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Kleine Eisbären

Kennt ihr noch Knut und Flocke? Vor wenigen Jahren haben uns die beiden Eisbärenbabys verzaubert. Doch wie wachsen die Polarbärenbabys in der Natur auf? Wir nehmen euch mit auf eine spannende Reise in die Arktis



Wenn die Eisbären das Licht der Welt erblicken, sind sie in der Regel schon ein paar Monate alt! Denn die Geburt von Eisbären in der Natur findet meist im tiefsten Polarwinter statt – genau dann, wenn es auch tagsüber nicht richtig hell wird. Wieso ist das so?


Verspieltes Eisbärenbaby (Foto von: AlaskaStock / Corbis)
© AlaskaStock / Corbis
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Verspieltes Eisbärenbaby

Die Paarung der Eisbären findet Jahr für Jahr zwischen März und Juni statt – die Mutter ist acht Monate schwanger. Kurz vor der Geburt bereitet sie sich dann auf die Niederkunft vor, indem sie acht Wochen zuvor im tiefen Schnee des arktischen Herbstes eine geeignete Stelle sucht, um eine Geburtshöhle zu graben. Diese Höhle soll verhindern, dass die Neugeborenen erfrieren. Dank der isolierenden Schneedecke sinkt die Temperatur in der mit bis zu 2,5 Meter Schnee bedeckten Höhle selten unter Minus 1 Grad Celcius. Für uns Menschen wäre das zu kalt – für Eisbären aber genau das Richtige!

Diese Höhle wird für längere Zeit das zuhause der Mutter. Bis zu acht Monate verbringt sie in der Höhle, um den Nachwuchs aufzuziehen. Während dieser Zeit isst und trinkt sie nicht, obwohl sie ihre Kinder gebärt und ernährt. Sie benötigt in dieser Zeit keine Nahrung, weil sie sich in den Sommermonaten einen Fettvorrat anfrisst – und dann fast das doppelte wiegt. Diesen Fettvorrat braucht sie in der Zeit der Aufzucht im Winter vollständig auf. Viel Energie gibt sie in Form von Nahrung an ihre Kinder weiter.


Das erste Baby erblickt die Welt

Doch gehen wir einen Schritt zurück zur Geburt. Zwillingsgeburten sind nicht unüblich. Zwei Monate nachdem die Eisbärenmutter in die Schneehöhle eingezogen ist, kommt das erste Baby auf die Welt. Kurz danach folgen Zwillingskinder.

Noch sind sie taub und blind, äußerlich mager und nackt. Erst ab dem zehnten Lebenstag entwickelt sich ein zartes Fell und erst nach vier bis fünf Wochen öffnen die Eisbärenbabys ihre Augen. Auch das Gehör und der Geruchssinn entfalten sich jetzt.

Die kleinen Eisbären haben bei der Geburt gerade einmal die Größe eines Meerschweinchens. Sie wiegen zwischen 400 und 600 Gramm. Die Mutter wiegt das 300-fache! Doch dank der fettreichen Muttermilch wachsen die Eisbärenkinder schnell. Alle zwei bis drei Stunden wollen die Kleinen trinken und rangeln sich um die Brust. Von Geburt an besitzen sie lange, scharfe Krallen, um sich an ihrer Mutter festzuhalten. Dank ihres gesunden Appetits legen die Eisbärenkinder schnell an Gewicht zu – nach zwei Monaten wiegen sie immerhin 10 bis 15 Kilogramm. Bis zu ihrem zweiten Lebensjahr werden sie dann ihr Körpergewicht verdoppeln.


 (Foto von: Steven Kazlowski/Science Faction/Corbis)
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Scheue Schritte im Schnee

Nach dem Ende der winterlichen Schneestürme verlässt die Eisbärenfamilie im März oder April ihre Geburtshöhle. Der Nachwuchs ist zu diesem Zeitpunkt schon drei bis vier Monate alt. Nachdem die Mutter die dicke Schneedecke von unten aufgewühlt hat und ihren Nachwuchs durch laute Rufe an das Tageslicht lockt, steckt das erste Polarbärenkind neugierig seine Nase durch die Öffnung und beschnuppert minutenlang seine neue Umgebung. Ist die Luft rein? Dann nichts wie raus in den Schnee. Schnell folgen seine Geschwister.

Die Eisbärenmama kümmert sich liebevoll um ihre Kleinen. Zwischen ihren starken Vorderbeinen sind sie vor dem eisigen Wind geschützt und werden durch ihren Atem sowie das weiche Fell gewärmt. Wenn es stürmisch wird, gräbt sie ein großes Loch, um sich und ihre Kinder darin einwehen zu lassen. Die Schneedecke bietet Tarnung und Isolierung zugleich. Die Mutter meidet jedes Risiko und verteidigt ihre Jungen vor jeglicher Gefahr. Deswegen bleibt die Familie in den ersten Tagen nach dem Verlassen stets in der Nähe der Heimathöhle, die sie noch zwei bis drei Wochen als Schlafplatz nutzt.

Nach der anfänglichen Scheu erkunden die Kleinen nun mutig ihre Umgebung. Sie spielen im Schnee, tollen mit einander und klettern immer wieder auf den Rücken der Mutter. Trotz ihres jungen Alters können die Eisbärenkinder bereits in den ersten Lebenswochen Minusgrade von bis zu 45 Grad Celcius aushalten. Nur das eisige Wasser des arktischen Ozeans dürfen sie noch nicht erkunden. Ihre Fettschicht, die den Körper wärmt, ist noch nicht ausgebildet. Im Wasser würde ihre Körpertemperatur lebensbedrohlich sinken.


Auf Erkundungstour

Die Eisbärenmama führt den Nachwuchs auf das zugefrorene Meer. Die riesige Eisfläche bietet ideale Bedingungen, die Kleinen auf die Gefahren der Arktis vorzubereiten. Dabei kommt es zu den ersten Begegnungen mit anderen Eisbären. Es bleiben den Eisbärenkindern nur wenige Sommermonate, um das Überleben in der Arktis zu lernen. Obgleich sie in den ersten 2,5 Jahren noch gesäugt werden, schauen sie sich schon nach wenigen Monaten das Jagdverhalten von der Mutter ab und ernähren sich zunehmend von Beutetieren. Erst nach drei Jahren ist die Ausbildung der Jungtiere, die zu diesem Zeitpunkt schon ganze 80 bis 100 Kilogramm schwer sind, abgeschlossen. Auf sich allein gestellt müssen sie von nun an das Leben in der Arktis meistern. Nur wenige Jahre später, im Alter von vier oder fünf Jahren, werden sie ihre eigene Familie gründen, bevor im Frühling wieder die ersten scheuen Eisbärenbabys ihre Nasen aus der Schneehöhle recken.




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