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Film FSK: Wer bestimmt, welche Filme ihr sehen dürft?


Altersgrenzen bei Filmen bestimmt die "Freiwillige Selbstkontrolle" der Filmindustrie, kurz FSK. Wir erklären, was dahintersteckt. Und Rita Weinert, eine von rund 280 ehrenamtlichen FSK-Prüfern, berichtet, wie die Entscheidungen fallen
Film: Zu gruselig? Schon seit über 60 Jahren gibt es die FSK (Freiwillige Selbstkontrolle) Altersempfehlung für Filme
Zu gruselig? Schon seit über 60 Jahren gibt es die FSK (Freiwillige Selbstkontrolle) Altersempfehlung für Filme
© Mypurgatoryyears / iStock

Die Filmwächter

Wie alt man für einen Film sein muss - das bestimmt in Deutschland die FSK. Die Abkürzung steht für Freiwillige Selbstkontrolle. Sie ist eine Einrichtung der Film-Industrie und hat ihren Sitz in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden. Das "freiwillig" im Namen bedeutet: Die Filmemacher dürfen selbst entscheiden, ob sie ihren Film von der FSK prüfen lassen. Normalerweise tun sie das. Denn die Kinos dürfen Filme ohne FSK-Prüfsiegel nur Erwachsenen zeigen - so steht es im Jugendschutzgesetz.

Es gibt fünf verschiedene Altersgrenzen (siehe rechts). Sie sollen dafür sorgen, dass junge Zuschauer keine Filme sehen, die sie verängstigen oder Albträume auslösen können. Wenn die FSK also einen Film ab null Jahren freigibt, heißt das, er enthält keine brutalen Szenen. Es heißt aber nicht automatisch, dass es auch ein Film für Kleinkinder ist. Das Prüfsiegel ist keine Altersempfehlung!

Die fünf Prüfsiegel

Die unterschiedlich farbigen Prüfsiegel der FSK zeigen an, ab welchem Alter ein Film freigegeben ist. Es gibt fünf verschiedene: Ein Film ist entweder ab null Jahren freigegeben, ab sechs, zwölf, 16 oder 18 Jahren.

Eine Besonderheit gibt es bei Filmen ab zwölf: Die dürft ihr auch schon vor eurem zwölften Geburtstag sehen, vorausgesetzt, eure Eltern kommen mit ins Kino. Auch auf DVDs und Blu-rays findet ihr die Prüfsiegel. Kauft ihr sie im Laden, müsst ihr alt genug für den Film sein. Was euch allerdings eure Eltern oder Verwandten schenken, kann natürlich niemand kontrollieren.

Film: Die fünf FSK-Prüfsiegel haben unterschiedliche Farben
Die fünf FSK-Prüfsiegel haben unterschiedliche Farben
© GEOlino Extra

GEOlino Extra: Frau Weinert, sind Sie als Kind selbst einmal nicht ins Kino gekommen, weil Sie zu jung waren?

Rita Weinert: Ja, klar. Ich war 14 und wollte mit meiner Freundin unbedingt in einen Film, der erst ab 16 Jahren freigegeben war. Wir haben uns aufgebrezelt, wollten besonders alt aussehen. Aber das Kino hat streng kontrolliert, und wir mussten draußen bleiben. Das fand ich damals richtig fies.

Heute bestimmen Sie selbst die Altersgrenzen für Kinofilme. Warum?

Weil ich inzwischen begriffen habe, dass die FSK Kindern und Jugendlichen keine Filme verbieten will. Wir wollen sie stattdessen vor Kino-Erlebnissen schützen, die ihnen schaden können.

Wie machen Sie das als Prüferin? Ich fahre viermal im Jahr für eine Woche nach Wiesbaden zur FSK. Zu fünft setzen wir uns morgens um neun in den Kinosaal und sehen uns Filme an, die bald daruf im Kino oder Fernsehen laufen oder als DVD erscheinen. Das klingt schöner, als es ist – Popcorn und Getränke gibt es nicht. Und wir dürfen uns die Filme auch nicht aussuchen. Denn wirklich jeder neue Kino- oder Fernsehfilm muss von uns geprüft werden. Also sehe ich mir zum Beispiel auch immer wieder Horrorfilme an, obwohl ich sie gar nicht mag.

Und was passiert nach dem Film?

Dann diskutieren wir – darüber, was der Film bei jungen Zuschauern auslösen kann. Anschließend stimmen wir ab. Der Film bekommt dann die Altersfreigabe, für die die meisten gestimmt haben. Nach einer kurzen Pause gucken wir uns gleich den nächsten Film an, und dann noch einen. Wenn wir nachmittags wieder aus dem Kinosaal rauskommen, brummt manchmal der Schädel.

Wann ist denn ein Film für junge Zuschauer nicht geeignet?

Wenn dieser Gewalt zeigt oder angsteinflößende Situationen, überlegen wir: Sind diese Szenen bis zu einem bestimmten Alter unerträglich, oder löst sich die Anspannung rechtzeitig wieder auf? Eine Gewaltszene kann also auch für Sechsjährige okay sein, wenn schnell klar ist: Am Ende gewinnen die Guten, und die Bösen werden bestraft. Meistens kann man sagen: Filme ab null, sechs und zwölf Jahren haben ein Happy End.

Film: Sie hat Filme unter Kontrolle: FSK-Prüferin Rita Weinert
Sie hat Filme unter Kontrolle: FSK-Prüferin Rita Weinert
© privat

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