Buchtipp Buchtipp: Bilderbuch-Special

Toller Schmöker bei Schmuddelwetter: GEOlino.de empfiehlt euch drei besondere Bilderbücher zum Vor- und selber lesen!
In diesem Artikel
Der Sonnenwecker
Ida still im Menschenmeer
Die Fundsache

Der Sonnenwecker

Eines Morgens um sechs Uhr früh, schlägt für den jungen Hahn die große Stunde: "Die Nacht war kalt. Der Misthaufen hoch. Ich hatte noch nie die Sonne geweckt!" Der kleine Gockel reißt seinen Schnabel auf, gibt ein Kikeriki zum Besten und kann es selber kaum fassen: Langsam steigt die Sonne am Himmel empor!

"Mal sehen, wer hier das Sagen hat!"

Alles in Allem also ein Riesenerfolg. – Wäre da nur nicht die Henne Hedi mit ihrem ewigen Gegacker über die Naturgesetze. Das garstige Geflügel behauptet doch glatt, dass die Erde eine Kugel sei, die sich um ihre eigene Achse dreht – tagsüber mit der einen Erdhalbkugel der Sonne zugewandt und nachts mit der anderen. Das kann und will der kleine Gockel nicht glauben. Doch probehalber kräht er am nächsten Morgen mal nicht ...

Fazit

Buchtipp: Bilderbuch-Special

Das Buchcover "Der Sonnenwecker"

Autor Martin Baltscheit beherrscht die knappe aber poetische Sprache. So ist "Der Sonnenwecker" eines der wenigen herausragenden Bilderbücher, in denen Wort und Illustration gleichwertig nebeneinander stehen. Auf illustrativer Ebene wechseln atmosphärische Großaufnahmen mit lustigen Details, wie zum Beispiel der wippenden Elvistolle des jungen Gockels. Auch macht Christoph Mett mit interessanten Bildausschnitten und Perspektivwechseln das Blättern in diesem Bilderbuch zu einem Erlebnis. Eine tiefschürfende Fabel über eigene Sinnkrisen und die Gefahr der Selbstüberschätzung. Wunderschön gestaltet, humorvoll und sprachlich glänzend erzählt und mit einem überraschend versöhnlichen Ende!

Martin Baltscheit, Christoph Mett: Der Sonnenwecker, Bajazzo Verlag, ab 4 Jahren, 14,90 Euro

Ida still im Menschenmeer

Wer sagt, dass Stadtrundgänge langweilig sein müssen? An der Seite der kleinen Ida werden die Wege, Häuser und Transportmittel von Berlin plötzlich lebendig. Da gibt es zum Beispiel das wasserscheue Brückentier aus Stahl: Es schlägt über der Spree einen großen Buckel. Unter der Erde dagegen gräbt sich ein knallgelber Wurm seinen Weg von einem Stadtteil zum anderen. Wer will kann sich von ihm ein Stück mitnehmen lassen. Und zurück an der Oberfläche gibt es riesige Häuser zu bestaunen, die wie Schiffe vom Menschenmeer umspült werden.

Die Betonwüste lebt!

Buchtipp: Bilderbuch-Special

Das Buchcover "Ida still im Menschenmeer"

Mit seinem Bilderbuch "Ida still im Menschenmeer" wirft Illustrator Philipp Seefeldt einen wunderbar witzigen Blick auf die Architektur von Berliner. Dabei reihen sich neben namenlosen Brücken und Gebäuden auch bekannte Wahrzeichen, wie zum Beispiel dem Reichstag oder das Brandenburger Tor, ein. Letztere bezeichnet die kleine Stadtexpertin Ida als träge Schildkröte und hungriges Riesenmaul. Geschichtsmuffel dürfen also aufatmen: Dieser Stadtführer enthält garantiert keine einzige bedeutende Jahreszahl. Dafür regen Philipp Seefeldts Bildcollagen die Fantasie an: Und siehe da - die Betonwüste lebt!

Fazit

Forsch und fröhlich führt Ida - ganz Großstädterin mit Mantel, Schirm und Hut - junge Leser durch das Berlin ihrer überbordenden Fantasie. Ganz im Gegensatz zu seiner kleinen Heldin hat der Autor und Illustrator Philipp Seefeldt seine Kindheit in der ländlichen Umgebung von Stralsund verbracht. So war es ihm auch nach eigener Aussage ein Anliegen, Kindern die "stillen Ecken zum Spielen und Staunen einer Großstadt zu zeigen." Die gedämpften warmen Töne und lustig verzerrten Formen seiner Bildcollagen tragen viel dazu bei. Ein Buch, das euch bestimmt Lust machen wird, eure Stadt auf eigene Faust zu erkunden!

Philipp Seefeldt: Ida still im Menschenmeer, ab 3 Jahren, Arena Verlag, 12,95 Euro

Die Fundsache

Buchtipp: Bilderbuch-Special

Das Buchcover "Die Fundsache"

Ihr beobachtet und sammelt gerne herumliegende Gegenstände? So geht es auch dem Hauptdarsteller in Shaun Tans Bilderbuch "Die Fundsache" . Dort macht ein Junge an einem "stinknormalen Tag am Strand" eine seltsame Bekanntschaft: Er stößt auf eine Metallkanne mit geheimnisvollen Knöpfen, Rotoren, Glöckchen und Luken. Wie ein Einsiedlerkrebs hat sich darin eine Kreatur mit langen grünlichen Tentakeln zurückgezogen. Doch trotz seiner auffälligen Größe und Gestalt scheinen die anderen Badegäste den Besucher gar nicht zu bemerken: "Die Stunden vergingen und es war immer unwahrscheinlicher, dass jemand das Ding mit nachhause nahm. Die traurige Wahrheit war nicht zu leugnen: Es war allein."

Shaun Tan, Zeichner und Autor des Bilderbuches "Die Fundsache", ist ein bekannter Name der Jugendliteratur. Hierzulande allerdings erst zehn Jahre nach dem Erscheinen seiner ersten Bücher in Australien. Doch seitdem lassen die Ehrungen nicht nach: 2011 mit dem Astrid Lindgren Memorial Award ausgezeichnet, gab es für sein Buch "Geschichten aus der Vorstadt des Universums" 2009 den Deutschen Jugendliteraturpreis. In der Begründung der Jury heißt es: "Alles was Tan erzählt, scheint nur einen winzigen Schritt neben unserer wirklichen und doch so skurrilen Realität zu liegen".

Fazit

Shaun Tan entwickelt die Handlung seiner anrührenden Geschichte "Die Fundsache" mit den künstlerischen Mitteln der Montage: Vor dem Hintergrund vergilbter Zeitungen und Architekturskizzen sind detaillierte Comicpanels neben großflächigen Panoramabildern und ausgeschnittenen Textschnipseln angeordnet. Dabei herausgekommen ist ein poetisches Zusammenspiel, das der Phantasie des Betrachters viel Raum beimisst!

Eine Leseprobe findet ihr hier!

Shaun Tan: Die Fundsache, ab 6 Jahren, Carlsen, 16,90 Euro

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