Jetzt geht's um die Wurst!

64 Kilogramm Fleisch verspeist ein Durchschnittsdeutscher im Jahr, mehr als ein Kilogramm pro Woche. Viel zu viel, finden Ernährungsexperten. Warum wir mehr Obst und Gemüse essen sollten, erfahrt ihr hier
In diesem Artikel
Jetzt geht's um die Wurst!
Massentierhaltung in Europa
Vegetarier in Deutschland

Jetzt geht's um die Wurst!

Die Grillsaison startet! Bald brutzeln wir wieder zuhauf knusprige Würstchen und saftige Steaks auf dem Rost. Und auch mittags bekommen wir Deutschen am liebsten Fleisch aufgetischt: Schnitzel, Currywurst mit Pommes, Rouladen mit Rotkohl und Spaghetti bolognese gehören laut Großküchen- Betreibern zu den gefragtesten Gerichten. Mehr als 1000 Tiere verspeist ein Mensch hierzulande in seinem Leben; das macht 1,2 Kilogramm Fleisch pro Woche! Zum Vergleich: In sehr armen Ländern wie Sri Lanka essen die Menschen im Schnitt nicht einmal 100 Gramm pro Woche – mehr können sie sich schlicht nicht leisten. In Deutschland aber ist Fleisch dank Massentierhaltung sehr günstig. Das hat Folgen: für die Tiere natürlich, aber auch für die Menschen und für die Umwelt.

Jetzt geht's um die Wurst!

So viel Fleisch isst ein Deutscher im Laufe seines Lebens (im Schnitt gut achtzig Jahre)

Durchschnittlich 1094 Tiere verzehrt ein Deutscher im Laufe seines Lebens, also in gut 80 Jahren. 85 Prozent der Männer und Frauen hierzulande verspeisen täglich Wurst und Fleisch. Und damit sind wir Deutschen nicht einmal die größten Fleischvertilger: In den USA isst jeder Mann pro Woche 1,4 Kilogramm. Das ist zwar weniger als in der Vergangenheit, aber trotzdem mehr als das, was Ernährungsexperten Erwachsenen empfehlen: 300 bis 600 Gramm pro Woche - mehr kann auf Dauer krank machen. Wichtigster Fleischlieferant weltweit ist mit 40 Prozent Anteil übrigens das Schwein, weil es besonders schnell wächst.

Massentierhaltung in Europa

Stellt euch einmal vor, ihr steht in einem vollgestopften Schulbus: Es ist laut, eng, stickig. Sich umdrehen oder gar hinsetzen? Fehlanzeige. Ähnlich ergeht es einem Masthähnchen: In einem gewöhnlichen Stall bleibt einem Tier eine Fläche, die kleiner ist als eine Seite dieses Hefts. Im Sand scharren, picken oder auf einer Stange schlafen ist unter solchen Bedingungen unmöglich. Die Tiere stresst das enorm. Doch Platzmangel ist nicht das einzige Problem: Hähnchen und Puten bekommen oft extrem große Brustmuskeln angezüchtet, weil die Menschen im reichen Europa oder den USA das zarte Brustfleisch besonders gern essen. Die Tiere aber können mit einer solchen Oberweite kaum laufen, die Beingelenke schmerzen unter dem Gewicht. Nachdem die Tiere geschlachtet wurden, landen die Hähnchenbrüste abgepackt in Plastik bei uns im Kühlregal. Und der Rest des Tiers? Geht auf Reisen, nach Ghana etwa. Seit Jahren überschwemmen billige, tiefgefrorene Hähnchenflügel und -beine aus Europa den westafrikanischen Markt.

Massenproduktion erfordert auch massenweise Wasser

Jetzt geht's um die Wurst!

So viel Wasser wird zur Herstellung von Lebensmitteln verbraucht

Die europäischen Länder unterstützen die Massenproduktion von Tieren nämlich mit viel Geld. Deutsche Fleischreste kosten daher im Vergleich zu ghanaischem Hühnerfleisch weit weniger als die Hälfte.

Afrikanische Geflügelzüchter können bei diesen Preisen nicht mithalten, machen ihre

Betriebe dicht und verlieren so ihre Arbeit. Auch im südamerikanischen Regenwald richtet unser Appetit auf Fleisch enormen Schaden an.

