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Mustangs: Die Geschichte der wilden Streuner
Kein anderes Tier stellt das Leben der Indianer derart auf den Kopf wie das Pferd: Es machte aus den Flussgängern stolze Reiter, erfolgreiche Jäger und gefährliche Krieger
Die "Großen Hunde"
Die Blackfoot-Indianer hatten bereits viel über das fremde Tier gehört. Groß sollte es sein, gehorsam und stark genug, um schwere Lasten zu tragen. Aber gesehen hatten sie solch ein Wunder wesen noch nie. Die einzigen Vierbeiner, die ihnen bislang beim Lastenschleppen geholfen hatten, waren Hunde. Dann, irgendwann in den 1730er Jahren, erreichte die Blackfoot eine Nachricht: Ganz in der Nähe ist eines der Tiere aufgetaucht! Ein Krieger erinnerte sich später noch genau an diesen Tag: "Viele von uns gingen los, um das Tier zu sehen, und wir bewunderten es. Es erinnerte uns an einen Hirsch, der sein Geweih verloren hatte. Wir wussten nicht, welchen Namen wir ihm geben sollten. Aber weil es ein Sklave des Menschen war, wie der Hund, der unsere Dinge trägt, nannten wir es so: Großer Hund." Der "Große Hund" war natürlich ein Pferd - das erste, das diese Indianer zu Gesicht bekamen. Denn Pferde waren in Amerika lange Zeit völlig unbekannt! Die Ureinwohner, egal ob Häuptling, Jäger oder Krieger, gingen über Jahrhunderte zu Fuß. Erst als die "Großen Hunde" kamen, änderte sich das Leben vieler Stämme von Grund auf. Die ersten Pferde auf amerikanischem Boden stammten aus Europa: Um das Jahr 1500 landeten spanische Eroberer an der amerikanischen Küste - an Bord ihrer Schiffe edle Pferde von arabischem oder andalusischem Geblüt. Die Herden wuchsen schnell, und so blieb es nicht aus, dass immer wieder Pferde ausrissen. In der grasreichen Prärie vermehrten sie sich rasch. "Mustangs" nannte man diese wilden Streuner, vom spanischen Wort mestengo, was "herrenloses Tier" bedeutet.
Mustangs als Nutztiere der Indianer
Die Indianer erkannten bald, wie nützlich die "Neuankömmlinge" waren. Man konnte sie nicht nur essen, sondern auch reiten, als Packtiere verwenden oder als Tauschware nutzen. Zwar weigerten sich die Spanier stur, Pferde an die Ureinwohner zu verkaufen - doch das war den Indianern bald egal: Einige Krieger fingen wilde Mustangs ein und zähmten sie. Viel einfacher war es allerdings, Tiere aus den Herden der Spanier zu stehlen. Im Jahr 1680 jagten die Pueblo-Indianer den Weißen nach einer blutigen Schlacht gleich mehrere tausend Pferde ab. Der Siegeszug der "Großen Hunde" begann. Ein Pferd zu besitzen, hatte unzählige Vorteile. Hoch zu Ross konnte ein Jäger seine Beute viel länger und schneller verfolgen als zu Fuß. Auch die Dorfgemeinschaften zogen nun weiter in die Prärie hinaus als je zuvor: Auf dem Pferderücken schafften die Blackfoot, Comanchen, Sioux oder Cheyenne knapp 20 Kilometer am Tag - zu Fuß, mit ihren bepackten Hunden, waren es nur zehn gewesen. Die Frauen jubelten: Jetzt mussten nicht mehr sie das ganze Gepäck schleppen - das übernahmen die "Großen Hunde"! Und weil die auch die Zelte mühelos trugen, wurden die Tipis mit der Zeit immer größer: Die Zelthöhe verdreifachte sich von 1,50 Meter auf 4,50 Meter!
Das Ende der "Zeit der Pferde"
Wer viele Pferde besaß,
galt unter den Indianern
bald als reicher Mann.
Und wer gut reiten konnte, erntete
den Respekt seines Stammes: Manche
Jungen preschten auf einem
ungesattelten Pferd durch das Dorf
und hoben in vollem Galopp einen
Kieselstein vom Boden auf!
Andere spielten "Werft-sie-vom-
Pferd", ein wüstes Geschubse, bei
dem verlor, wer als Erster ins Gras
stürzte. Und kein Stammestreffen
endete, ohne bei einem wilden
Wettrennen das schnellste Tier zu
küren. Zehn Gewehre oder ebenso
viele Bisonumhänge wurden für
ein flinkes Rennpferd geboten. Eine
echte Kost barkeit.
Doch eines konnten auch die
"Großen Hunde" nicht verhindern:
dass die Indianer immer mehr Lebensraum
an die Weißen verloren.
Damit ging auch die "Zeit der Pferde"
zu Ende. Sie hatte für viele
Stämme nicht einmal ein Jahrhundert
gedauert.
Wilde Mustangs aber stromern
noch heute durch den Westen der
USA, knapp 30.000 Tiere leben in
Nationalparks. Weil sie sich stark
vermehren, fängt die amerikanische
Regierung jedes Jahr Tausende
ein und verkauft sie an Reiter.
Manche Pferde kommen so zu
besonderen Ehren. Der schwarze
Hengst "Lonesome" ("Einsam") aus
Montana etwa war sogar schon im
Fernsehen zu sehen. Beim Begräbnis
des ehemaligen US-Präsidenten
Ronald Reagan zog er dessen Sarg.
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