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Buchtipp: Die Stille der Hölle

Ein Kater ermittelt auf eigene Kralle: In ihrem neuen Blacksad-Comic führen euch Juan Diaz Canales und Juanjo Guarnido in das New Orleans der 50er Jahre


Fünf Jahre ließen die Spanier Juan Diaz Canales und Juanjo Guarnido ihre Fans warten. Dann erschien im vergangenen November endlich ein neuer Band des beliebten Detektiven Blacksad. "Die Stille der Hölle" wurde ausgezeichnet zum besten europäischen Comic durch den PENG-Preis 2011. Und doch blieben die Erwartungen einiger Leser enttäuscht.


Mörderisches Milieu

Blacksads viertes Abenteuer ist eine Hommage an die Stadt New Orleans, wie es im Vorwort heißt. "Die Musik und die Seele dieses magischen Ortes durchdringen jede Seite unserer Geschichte." Der Leser ist somit vor Klischees gewarnt und taucht ein in die anrüchige Welt der drogensüchtigen Jazzmusiker, losen Mädchen, verkommenen Barbesitzer und skrupellosen Plattenbosse. Hier streicht ein schwitzender Blacksad im dunklen Anzug durch die Straßen und Hinterhöfe und sucht nach dem jungen Pianisten Sebastian "Little Hand" Fletcher.


Das Buchcover zu "Blacksad. Die Stille der Hölle"
 (Foto von: CARLSEN Verlag)
© CARLSEN Verlag
Das Buchcover zu "Blacksad. Die Stille der Hölle"

Gefährliche Gegner

Wer könnte in diesem dunklen Milieu besser seine Erkundigungen einholen, als ein schwarzer Kater? Und dennoch muss Blacksad wieder einmal jedes seiner neun Leben aufs Spiel setzen, um diesen Fall zu lösen. Denn genau wie in seinem eigentlichen Jagdrevier New York begegnen dem Detektiv auch im amerikanischen Süden allerhand zwielichtige Gestalten. Ihre Rollen sind den Ganoven in fabelhafter Weise auf den Leib geschrieben: Als da wären ein klappriges Kamel als Drogendealer, ein hochtrabender Hengst als Barkeeper oder ein feistes Flusspferd als Auftragsmörder, die allesamt Zigarre rauchen und Pistolen unter ihren Jacken tragen.


Undurchsichtiger Auftrag

Aber auch Blacksads Aufraggeber - ein abgehalfterter Ziegenbock - zählt nicht zu den vertrauenswürdigsten Geschöpfen in New Orleans. Es bleibt daher Blacksad selbst überlassen den wahren Grund herauszufinden, warum ihn der Plattenproduzent Faust Lachapelle als Detektiven engagiert hat. Eines zumindest steht fest: Obwohl sich der gesuchte Musiker Sebastian Fletcher nichts zu schulden kommen ließ, hält er sich vor seinem Boss absichtlich fern. Und schon bald kämpft sich Blacksad auf eigene Kralle durch ein Geflecht aus Lügen und Intrigen...


Fazit

Tiere sind doch nicht die besseren Menschen. Und gerade darin liegt das Erfolgsrezept der Blacksad-Reihe begründet: Schließlich bereitet es viel Spaß in den grandios überzeichneten Fabeltieren der Geschichte verschiedene menschliche Typen aufzuspüren. Allen voran in dem melancholischen Helden Blacksad, der wie jeder gute Privatdetektiv nur noch als ein Schatten die Welt seiner Zeitgenossen teilt. Und so wundert sich der Leser des vierten Bandes erst gar nicht, warum der Detektiv immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Denn welche Spuren und Hinweise Blacksad während seiner Ermittlungen verfolgt oder wann er gegen die Ganoven Verdacht schöpft, bleibt in der Geschichte nebensächlich. Kein Wunder also, dass in Internetforen einige enttäuschte Fans ihren Missmut über "die unlogische Auflösung des Falls" kundtun. Nicht nachvollziehbar wäre vielleicht der treffendere Ausdruck. Wenn auch nicht so temporeich und spannend erzählt wie die ersten Bände, ist "Die Stille der Hölle" dennoch eine empfehlenswerte Lektüre für jugendliche Leser ab 14 Jahren. Der Reiz der Geschichte liegt dabei deutlich weniger in ihrer Handlung als in ihrer grafischen Umsetzung: So lässt der spanische Trickfilmzeichner Juan Guarnido mit überwiegend gedämpften Aquarellfarben die Schwüle des New Orleans der 50er Jahre direkt spürbar werden.


Juanjo Guarnido, Juan Diaz Canales: "Blacksad. Die Stille der Hölle", Carlsen, ab 14 Jahren, 16,00 Euro



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