Denn das Futter von deutschen Rindern etwa besteht zu rund 20 Prozent aus Soja. Diese Pflanzen wachsen nur dort, im Warmen. Für deutsche Kühe sprießen also in Brasilien, Argentinien und Paraguay Millionen Tonnen Sojabohnen.

Zwar werden die Hülsenfrüchte nicht direkt im Amazonas-Gebiet angepflanzt, sondern auf den ehemaligen Weiden südamerikanischer Rinder.

Für diese aber muss neuer Platz geschaffen werden - und der Regenwald wird abgeholzt. Aber auch der Anbau des restlichen Rinderfutters in Deutschland hat Folgen für die Umwelt. Für die Herstellung von einem Kilogramm Rindfleisch braucht es mehr als 15 000 Liter Frischwasser.

Nicht zuletzt ist die Wasserverschmutzung ein Problem: Wo Tausende Tiere auf engem Raum leben, sickert besonders viel Gülle ins Grundwasser.

Vegetarier in Deutschland

Müssen wir darum künftig komplett auf Bratwurst, Schnitzel und Schinken verzichten wie die 1,5 Millionen Vegetarier in Deutschland? Nein. Doch wem das Wohl von Kühen, Schweinen und Hühnern am Herzen liegt, der muss teurere Bio-Produkte kaufen.

Jetzt geht's um die Wurst!

So viele Vegetarier gibt es derzeit in Deutschland

Und weniger Wurst und Fleisch essen: 50 Gramm am Tag, also eine große Scheibe Mortadella oder eine halbe Bratwurst, reichen für Jungen und Mädchen zwischen acht und 14 Jahren ohnehin aus. Dann wird der Körper mit genügend Eiweiß und anderen Nährstoffen versorgt, empfiehlt das Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund. Denn im Fleisch steckt viel Eisen, und ohne das kann der Körper kein Blut bilden. Zwar enthält auch Getreide Eisen, aber dieses kann der Körper nur dann nutzen, wenn er auch reichlich Vitamin C bekommt. Die Vegetarier unter euch, die sich noch im Wachstum befinden, sollten daher zu Vollkornbrot auch ein Stück Paprika essen und nicht unbedingt komplett auf Eier, Milch und Käse verzichten. Sonst könnten wichtige Nährstoffe fehlen.

Wir haben drei GEOlino-Leser gefragt, wie oft sie Fleisch und Wurst essen und was ein Leben ohne Fleisch für sie bedeutet.

Leo, 10 Jahre

Fleischesser

Tage pro Monat Wurst oder Fleisch auf dem Teller: 28

Ein Leben ohne Fleisch ist für mich...

... schwer vorstellbar, ich würde es nie freiwillig tun. An den Kühen und Schweinen liegt mir nicht so viel. Ich finde Fleisch einfach lecker, Gulasch zum Beispiel oder Nudeln mit Hackfleischsoße. Und morgens lege ich immer Schinken auf mein Brötchen.

Jetzt geht's um die Wurst!

Sarah, 14 Jahre

Gelegenheitsfleischesserin

Tage pro Monat Wurst oder Fleisch auf dem Teller: 2

Ein Leben ohne Fleisch ist für mich...

... etwas, worüber ich mir schon oft Gedanken gemacht habe. Einerseits fühle ich mit den Tieren und finde, dass jedes Lebewesen gleich viel wert ist. Andererseits finde ich Fleisch einfach lecker. Mein Kompromiss: Nur jede zweite Woche Fleisch, und dann auch nur bio.

Jetzt geht's um die Wurst!

Rebecca, 14 Jahre

Vegetarierin

Tage pro Monat Wurst oder Fleisch auf dem Teller: 0

Ein Leben ohne Fleisch ist für mich...

... normal, schließlich bin ich Vegetarierin. Ich esse seit einem Jahr kein Fleisch mehr, weil ich immer an die Tiere denken musste. Seitdem schmecken mir Wurst und Schnitzel nicht mehr, manchmal ekele ich mich sogar davor, und mir wird schlecht.

Jetzt geht's um die Wurst!

GEOlino-Newsletter
nach oben