was willst du später mal beruflich machen?

Ich würde gern Hubschrauberpilot werden.

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