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Beruf Tierarzt/Tierärztin

Albert Hellmeiers Telefon klingelt oft mitten in der Nacht. Und dann geht es meist um Leben oder Tod. Vielleicht hat ein Pferd üble Bauchschmerzen oder ein Fohlen liegt falsch herum im Mutterbauch. Der Tierarzt ist in solchen Fällen schnell vor Ort

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Beruf: Doc Hellmeier behandelt "alles, was vier Beine hat - außer Tische und Stühle"
Doc Hellmeier behandelt "alles, was vier Beine hat - außer Tische und Stühle"
© Esther Gusewski

Er macht es gern und sagt: "Wenn ich wirklich helfen kann, stört mich der verpatzte Feierabend nicht." Schließlich hat er gewusst, worauf er sich einlässt. Albert Hellmeier stammt aus einer Tierarztfamilie. Schon sein Ur-ur-ur-Opa hat versucht, Vierbeinern zu helfen. Und sein Vater - auch ein Tierarzt - hatte den Sohnemann vor dem anstrengenden Beruf gewarnt. Vergeblich! Nach dem Abi studierte Albert Hellmeier Tiermedizin. Mittlerweile arbeitet er seit 17 Jahren als Tierarzt, und weiß, dass seine Aufgabe nicht nur darin besteht, kranke Tiere zu heilen. Er muss auch dabei helfen, Krankheiten vorzubeugen und Menschen vor den Krankheiten der Tiere zu beschützen. Deshalb untersucht Hellmeier zum Beispiel auch tote Tiere in Metzgereien. Das ist zwar nicht schön, aber so sorgt er dafür, dass nur das Fleisch von gesunden Tieren in die Wurst kommt.

Kein Mini-Zoo zu Hause

Im Gegensatz zu den Tierärztinnen und -ärzten im Fernsehen hat Hellmeier keinen Mini-Zoo zu Hause. Die einzigen Vierbeiner in seiner Familie sind Brauni, Flecki, Schnupfi und Hüdütsch - die Meerschweinchen seiner Tochter Nina. Warum? Der Tierarzt erklärt: "Ich habe einfach zu wenig Freizeit. Und nichts ist schlimmer, als ein Haustier, um das sich keiner kümmert." Doc Hellmeier muss es wissen – schließlich behandelt er in seiner Praxis "alles, was vier Beine hat - außer Tische und Stühle." Sein kleinster Patient? Ein Zwerghamster. Der wog gerade mal 20 Gramm und war damit rund 1300 Kilo leichter als sein größter Patient: ein Rinderbulle.

Angst ist Tabu

Angst darf ein Tierarzt oder eine Tierärztin auch in Anbetracht eines riesigen Stiers nicht haben. "Die Tiere würden das sofort merken, und könnten es ausnutzen", sagt Hellmeier und ergänzt: "Ein Tierarzt, der verletzt wird, hat einen Fehler gemacht." In seinen 17 Jahren als Tierarzt ist ihm das erst einmal passiert. Er wollte gerade bei einem Hund Fieber messen, als der sich umdrehte und zubiss. Danach wollte sich der Vierbeiner auf den Arzt stürzen, und dem blieb nichts anderes übrig, als sich auf einem Schrank in Sicherheit zu bringen. Heute kann Hellmeier über den Vorfall schmunzeln und sagt: "Es war meine Schuld. Ich hätte vorher merken müssen, dass er mich beißen will." Er habe sich zu sehr auf die Besitzer konzentriert, anstatt auf den Hund zu achten.

Arzt und Handwerker zu gleich

"Als Tierarzt bin ich Praktischer Arzt, Chirurg, Zahnarzt, Frauenarzt und Geburtshelfer auf einmal", verrät Hellmeier. Außerdem kommt er sich manchmal wie ein Handwerker vor, wenn er in einem Stall versucht, aus ein paar Nägeln, morschen Brettern und einem Seil eine Untersuchungshilfe zu basteln. Dann braucht er nicht nur seinen Verstand, sondern auch seine Muskeln. Er schwitzt, macht sich schmutzig und bekommt so manchen Pferdepups ab.

Beruf: Auch Tiere brauchen Medizin
Auch Tiere brauchen Medizin
© Esther Gusewski

Nicht wie im Fernsehen

Beruf: Albert Hellmeier muss auch jede Menge Schreibkram zwischendurch erledigen
Albert Hellmeier muss auch jede Menge Schreibkram zwischendurch erledigen
© Esther Gusewski

"Mit den Tierärztinnen und Tierärzten im Fernsehen hat das nichts zu tun", sagt Albert Hellmeier. "Die machen bloß tolle Sachen und haben nur mit tollen Tieren und Menschen zu tun." Die Wirklichkeit sieht ein bisschen anders aus. Auf die spannenden Fälle, die den Fernsehkolleginnen und -kollegen täglich die Praxistüren einrennen, wartet Hellmeier oft ein paar Monate. Stattdessen kommen Katzen mit Schnupfen, Hunde mit Pusteln und manchmal auch nervige Herrchen und Frauchen. Wer Tierärztin oder Tierarzt werden will, sollte nicht nur gut mit Tieren umgehen können – sondern auch die Besitzerinnen und Besitzer ernst zu nehmen wissen. Außerdem müssen Tierärztinnen und Tierärzte noch allerhand Schreibkram abarbeiten. Sie müssen Rechnungen schreiben und sich mit Ämtern herumplagen. Albert Hellmeier: "An manchen Tagen verbringe ich fast mehr Zeit am Schreibtisch als mit den Tieren."

