GEOlino Nr. 11/07 - Zwickzwerge Seite 1 von 2


Text von Barbara Lich

Auch Tiere haben Rechte!

Einige lieben wir wie gute Freunde. Andere haben wir nur zum Fressen gern – oder benutzen sie als Versuchskaninchen. Das darf nicht sein, sagen Tierschützer. Seit Jahrhunderten kämpfen sie für unsere Mitgeschöpfe


Verlassen: Jedes Jahr landen in der Urlaubszeit mehr als 70000 Haustiere in deutschen Tierheimen. Auch dieser Mischling wurde ausgesetzt und wartet jetzt traurig hinter Gittern (Foto von: Paul A. Souders/CORBIS)
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Verlassen: Jedes Jahr landen in der Urlaubszeit mehr als 70000 Haustiere in deutschen Tierheimen. Auch dieser Mischling wurde ausgesetzt und wartet jetzt traurig hinter Gittern

Es war Anfang des 13. Jahrhunderts, als ein Wolf im italienischen Gubbio die Menschen in Angst und Schrecken versetzte. Niemand wagte sich mehr vor das Stadttor – außer Franz. "Hüte dich", warnten ihn die anderen, "der Wolf hat schon viele gefressen, er wird auch dich töten." Doch Franz machte sich furchtlos auf in den Wald. Als der Wolf ihn kommen sah, fletschte er die Zähne – und wurde ruhig. Denn Franz redete lange mit dem Tier, nannte es seinen "Bruder" und versprach, sich um den Wolf zu kümmern. Und so gelang es ihm, das Tier zu zähmen. Wie ein Märchen klingt die Legende des Heiligen Franz von Assisi, der etwa von 1181 bis 1226 lebte. Der Kirchenmann war als Tierliebhaber bekannt, viele Menschen betrachten ihn heute als den ersten Tierschützer überhaupt. Selbst dem winzigsten Wurm sah er als schützenswert an. Warum? Weil er Tiere und Menschen als gleichwertige Geschöpfe Gottes achtete. Am 4. Oktober jeden Jahres fallen deshalb nicht zufällig zwei wichtige Termine aufeinander: der Gedenktag des Heiligen Franz von Assisi und der Welttierschutztag.


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Die Beziehung von Mensch und Tier ist uralt

Der Hund etwa wurde schon vor mehr als 10 000 Jahren zum Haustier. Pferde zähmte man bereits in der jüngeren Steinzeit. Und seit rund 5000 Jahren gackern Hühner rund um die Hütten und Häuser der Menschen. Tiere waren in erster Linie dazu da, den Menschen zu versorgen: mit Fleisch, Milch, Fett, Leder . . . Oder ihm als Lastenschlepper und Karrenzieher zu dienen. Kaum jemand machte sich Gedanken darüber, wie es den tierischen Helfern dabei erging. Warum auch? In der Antike galten Tiere als "Sachen". Und noch im 17. Jahrhundert beschrieb der französische Philosoph René Descartes sie als "Maschinen". Tiere seien gefühllos wie Metall und spürten keine Schmerzen.


Alles zum Nutzen der Menschen? Ratten und Mäuse gehören zu den gebräuchlichsten Versuchstieren in der Forschung (Foto von: Greg Smith/CORBIS)
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Alles zum Nutzen der Menschen? Ratten und Mäuse gehören zu den gebräuchlichsten Versuchstieren in der Forschung

Doch es gab auch andere Meinungen:

Schon im 3. Jahrhundert v. Chr. verbot der indische Herrscher Ashoka das Opfern von Tieren. Der eigentliche Tierschutz in Europa begann mit einem englischen Gesetz, dem „Martin’s Act“ von 1822. Hierzulande dauerte es etwas länger, bis die Menschen merkten, dass auch ihre Mitgeschöpfe keine "Sachen" sind: 1837 gründeten zwei Pfarrer in Stuttgart den ersten deutschen Verein zum Schutz von Nutztieren. Heute gibt es in den meisten Städten Vereine und Organisationen, die sich um Tiere im allgemeinen kümmern. Seit 1933 wird Tierquälerei außerdem unter Strafe gestellt. Und das Tierschutzgesetz von 1972 erklärt Tiere ausdrücklich zu "Mitgeschöpfen". Das heißt, die Menschen müssen dafür sorgen, dass es den Tieren gut geht, ganz gleich, ob Nutz-, Haustiere oder Wildtiere. Vor fünf Jahren nahm Deutschland sogar als erstes Land der Europäi schen Union den Tierschutz in sein Grundgesetz auf – dort, wo die wichtigsten Vorschriften unseres Landes stehen.



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