Pressefreiheit Warum die Presse wichtig ist

Stell dir vor, niemand wüsste etwas von dem EHEC-Erreger oder die Menschen in Japan und in der ganzen Welt hätten von dem Atomunfall in Fukushima nichts erfahren. Oder niemand wüsste etwas davon, dass Politiker ein Gesetz verabschiedet haben, das die Menschenrechte einschränkt. Kaum vorstellbar, oder? Denn die Presse in Deutschland berichtet über alles. Das ist sehr wichtig

Täglich liefert dir die Presse Nachrichten. Du erfährst darin von wichtigen Entscheidungen aus der Politik, was in der Wirtschaft passiert oder liest Besprechungen von Theateraufführungen und Büchern.

Bei uns in Deutschland dürfen die Journalisten über alles berichten und in Kommentaren ihre Meinung zu Themen frei äußern. Keine wird dafür bestraft, dass er ganz genau nachhakt oder gegen die Ideen der Regierung schreibt. Das unzensierte Veröffentlichen und die freie Ausübung der journalistischen Tätigkeit bezeichnet man als Pressefreiheit. Im deutschen Grundgesetz ist diese sogar in den Grundrechten festgehalten, genau gesagt in Artikel 5, Absatz 1. Darin heißt es:

Warum die Presse wichtig ist

Damit alle Menschen über wichtige Entscheidungen informiert werden, nehmen an wichtigen Pressekonferenzen viele Journalisten teil und zeichnen die Gespräche auf

"Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt."

Die Vierte Gewalt

Wie du in dem Grundgesetz-Absatz gelesen hast, gibt es in Deutschland keine Kontrollinstanz, die prüft, was in den Medien erscheinen darf und was nicht. Die Presse selbst hingegen schaut Politikern und Unternehmen genau auf die Finger. Die Medien beobachten, ob alles mit rechten Dingen zugeht. Dadurch decken sie immer wieder Verstöße auf. Nicht selten schaffen es Journalisten dadurch, dass Skandale ans Licht kommen und die Öffentlichkeit von Gesetzesbrüchen erfährt.

Die Massenmedien erreichen mit solchen Berichten viel: Immer wieder treten in Folge solcher Meldungen Politiker, die wirklich gegen ein wichtiges Gesetz verstoßen haben, von ihrem Amt zurück. So wie zuletzt der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der seine Doktorarbeit gefälscht hatte. Ein Jura-Professor las zu Guttenbergs Arbeit, dabei fielen ihm zufällig Passagen auf, die in anderen Werken genauso abgedruckt waren - und zwar zuerst. Daher hatte er den Verdacht, dass zu Guttenberg plagiiert hatte, also abgeschrieben hatte. Dies teilte er der Presse mit, die es veröffentlichte und mit ihrer Kritik letztendlich den Rücktritt von zu Guttenberg bewirkte. Denn so wie es auch in der Schule verboten ist abzuschreiben und die Lehrer dafür eine sechs geben, darf man selbstverständlich auch bei einer Doktorarbeit nicht kopieren, was andere vorher geleistet haben.

Wie du an dem Beispiel siehst, hat die Presse sehr viel Einfluss. Wegen der großen Macht, die die Presse besitzt, kommt ihr informell auch die Bezeichnung "Vierte Gewalt" zu - neben den drei Gewalten Exekutive (also die Polizei), Legislative (die Gesetzgebung durch die Regierungen), und Judikative (also die Rechtssprechung durch Gerichte). Die Medien in Deutschland informieren dich also umfassend und vor allem unabhängig.

In anderen Ländern, insbesondere in Diktaturen, gibt es keine Pressefreiheit: Dort verbietet die Regierung freie Meinungsäußerungen. Hier dürfen die Medien nur das berichten, was der Regierung recht ist. Das nennt man Zensur. In den Staaten, in denen eine Zensur stattfindet, zum Beispiel in China, bekommen die Bürger nur die Informationen, die die Regierung zulässt. Dadurch ist es für die Bevölkerung des Landes erschwert, unabhängige Berichte zu bekommen und sich eine eigene Meinung, die frei von der der Herrschaft ist, zu bilden. Schreibt dennoch ein regimekritischer Journalist etwas Verbotenes, kommt es immer wieder vor, dass er dafür ins Gefängnis kommt. Manchmal werden die Kritiker sogar getötet.

Dafür, dass in allen Ländern der Erde die Menschen freien Zugang zu Informationen bekommen, setzen sich viele Menschen ein. Am 3. Mai 1991 trafen sich in der Stadt Windhoek, in Namibia, viele afrikanische Journalisten und Verleger und beschlossen, dass jeder Journalist auf der ganzen Welt das Recht hat, über alles, was passiert, zu berichten. Niemand darf ihm verbieten, seine Meinung frei zu sagen. Journalisten müssten ihre Arbeit ohne Angst ausüben können. Seit der Erklärung feiert man am 3. Mai jährlich den Internationalen Tag der Pressefreiheit. An dem Tag wird daran erinnert, dass die Forderungen immer noch nicht durchgesetzt sind und dass es immer noch sehr viele Menschen auf der Welt gibt, die keinen Zugang zur freien Presse haben. Indem an diesem Tag besonders auf die Missstände hingewiesen wird, will die Presse erreichen, dass sich diese Situation schnell ändert.

Kurze Geschichte der Presse

  • 1445 erfindet Johannes Gutenberg den Druck mit beweglichen Lettern, dadurch schaffte er die Grundlage für die Massenverbreitung von Presseerzeugnissen
  • In der Folgezeit werden viele Flugschriften und Flugblätter gedruckt
  • 1605 erscheint die erste Zeitung, nämlich die „Relation“ in Straßburg
  • 1848 wird die Pressefreiheit erstmals in der Paulskirchenverfassung gesetzlich verankert
  • Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Presse gleichgeschaltet, die Pressefreiheit abgeschafft. Die Medien berichteten regimetreu
  • Von 1945-1949 war Deutschland von den Gewinnern des Krieges, also den Amerikanern, Briten, Franzosen und Russen, besetzt. Sie setzen sich für eine Wiederaufnahme der freien Presse ein, damit die Menschen an Informationen kamen
  • Die Pressefreiheit ist im deutschen Grundgesetz fest verankert
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