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Mikrofone: die fantastischen Tonfänger
Was verbindet Bill Kaulitz von Tokio Hotel mit der Bundeskanzlerin und dem Papst? Sie alle nutzen Neumann-Mikrofone zum einfangen und verewigen ihrer Stimmen
Es könnte auch das Zimmer eines Teenagers sein. Die Wände sind vollgekleistert mit Postern von Popstars: Kylie Minogue, Celine Dion und Norah Jones begegnen einem auf Augenhöhe, auch Herbert Grönemeyer und Bryan Adams sind da.
Doch: Dieser breite Flur gehört keiner 14-Jährigen, er führt ins Büro von Stephan Peus, 62 Jahre, schlohweißes Haar, Wollweste.
Und nicht er bewundert die Stars, sondern umgekehrt: Sie vergött- ern ihn. Ihn und seine Kollegen. Immer wieder bekommen die Ingenieure "Lob-E-Mails" der Sänger oder Briefe, in denen steht: "Ohne euch hätte ich wohl nicht so einen guten Sound."
Peus lächelt verlegen, als er das vorliest. "Wir bauen doch nur deren Mikrofone", sagt er dann.
Aber sie bauen ja nicht irgendwelche, sondern Neumann-Mikrofone. Nie gehört? Unwahrscheinlich! Ob nun der Papst predigt, die Bundeskanzlerin redet oder eben Popstars ihre Alben aufnehmen: Sind Spitzenmikrofone gefragt, kommen in den meisten Fällen Neumann-Mikrofone zum Einsatz, erkennbar an den kleinen Rauten, die vorn an den Geräten prangen.
Haarspalterei erlaubt
Berlin-Reinickendorf, Ollenhauerstraße 98: ein zurückgesetztes Bürogebäude, verblichene Fassade. Allein die Raute rechts neben der Tür verrät, dass dies der Ort ist, an dem die geschätzten Gerätschaften entstehen.
In der zweiten Etage sitzt die Forschungsabteilung der Georg-Neumann GmbH, die Stephan Peus leitet. Hier, in Büros wie Bastelstuben, tüfteln gut ein Dutzend Mitarbeiter an neuen Mikrofonen.
An diesem Morgen testen sie etwa, was mit dem Klang passiert, wenn ein kreisrundes Bauteil für den Mikrofonkopf aus Kupfer statt Messing gefertigt wird – und fünf statt sechs Mikrometer stark ist; wobei ein Mikrometer ein Tausendstel eines Millimeters ist! "Hier wird man zum Haarspalter", sagt Entwicklungsingenieur Jürgen Breitlow. "Gut so", fügt Peus an.
Hinter seinem Rücken wird derweil ein Mikrofon "zusammengebaut". Sekunden nur, dann sind 250 Einzelteile zum Tonfänger verbunden – in einer Computer-Animation.
In Wirklichkeit dauert das natürlich länger: ein bis zwei Arbeitstage. Und findet auch gar nicht hier in Berlin statt, sondern in Wennebostel, einem beschaulichen Städtchen bei Hannover.
Die weißen Fabrikhallen sind dort weithin zu sehen. LKWs karren Kupfer und Messing in 50-Kilo-Klötzen an, aus denen Mitarbeiter später Körper, Scheiben, Schrauben drehen; Stück für Stück, mikrometergenau.
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