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Die kuriose Geschichte des Frauenfußballs

Mehr als 1 Million Mädchen und Frauen spielen heute in Vereinen Fußball. Das war lange Zeit undenkbar. Denn Fußball galt ausschließlich als Männersport, der den Frauen sogar verboten wurde


Den ersten deutschen Fußballverein, den 1. DDFC Frankfurt, gründete Lotte Specht 1930. Allerdings fehlte im Land eine zweite Frauenmannschaft, so dass die rund 40 Clubmitglieder zwangsweise gegeneinander spielten. Die Pioniere des Frauenfußballs wurden alles andere als gut behandelt. Die Öffentlichkeit bezeichnete die Spielerinnen als "Mannsweiber" und auf dem Spielplatz bekamen sie gar Steine an den Kopf geworfen. Daher endete schon nach einem Jahr die Geschichte des ersten Frauenfußballvereins.


Siegerehrung bei der Europameisterschaft 1989. Die deutschen Frauen holen den Titel im eigenen Land. Darüber freuen sich: Jutta Nardenbach, Petra Damm und Doris Fischen mit Pokal (Foto von: dpa picture-alliance / GES/Markus Gilliar)
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Siegerehrung bei der Europameisterschaft 1989. Die deutschen Frauen holen den Titel im eigenen Land. Darüber freuen sich: Jutta Nardenbach, Petra Damm und Doris Fischen mit Pokal

Und es sollte lange dauern, bis Frauen wieder in Vereinen spielten. Während der Herrschaft der Nationalsozialisten von 1933 bis 1945 war es ihnen verboten. Selbst im Anschluss war es ihnen eine lange Zeit lang nicht erlaubt, obwohl nach dem Wunder von Bern 1954, bei dem die deutsche Herrenmannschaft bei der Weltmeisterschaft in der Schweiz überraschend den Titel holte, Fußball an Popularität gewann. Auch Frauen fanden immer mehr Freude daran, den Ball auf Hinterhöfen und Bolzplätzen rollen zu lassen. Doch bevor es zum ersten regulären Spielbetrieb kommen sollte, verschlimmerte sich die Situation. 1955 beschloss der Deutsche Fußballbund (DFB) ein offizielles Verbot gegen kickende Frauen: Die Begründung der Funktionäre: "Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand." Sollten die Mitgliedsvereine des DFBs dennoch Damenfußball anbieten, drohte ihnen Strafe.

Erst 1970 kippte das Verbot. Damals entschied eine DFB-Tagung, der sogenannte DFB-Bundestag, Frauen das Spiel zu erlauben. Allerdings galten vorerst andere Regeln als bei den Männern: Die Spiele dauerten beispielsweise nur 2 Mal 35 Minuten. Stollen durften die Spielerinnen nicht tragen. 50.000 Frauen zählte der DFB 1970 als Mitglieder. Bis zum ersten Länderspiel einer deutschen Frauennationalmannschaft dauerte es dann allerdings 12 Jahre. 1982 fand das erste statt, die deutsche Elf besiegte dabei die Schweiz mit 5:1.


Siegesprämie: Bügelbrett

Doch die sportliche Anerkennung blieb lange Zeit aus: 1989 fand die Europameisterschaft der Frauen in Deutschland statt und die deutschen Spielerinnen holten zum ersten Mal den Europameistertitel. Die Siegerinnen bekamen als Prämie ein Kaffeeservice und ein Bügelbrett vom DFB überreicht. Was für eine Belohnung!

Mittlerweile hat sich das Bild vom Frauenfußball gewandelt. 1.058.990 Frauen und Mädchen spielen heute in Vereinen Fußball. Der Sport wird anerkannt, die Spieltaktik bewundert. Und wenn die Frauen heutzutage einen Titel gewinnen, bekommen sie nicht mehr nur ein Bügelbrett überreicht, sondern eine hohe Siegerprämie.


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