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Wie entstehen Erdbeben?

Das schwere Erdbeben in Haiti forderte vermutlich 50.000 bis 100.000 Todesopfer, die Schätzungen darüber gehen weit auseinander. Von einer Sekunde auf die andere fielen Häuser ein und Straßen wurden aufgerissen. Welche Kräfte stecken dahinter, wenn die Erde bebt?


Auch der Präsidentenpalast wurde bei dem Erdbeben in Haiti zerstört (Foto von: Frederic Dupoux/ Getty Images News/ Getty Images)
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Auch der Präsidentenpalast wurde bei dem Erdbeben in Haiti zerstört

Manchmal spürt man es nur an den Wellen im Wasserglas, manchmal werden Häuser, Brücken, Staudämme, ja ganze Siedlungen zerstört: Wenn die Erde bebt, kann das fatale Folgen haben, wie jetzt in Haiti. Das Epizentrum, also der Punkt, von dem das Erdbeben ausging, lag nur 15 Kilometer südwestlich von Port-au-Prince, der Hauptstadt von Haiti mit mehr als einer Million Einwohnern. Auf der so genannten Richter-Skala, mit der man die Stärke von Erdbeben misst, erreichte es den Wert 7 – solch starke Beben werden weltweit circa 18 Mal im Jahr registriert. Vermutlich verloren Tausende Menschen ihr Leben in den Trümmern, wie viele es genau sind, weiß momentan noch niemand.


Wodurch entstehen die immensen Kräfte bei einem Erdbeben?

Der Erdmantel besteht aus mehreren Einzelteilen – riesigen "Platten". Angetrieben durch das zähflüssige Innere der Erde, wandern sie - allerdings sehr langsam. Oft sind es nur wenige Zentimeter im Jahr. Diese Bewegungen nennt man Plattentektonik. Dort, wo die Platten aneinandergrenzen, entstehen gewaltige Spannungen.

Kann die Erdkruste den Spannungen nicht mehr standhalten, entladen sie sich mit einem gewaltigen Ruck, einem Erdbeben – zunächst im Innern der Erde. Die Kraft breitet sich in Form von Wellen (ähnlich den Wellen im Wasser) aus und erreicht in Sekundenschnelle den Meeres- oder Erdboden. Wissenschaftler berechneten, dass die Kraft des Erdbebens in Haiti dem Einschlag eines 100 Meter dicken Meteoriten entsprach.


Die San-Andreas-Verwerfung verläuft von Mexiko bis nach San Francisco an der Amerikanischen Westküste entlang - über 1100 Kilometer! Sie ist eine der wenigen Plattengrenzen, die an Land verlaufen – die meisten ziehen sich durch die Meeresböden (Foto von: Jim Wark/ Visuals Unlimited/ Corbis)
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Die San-Andreas-Verwerfung verläuft von Mexiko bis nach San Francisco an der Amerikanischen Westküste entlang - über 1100 Kilometer! Sie ist eine der wenigen Plattengrenzen, die an Land verlaufen – die meisten ziehen sich durch die Meeresböden

Die Bruchzonen auf der Erde gehen auf unterschiedliche Plattenbewegungen zurück. Platten können sich zum Beispiel aufeinander zu bewegen, wie in Haiti. Entweder falten sich dann die Plattenränder auf, oder die schwerere Platte taucht unter die leichtere.

Neue Erdkruste entsteht dort, wo sich zwei Platten voneinander weg bewegen. Dann tritt in der Bruchzone heiße, flüssige Lava aus. Der 70.000 Kilometer lange Mittelozeanische Rücken, ein Gebirgszug unter der Meeresoberfläche, ist ein Beispiel hierfür. Er umspannt fast die gesamte Erde!

Platten können auch aneinander vorbeidriften. Das bekannteste Beispiel hierfür ist der San-Andreas-Graben in Mexiko und Kalifornien. Die Bruchzone ist hier immerhin über 1000 Kilometer lang!

Erdbeben wie in Haiti passieren immer wieder. Inzwischen weiß man, wo die Erde am aktivsten ist: Die Insel Hispaniola, auf der Haiti liegt, befindet sich zum Beispiel genau an einer Plattengrenze.


Sie steckt regelrecht in einer Falle: Die Kokos-Platte drückt von Westen her, der Meeresboden des Atlantiks schiebt von der anderen Seite.


Die Erde besteht aus mehreren einzelnen großen und kleinen Platten. Hier sind die großen und mittelgroßen Platten zu sehen (Foto von: United States Geological Survey)
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Die Erde besteht aus mehreren einzelnen großen und kleinen Platten. Hier sind die großen und mittelgroßen Platten zu sehen

Japan liegt in der Grenzzone von gleich vier geologischen Platten, die sich alle gegeneinander bewegen. Dort gab es im Januar 1995 ein schweres Erdbeben, bei dem über 6000 Menschen starben. 300.000 Menschen wurden obdachlos. Die Menschen dort konnten erst nach Monaten oder Jahren wieder ein normales Leben beginnen. Bis auch in Haiti das, was die Erdbebenwellen in wenigen Sekunden zerstört haben, wieder hergerichtet ist, wird es also noch lange dauern.




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