Wenn selbst der beste Tierarzt nicht mehr helfen kann

Und dann sind da noch die Tiere, denen selbst der beste Tierarzt und die beste Tierärztin nicht mehr helfen kann. Ein Tier einzuschläfern fällt dem Doc auch nach 17 Jahren als Tierarzt noch schwer. Besonders dann, wenn er den Patienten gut kannte. Golden Retriever Berry war so ein Tier. Seine ganze Familie begleitete ihn bei seinem letzten Gang zum Tierarzt. Und obwohl das schon eine Weile her ist, guckt Albert Hellmeier noch immer traurig, wenn er an den Hund denkt. Gott sei Dank gibt es auch schöne Dinge im Alltag des Tierarztes. Zum Beispiel das Kälbchen, dem er vergangene Woche auf die Welt geholfen hat. Die Katze, die er nach dem Unfall wieder aufgepäppelt hat und die Tage, an denen er mit seinem Auto von einem Bauernhof zum nächsten fährt und sich dabei die Sonne auf Nase scheinen lässt. Albert Hellmeier liebt Hausbesuche. Den ganzen Tag im Büro sitzen? Nein, das wäre nicht sein Ding. Auch dann nicht, wenn dafür nachts das Telefon still stünde.

Die Ausbildung: Der Weg zum Beruf Tierarzt oder Tierärztin

Zuerst mal brauchst du gute Noten. Denn für diesen Beruf muss man an einer Universität studieren. Und Tier- oder Veterinärmedizin, wie das Fach auch genannt wird, wollen so viele lernen, dass die Hochschule nur Bewerberinnen und Bewerber aufnimmt, die viele Einsen im Abitur-Zeugnis haben oder bei einem speziellen Aufnahmegespräch bestehen. Das Studium dauert ungefähr sechs Jahre.

Da heißt es, ordentlich Chemie und Biologie zu pauken, wissenschaftliche Wortungetüme auswendig zu lernen und sich alles über Knochen, Muskeln und Eingeweide von Ente, Kuh oder Löwe anzueignen. Und auch, wie man etwa richtig mit Schlangen und Ratten umgeht.

Außerdem müssen die Studierenden mehrere Praktika machen, zum Beispiel auf dem Schlachthof oder in einer Tierarzt-Praxis, wo sie den harten Alltag solcher "Docs der Tiere" erleben.

Veterinärärztinnen und -ärzte dürfen nicht zimperlich sein

Veterinärinnen und Veterinäre müssen zupacken können. Aber das heißt nicht, dass du dir jetzt Monster-Muckis antrainieren mußt.

Übrigens sind die meisten Tiermedizin-Studierenden Frauen, trotzdem gibt es immer noch fast doppelt so viele männliche wie weibliche Tierärztinnen – es hat leider eine Weile gedauert, bis sich die Einsicht durchgesetzt hat, dass Frauen und Männer den Beruf gleichermaßen gut machen können. 

Von den rund 19000 Veterinärinnen und Veterinären in Deutschland haben längst nicht alle eine eigene Praxis. Viele arbeiten bei der Seuchenüberwachung - sie achten darauf, dass sich Krankheiten wie die "Schweinepest" nicht ausbreiten. Andere sind auf Schlachthöfen angestellt und kontrollieren die Fleisch-Qualität. Wieder andere kümmern sich in Zuchtstationen darum, dass sich nur die gesündesten Nutztiere fortpflanzen.

Einen besonders spannenden Beruf haben dagegen Zoo-Tierärztinnen und -ärzte. In Münchens "Hellabrunn" oder bei "Hagenbeck" in Hamburg sorgen sie sich um verschnupfte Kängurus, Elefanten, die an Koliken leiden, oder um ein Gorillaweibchen, das Nachwuchs erwartet. 

Ab und zu müssen Veterinärinnen und Veterinäre Arbeit verrichten, die ihnen "an die Nieren" geht. Wenn nämlich einer ihrer vierbeinigen, gefiederten oder geschuppten Patienten unheilbar krank ist, muss er mit einem Medikament schonend eingeschläfert werden. Das ist zwar traurig, aber erspart den Tieren oft viele Leiden. Und auch das ist Aufgabe einer Tierärztin oder eines Tierarztes.

Falls ihr gerne Tierarzt werden möchtet: Auf den Seiten der Bundestierärztekammer gibt es wirklich alle Infos zum Beruf und wie ihr Doktor werdet.

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