Kriminalität Die modernen Seeräuber

Die somalische Küste gilt als eine der gefährlichsten der Welt. Immer wieder greifen Piraten in der Region Schiffe an. 1.200 Schiffe kaperten Piraten dort 2010. Reedereien und Politiker suchen nach einer Lösung, doch die Situation ist komplex und schwierig.

Vor der somalischen Küste fahren besonders viele Schiffe, denn es ist die kürzeste Verbindung zwischen Europa und Asien und somit eine der weltweit wichtigsten Seehandelsrouten. Etwa 20.000 Frachter nehmen jährlich diese Strecke, das sind jeden Tag durchschnittlich 54 Schiffe. Eine Alternativroute wäre der Weg um das Kap der guten Hoffnung, also ganz um Afrika herum. Dieser Umweg verlängert den Weg um mindestens eine Woche und ist dadurch auch deutlich teurer.

Die Abkürzung hat seinen Preis. Somalische Piraten bedrohen die Schiffe. Doch wieso sind so viele ehemalige somalische Fischer Seeräuber geworden?

Die modernen Seeräuber

Somalische Piraten werden gestellt

Bis vor 20 Jahren schützte die Regierung des ostafrikanischen Landes die Gewässer vor Überfischung. Doch seit einem Regimesturz 1991 wird dieser Schutz nicht mehr gewährleistet. Die Folge: viele europäische und asiatische Fischfänger aus Europa und Asien kamen dorthin und leerten das Meer. Die somalischen Fischer fanden daher nicht mehr genügend Fisch vor. Der Fischfang brachte nichts mehr ein, doch das Bedürfnis nach Nahrung und Geld blieb. Aus diesem Grund fingen sie an auf hoher See Schiffe entern und von der Besatzung Geld zu verlangen. Oder sie kaperten die Schiffe und verlangten für die Freigabe Lösegeld. Das Geschäft lief gut - und wird daher bis heute betrieben.

Warum auch nach 20 Jahren die Piraterie existieren kann, erklärt sich daraus, dass es in Somalia keine richtige Regierung gibt, denn das Land befindet sich in einem Bürgerkrieg. Folglich schreitet niemand aus dem Land ein und nimmt die Piraten in Gefangenschaft oder verhindert, dass sie überhaupt aufs Meer fahren können. Im Gegenteil, Experten vermuten sogar, dass die mächtigen Männer des Landes die Piraterie unterstützen und sich selbst dadurch bereichern.

Steigende Überfälle trotz Marine

Obwohl die Reedereien und die internationale Politik versuchen, die Piraterie zu bekämpfen, wuchsen die Überfälle in den letzten Jahren stark: 2007 nahmen die Piraten 300 Seefahrer in ihre Gefangenschaft, 2010 fast 1.200. Zum Schutz vor den Piraten verkehrt vor der Küste auch Somalias internationale Marine. Ebenso beteiligen sich deutsche Soldaten daran. Allerdings konnten sie die Überfälle bislang nicht verhindern

Damit die Schiffe selbst geschützt sind, lassen Reedereien auf der Strecke bewaffnetes Sicherheitspersonal mitfahren. Oder sie setzen auf Täuschungsmanöver und stellen Puppen, die wie Soldaten aussehen, aufs Deck. Ebenso setzen sie teilweise Schallkanonen oder Wasserkanonen ein. Ihren Frachter sichern sie darüber hinaus mit Stacheldraht. Manchmal verbuchen die Reedereien hiermit einen Erfolg und die Piraten gelangen tatsächlich nicht an Deck.

Wenn die Seeräuber trotz der Schutzvorrichtungen einen Frachter kapern, versucht sich die Besatzung in einen Schutzraum, der Zitadelle genannt wird, zu retten. Diese Zitadelle liegt versteckt im Schiffsbauch und ist mit verstärkten Stahlwänden ausgestattet, so dass es selbst mit Panzerfäusten nahezu unmöglich ist, in den Raum einzudringen. Außerdem befinden sich in der Kammer Geräte, mit denen die Besatzung die Maschine stoppen und um Hilfe funken kann.

Die modernen Seeräuber

Schutz auf hoher See durch Marineboote

Oft ist das für die Seefahrer die einzige Hoffnung, denn die Piraten griffen in den letzten Jahren mit immer härteren Methoden an. Die gefangene Besatzung gerät häufig in Lebensgefahr. Meist achten die Piraten aber darauf, dass keine Menschen ums Leben kommen. Die Geiseln stellen schließlich den teuersten Pfand dar, weil die Reedereien für die Freilassung viel Geld zahlen. Hiervon bereichern sich die Piraten. Pro erfolgreiche Entführung erhält ein Pirat zwischen 10.000 und 15.000 Dollar, so die Ergebnisse einer Studie vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Und das ist viel Geld, denn durchschnittlich verdient ein Somalier im Jahr nur rund 300 Dollar im Jahr. Meistens können die Piraten nach einem geglückten Übergriff ein gutes Leben führen - und neue und vor allem bessere Waffen kaufen, um noch brutalere Überfälle zu starten.

Die Situation gestaltet sich also ziemlich schwierig. Selbstverständlich suchen Reedereien, Politiker und Experten nach einer Lösung. Denn die bisherigen Ansätze, also das Einsetzen von Waffen auf den Frachtern, die Schutzpatrouillen und die Marine reichen nicht aus. Zudem beheben sie vor allem das Hauptproblem nicht: Die Friedenssicherung in Somalia selbst sowie die Schaffung von Arbeit für die Bevölkerung. Eine Möglichkeit sehen Experten: Wenn die Menschen eine Perspektive jenseits der Piraterie sähen, werden sie vermutlich aufhören, die Schiffe zu überfallen. Doch das zu erreichen ist ein großes Vorhaben.

Infokasten Piraterie

  • Als Piraterie werden Gewalttaten und Freiheitsberaubungen bezeichnet, die zur eigennützigen Zwecken in Gebieten passieren, die keiner stattlichen Gewalt unterliegen
  • Piraterie tritt besonders dann auf, wenn in einer Gegend viele Schiffe verkehren, es keine gute Überwachung der See gibt und die Bevölkerung keine andere Beschäftigungsalternative sieht
  • Piraterie ist international geächtet, eigentlich sollen alle Länder gemeinsam gegen Piraterie kämpfen
  • Erste Piratenüberfälle sind aus dem Altertum bekannt. Bereits damals bezeichnete man Piraten als Verbrecher
  • In Filmen und in der Literatur wird Piraterie meist als etwas Heldenhaftes verklärt

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