Bergbau Unter Tage

Zehn Wochen nachdem 33 Arbeiter im chilenischen Bergwerk „San José“ verschüttet wurden, ist ihre Rettung endlich gelungen. War das Unglück ein Einzelfall? Warum ist der Bergbau so gefährlich und könnte so etwas auch bei uns in Deutschland passieren?
Unter Tage

Der Bergarbeiter Pablo Rojas feiert, als er die Erdoberfläche erreicht. Rechts im Bild ist die Kapsel zu sehen, mit der die 33 Kumpel nach oben gezogen wurden.

Die Bergleute und ihre Familien können ihr Glück kaum fassen. Alle 33 Männer konnten aus dem verschütteten Bergwerk „San José“ in der chilenischen Atacama-Wüste gerettet werden. Am 5. August hatte ein Erdrutsch den Zugang zur Mine verschlossen. 17 Tage lang wusste keiner, wie es den Arbeitern geht und ob sie noch leben. Dann holten Untersuchungssonden mit einem Notizzettel endlich das lang ersehnte Lebenszeichen aus der Tiefe.

69 Tage lang waren die Kumpel, wie sich die Arbeiter eines Bergwerks nennen, über 600 Meter tief in der Gold- und Kupfermine eingeschlossen. Mit Hilfe einer Kapsel, die durch einen 53 Zentimeter breiten Schacht zum Aufenthaltsort der Bergleute hinuntergelassen wurde, konnten sie in dieser Woche schließlich befreit werden. Ihre Rettung grenzt an ein Wunder. Noch nie zuvor haben Bergmänner nach einem Unglück so lange in einem Bergwerk überlebt.

Bergbau in Deutschland

Auch in Deutschland wird Bergbau betrieben. Der dient dazu, wertvolle Rohstoffe aus der Tiefe zu holen. Deutschland besitzt im internationalen Vergleich nur geringe Vorkommen an Bodenschätzen und importiert deshalb viele Rohstoffe aus dem Ausland. Doch Kohle, Edelmetalle, Erze, Salze und andere Gesteine, kommen auch bei uns in der Erdkruste vor. Besonders der Abbau von Steinkohle führte einst zum Reichtum des Ruhrgebietes im Westen Deutschlands, das deshalb auch heute noch „Kohlepott“ genannt wird.

Man unterscheidet zwischen dem Abbau von Rohstoffen im Tagebau, bei dem an der Erdoberfläche gegraben wird, und dem Abbau in einem Bergwerk „unter Tage“ an Lagerstätten tief unter der Erde. Wird ein Bergwerk gebaut, wird zunächst ein Schacht senkrecht in den Boden bis zum gesuchten Bodenschatz gebohrt. Er dient bei der späteren Arbeit als Schacht für den Fahrstuhl, der die Bergmänner nach unten bringt, und natürlich der Förderung, also dem Abtransport des Rohstoffs ans Tageslicht. In der Tiefe werden Stollen gegraben und abgesichert, so dass sich die Bergleute mit ihren Maschinen in ihnen bewegen und den Rohstoff abbauen können. Bodenschätze im Bergland können auch mit schräg in die Erde gebohrten Tunneln erreicht werden, aus denen sich das Material leichter abtransportieren lässt.

Die ersten Bergwerke in ebenem Gelände wie die Mine „San José“ in Chile gab es in Europa bereits im 19. Jahrhundert. Der technische Fortschritt ermöglichte die Förderung von großen Mengen und gleichzeitig das ständig auftretende Grundwasser abzuführen. Auch wenn in Europa kein Edelmetall gefördert wurde, wurden die Bergwerke in dieser Zeit zu wahren Goldgruben für ihre Betreiber.

Wie gefährlich ist die Arbeit in der Tiefe?

Für die Bergmänner war die Arbeit hingegen sehr gefährlich. Staubige Luft, hohe Temperaturen, enge Gänge und das schummrige Licht unter Tage belasten die menschliche Gesundheit. Durch unerwartete Folgen bei Sprengungen, Erdrutschen oder Wassereinbrüchen kamen vielfach Arbeiter ums Leben. In den vergangenen Jahrzehnten haben in Deutschland deshalb Verbände der Bergleute dafür gekämpft, dass die Sicherheit der Männer bei der Arbeit unter Tage an erster Stelle steht. Zum Beispiel besagt das deutsche Berggesetz, dass ein Bergwerk mindestens zwei Schächte haben muss, damit die Arbeiter noch nach oben kommen können, sollte ein Schacht einstürzen. Grubenunglücke wie in Chile sind bei uns deshalb relativ unwahrscheinlich.

In den Ländern Südamerikas und auch in China oder Russland werden solche Sicherheitsstandards häufig ignoriert. Dort gibt es immer noch viele Menschen, die bei der Arbeit im Bergwerk verschüttet werden. Auch die Betreiber der Mine in Chile haben Gesetze nicht eingehalten und ihre Arbeiter in unnötige Gefahr gebracht.

Es ist um so erstaunlicher, dass alle 33 Kumpel das Unglück überlebt haben. Das „Wunder von Chile“, wie viele es nennen, interessiert inzwischen auch die Kinoindustrie in Hollywood. Buchautoren, Regisseure und Filmproduzenten wollen die Geschichte der Bergleute, die so viel Ausdauer bewiesen und mit denen Menschen rund um den Globus gebangt haben, auf die Leinwand bringen.

Unter Tage

Zwei Arbeiter unter Tage im Bergwerk Prosper-Haniel bei Bottrop, wo seit 1863 Steinkohle abgebaut wird.

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