Buchtipp Das verkaufte Lachen

„Haltet die Uhren an. Vergesst die Zeit. Ich will euch Geschichten erzählen“. James Krüss ist neben Michael Ende und Erich Kästner einer der erfolgreichsten deutschen Jugendbuchautoren. Geboren wurde er im Jahr 1926 auf dem roten Felsen, wie die Nordseeinsel Helgoland auch genannt wird. „Auf kleinen Inseln mit wenig Auslauf, da kommt man von selber ins Geschichten erzählen“, erklärt der Autor seinen beinahe unerschöpflichen Reichtum an Phantasie. In den 75 Jahren seines Lebens hat James Krüss rund 500 Bilderbücher, Romane und Erzählungen geschaffen, die in mehr als 30 Sprachen übersetzt wurden. – Ein wahres Meer an Geschichten!

Timm Thaler

Die Fabel „Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen“ ist eines der bekanntesten Werke des Helgoländers. Wie kein zweiter Kinderbuchautor führt James Krüss seinen jungen Lesern darin vor Augen, dass sich das Böse auch eines unschuldigen Menschen bemächtigen kann: „In den großen Städten mit den breiten Straßen gibt es hintenhinaus heute noch Gassen, die so eng sind, dass man sich durch die Fenster von einer Seite zur anderen die Hand reichen kann. (...) Hintenhinaus wohnen Leute, die wenig Geld haben. Und wer in einer großen reichen Stadt wenig Geld hat, wird grämlich, neidisch und nicht selten zänkisch. Das liegt nicht nur an den Leuten, sondern auch an den Gassen.“

Das verkaufte Lachen

Jugenbuchklassiker: Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen

In solch einer engen Gasse lebt auch der gutherzige Waisenjunge Timm Thaler. Als ihm aber eines Tages der Teufel einen Pakt vorschlägt, lässt der Junge sich nicht lange bitten. Gegen die Fähigkeit jede beliebige Wette zu gewinnen tauscht Timm bereitwillig seinen einzigen kostbaren Besitz: "ein Lachen, das tief aus dem Bauch heraufzukommen schien und mit einem lustigen Schlucker endete".

Der arme Reiche

Sofort macht er sich daran, hohe Geldsummen zu erwetten. Was aber lässt sich mit dem neuen Reichtum anfangen? Timm verfolgt mit seinem Vermögen ein Ziel: „Er wollte sich damit alle Leute zu Freunden machen, die Stiefmutter, den Stiefbruder, den Lehrer und die Schulfreunde“. Schmerzlich muss der Waisenjunge jedoch feststellen, dass sich die Herzen der Menschen nicht mit Geld gewinnen lassen.

Diese Erkenntnis kommt für den armen Reichen allerdings zu spät: Jedes Mal wenn Timm zu lachen versucht, pressen sich seine Lippen zu einem schmalen Strich zusammen. Lediglich ein freches Grinsen bringt der Junge noch hervor. Auf diese Weise verliert Timm bald das Vergnügen am Reichsein. „Denn Timm hatte mit seinem Lachen noch etwas anderes verloren: seine Arglosigkeit und sein Vertrauen in die Welt und in die Menschen“. Am Ende bleibt ihm deshalb nur noch ein Ausweg: Er muss sein Lachen zurückgewinnen! Doch das ist gar nicht so einfach – schließlich läuft irgendwo auf dem Erdball der Teufel damit herum.

Fazit

Der Roman „Timm Thaler“ ist in Anlehnung an das alte romantische Kunstmärchen „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“ entstanden. „Geld allein macht nicht glücklich“ lautet auch da schon die Moral. James Krüss weitet diese Aussage jedoch zu einer allgemeinen Konsumkritik aus. Obwohl im Jahr 1962 erschienen, thematisiert der Roman „Timm Thaler“ bereits die globalen Probleme des sogenannten Raubtierkapitalismus. So ist Timm Thalers Gegenspieler ein Großindustrieller, der unter dem Ananym „Lefuet“ (was rückwärts gelesen „Teufel“ bedeutet) auftritt. Er benutzt das unschuldige Lachen des jungen Helden, um seine Mitmenschen zu täuschen und von seinen bösen Machenschaften abzulenken. Heimlich ist Lefuet jedoch in Waffengeschäfte mit Rebellengruppen verwickelt und bereichert sich zudem noch auf Kosten armer Schuhputzer in den Entwicklungsländern. So gesehen hält der Roman „Timm Thaler“ nur ein dürftiges Happy End für seine Leser bereit: Durch einen einfachen Trick gelingt es Timm zwar sein Lachen zurückzugewinnen – doch Lefuets Wirtschaftsimperium kann der kleine Waisenjunge nicht zerstören. Immerhin verbleibt der Böse am Ende der Geschichte als „stinkreicher, aber armer Teufel!“

James Krüss: „Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen“. Ravensburger, ab 12 Jahren, 7,95 Euro

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