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Ani Choying Drolma: Sängerin
Die Geistliche hat einen Pflegesohn und verdient mit ihrer fast überirdisch schönen Stimme auf Tourneen in Europa und den USA das Geld für die Ausbildung junger Nonnen in Nepal.
Rund geschliffen wie alte Kiesel scheinen die Töne des Liedes zu sein; ein wenig eintönig vielleicht in ihrer Abfolge, aber so beruhigend, als beobachte man eine sanfte Dünung, die kleine Steine am Ufer eines Sees bewegt. Die Beine untergeschlagen, sitzt die nepalische Sängerin auf dem breiten Kissen vor dem Altar mit dem sorgsam aufeinander gestapelten Opferbrot. Eine späte Nachmittagssonne lässt den Staub im Zimmer in ihren Strahlen tanzen. Manchmal hebt Ani Choying Drolma leicht den Kopf, und ihr Körper streckt sich einen winzigen Moment lang, als wolle er den entschwindenden Tönen, wie von unsichtbaren Fäden gezogen, nachfolgen. In Anis rechter Hand bewegt sich im Rhythmus des Singsangs die kleine Handtrommel. Das sind die einzigen Bewegungen. Der Rest ist Ruhe, ist Gesang.
Mit „CHO“ das Ego zerschneiden
"Cho" heißen die Gebete, die Ani Choying Drolma uns vorsingt. Sie verwandelt sich in eine Bittstellerin, die ihre spirituellen Lehrer um Einsicht anfleht: eine vor allem von Frauen praktizierte Form der Meditation, die fast 1000 Jahre alt sein soll. "Cho" ist das mentale Messer, das "das Ego zerschneidet". Eine Konzentrationsübung: Sie soll das laute, verlangende Ich mitsamt seinen Eitelkeiten, Illusionen und Begierden in die Schranken weisen und den Geist auf das Mitgefühl für alle Mitwesen lenken. So die buddhistische Theorie. Die 31-Jährige lacht. "Stell dir einfach ein Radio vor", sagt sie. "Wenn du den Sender nicht fein genug einstellst, rauscht und knackt es. Genauso ist es, wenn ich Cho meditiere: Ich muss zur größtmöglichen inneren Harmonie kommen. Wenn nicht: bad vibes! Very bad vibes!" Das klingt plötzlich sehr nach Popstar-Attitüde.
Eine Pop-Nonne auf Tournee
Denn Ani Choying Drolma ist eben auch: die Pop-Nonne. Viel unterwegs, auf Tournee in Europa und den USA. Am besten über E-Mail zu erreichen. Eine Nonne, die, sagen Traditionalisten, eine ehrwürdige Meditations-Technik bedenkenlos an den westlichen Kommerz verscherbelt. Denn Ani hat, fröhlich und unbekümmert, eine CD aufgenommen, gemeinsam mit dem US-Gitarristen Steve Tibbetts. Der hatte die Vorsängerin in einem abgelegenen Kloster über dem Kathmandu-Tal gehört. Ihre Stimme erschien ihm so überirdisch schön, dass er sie auf Kassette aufnahm, die Lieder im Studio mit einer zurückhaltenden Gitarren-Begleitung unterlegte und schließlich eine CD produzierte, die das Gegenteil einer für westliche Ohren gefällig arrangierten "Weltmusik" ist. Trotzdem: "Ich war irritiert, als ich Steves Aufnahme zum ersten Mal hörte", erzählt Ani. "Es war so, als habe jemand mein Haus über Nacht in einer fremden Farbe angemalt." Zugleich aber verstand sie sofort, dass in der CD und dem Versprechen einer, wenn auch noch so bescheidenen, internationalen Karriere etwas lag, das sie dringend brauchte: Geld.
Für Ani ist ihre Stimme ein Werkzeug
Inzwischen hat sie mit den Honoraren ihrer Konzerte die erste Schule in Nepal für junge Nonnen gegründet. Sie will Mädchen ausbilden, die "weniger Glück hatten als ich": zu Ärztinnen, zu Krankenschwestern, zu Lehrerinnen. 13 Nonnen, die jüngste ist acht Jahre alt, leben mit ihr im Haus der "Arya Tara Schule" in Kathmandu. "Ich habe eine schöne Stimme," sagt Ani. "Aber sie ist doch nicht mehr als ein gutes Werkzeug, und sie soll nützlich sein." Wir sitzen im Gebetsraum unterm Dach ihres Hauses, und der dreijährige Sonam wackelt auf unsicheren Beinen auf sie zu. "Mein Sohn!", stellt Ani ihn vor. Sie hat Sonam als halb verhungertes Waisenkind adoptiert, denn irgendjemand musste sich ja verantwortlich erklären für das kleine Wesen. Warum also nicht sie. Eine Nonne mit Kind? Ani Choying lacht. Die Wege zu einem Leben in der Nachfolge Buddhas, des Erleuchteten, sind vielfältig. "Und ich", sagt die Sängerin, "war schon immer ein bisschen neben der Spur."
Ani Choying Drolma auf Tour in Deutschland
München: 24./ 25. Okt. Ulm: 26./ 27. Okt. Karlsruhe: 28./ 29.Okt Oberursel: 30.Okt Darmstadt: 31. Okt Hamburg: 01. Nov Bremen: 02./ 03. Nov. Langenfeld (56729): 04. Nov Bad Münstereifel: 05. Nov Köln: 06./ 07. Nov. Erlangen: 08. Nov. Nürnberg: 09. Nov./ 10.Nov. Bamberg: 11. Nov. Coburg: 12. Nov. Bielefeld: 13./ 14. Nov. Steinhagen b. Bielefeld: 15. Nov. Berlin: 16./ 17. Nov. Berlin/ Leipzig: 18. Nov. Leipzig: 19. Nov. Leipzig o. Dresden: 20./ 21. Nov. Würzburg: 22./ 23. / 24. Nov.
Kontakte
Ani Choyings Kontakt in Deutschland: Henrike Eggers-Reimers Telefon: (0 421) 65 69 00 E-Mail: Henrike.Eggers@t-online.de
Wenn Sie das Nonnen-Hilfsprojekt Ani Choying Drolmas unterstützen wollen: Tibet-Initiative Kempten e.V., Sparkasse Allgäu, BLZ 733 500 00, Konto-Nr. 61 00 96 174, Verwendungszweck: "Arya Tara Schule" (Bei Angabe der Anschrift auf der Überweisung erhalten Sie eine Spendenquittung für das Finanzamt. Bei Spenden bis zu 100 Euro ist der Überweisungsbeleg als Vorlage beim Finanzamt ausreichend)Momentan sind zu dem Artikel "Ani Choying Drolma: Sängerin" keine Kommentare vorhanden.
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