GEOlino.de - Beruf: Imker Seite 1 von 2

Text von

Beruf: Imker

Du nascht gerne Honig und interessierst dich zudem noch für die mikroskopisch kleine Welt der Bienen und Pollen? Ein paar Stiche mehr oder weniger kratzen dich nicht? - Dann werde doch Imker und lerne die Bienen zu bändigen...


Ein aufgebrachter Bienenschwarm: Tausend winzige, pelzige Körper, die auf und ab fliegen, wild mit den Flügeln schlagen und mit ihrem Gesumm die Luft in Schwingung versetzen. In ihrer Mitte steht eine Gestalt in weißem Anzug und greift mit ruhigen Bewegungen nach dem Herzstück ihres Bienenstocks: dem Rahmen mit Honigwaben.


Bienenkönigin und Arbeiterbienen auf einer Honigwabe (Foto von: Linda Dreisen)
© Linda Dreisen
Foto vergrößern
Bienenkönigin und Arbeiterbienen auf einer Honigwabe

Vom Nektar zum Honig

Ein einziger Tropfen Honig ist das Lebenswerk einer Arbeiterbiene. Dafür ist sie unzählige Male von Blüte zu Blüte geschwirrt, hat Nektar in ihren Magen aufgesogen und ihre süße, klebrige Last heim in den Bienenstock getragen. Etwa 1000 Blüten muss eine Biene anfliegen, um ihren Magen ganz mit Nektar zu füllen. Anschließend wiegt sie ein Drittel mehr, als zuvor. Kaum im Bienenstock angekommen, würgt die Arbeiterin den Nektar wieder aus. Darauf stürzen sich jetzt die Stockbienen, die den Nektar wieder und wieder schlucken, verdauen und ausspucken, bis er kaum noch Wasser enthält. Erst jetzt ist aus dem Nektar Honig geworden und kann zur Aufzucht der Bienenlarven und zur Ernährung der Königin eingelagert werden. Übrigens: Die Arbeiterinnen produzieren den Honig völlig selbstlos. Während sie nämlich im Winter sterben, ernähren sich die Bienenlarven der nächsten Generation von dem süßen Gold.


Imkermeister Stefan Lempke (rechts) und seine beiden Auszubildenden Steffen Streich (Mitte) und Marc LaFontain (links) kontrollieren den Nachwuchs und die Honigausbeute eines Bienenvolkes (Foto von: Linda Dreisen)
© Linda Dreisen
Foto vergrößern
Imkermeister Stefan Lempke (rechts) und seine beiden Auszubildenden Steffen Streich (Mitte) und Marc LaFontain (links) kontrollieren den Nachwuchs und die Honigausbeute eines Bienenvolkes

Der Bienenbändiger

Ein Imker muss mit den Gewohnheiten der Bienen gut vertraut sein, um mit ihnen arbeiten zu können. Denn Bienen zählen zwar schon viele Jahre lang zu unseren Nutztieren, aber dennoch leben sie wild und ungezähmt. Wenn ein Imker nicht aufpasst, schwärmen seine Bienen aus und suchen sich einen neuen Stock. Diese Gefahr droht besonders in Zeiten, in denen die Pflanzen in der Umgebung des Bienenstocks aufhören zu blühen. Jetzt ist es die Aufgabe des Imkers, den Bienenstock schnell an ein schöneres Plätzchen zu stellen. Im Sommer zum Beispiel weg von den verblühten Obstbäumen und näher zu Spätblühern wie Linden oder Sonnenblumen.


Honig-Ernte

Vorher aber wird es Zeit für die Honigernte: Denn der Geschmack von Lindenblütenhonig und Blütenhonig von Obstbäumen soll sich nicht vermischen. Also öffnet der Imker mit einem beherzten Griff den Deckel der Magazinbeute: Der robuste Holzkasten mit den herausnehmbaren Bienenwaben dient dem Bienenvolk als künstliches Zuhause. Doch dass sie die Gastfreundschaft mit ihrem mühselig erarbeiteten Honig bezahlen sollen, will den Bienen nicht immer einleuchten. Besonders wenn sie in ihrer Umgebung nur wenig Nektar finden, sind die Insekten gegenüber Eindringlingen sehr stechlustig. Aber ein geübter Imker kennt wirksame Mittel, um sich die Bienen vom Leib zu halten: Üblicherweise nebelt er die Bienen mit Rauch ein, um sie dazu zu bringen, sich tief in ihre Magazinbeute zu verkriechen. Dazu bedient er sich einer Imkerpfeife, mit der er Buchenspäne oder Kräuter verbrennt. Der brenzlige Geruch alarmiert die Bienen dazu, ihre Flucht vorzubereiten: Sie kriechen in ihre Waben und sammeln so viel Honig wie sie können. Solange kann der Imker fast ungestört einen der Holzrahmen mit den Honigwaben (Zarge genannt) aus der Magazinbeute entnehmen. Gut verschlossen hinter einer Wachsschicht, befindet sich in den vielen winzigen Bienenwaben der goldglänzende Honig. Ihn kann der Imker jetzt mit einer Maschine aus den Waben schleudern.


Regelmäßig kontrollieren Imker die Konsistenz und Farbe ihres Honigs  (Foto von: Linda Dreisen)
© Linda Dreisen
Foto vergrößern
Regelmäßig kontrollieren Imker die Konsistenz und Farbe ihres Honigs

Vielseitige Aufgaben

Nach der Honig-Ernte kümmert sich der Imker natürlich auch darum, dass seinen Bienen selbst genügend Nahrung für den Erhalt ihres Volkes bleibt. Dazu gehört, den Bienenstock immer in die Nähe von blühenden Pflanzen zu stellen oder direkt nach der Honig-Ernte auch mal ein Schälchen Zuckerwasser als Ersatz anzubieten. Der Imker kontrolliert ständig, wie sich ein Bienenvolk in seiner Obhut entwickelt: Wird es von Schädlingen oder Krankheiten bedroht? Hat es genug Arbeiterinnen? Macht ein Unwetter dem Bienenstock zu schaffen? Die Aufgaben eines Imkers reichen von der Arbeit des Tierpflegers, des Bestäubers von Blüten bis hin zum Produzenten und Verkäufer von Honig, Wachs, Pollen und Bienengift. Keine Kleinigkeit, wenn man bedenkt, dass ein richtiger Berufsimker mehrere hundert Bienenvölker "hütet". Im Winter kann der Imker dafür aufatmen: Während der kalten Jahreszeit ruht das Bienenvolk. Und der Imker kann sich seinen eigenen Honig schmecken lassen.



Seite 1 von 2


Druckansicht Artikel versenden Deine Meinung Kontakt Sitemap