GEOlino.de - Interview Seite 1 von 2

Fragt weiter!

Können Blumen leben? Kann mein Hund sprechen? Vielleicht habt ihr euch Fragen wie diese schon gestellt. Die Kinderphilosophin Kristina Calvert diskutiert regelmäßig mit Jugendlichen über die Rätsel des Lebens. Im Interview verrät sie uns, ob es Antworten auf diese und ähnliche Fragen gibt und warum wir alle unbedingt philosophieren sollten


Kinderphilosophin Kristina Calvert (Foto von: )
Kinderphilosophin Kristina Calvert

Können Sie in drei Sätzen erklären, was Philosophieren ist?

Das kann ich sogar in drei Begriffen sagen. Selber denken, miteinander denken, weiter denken! - Das sind die philosophisch relevanten Fragen. Aber auch die Fragen, die Kinder selber mitbringen. Also zum Beispiel so etwas wie: Können Blumen leben? Kann mein Hund sprechen? Mich interessiert es nicht, den Kindern Philosophie beizubringen, also sie an bekannte Philosophen heranzuführen. Sondern mir geht es um die Tätigkeit des Denkens und Fragenstellens.


Warum philosophieren Sie mit Kindern?

Fragen zu stellen, ist in allen Kindern angelegt. In meiner eigenen Kindheit musste ich feststellen, dass die Schule und mein Umfeld diese Fragen eher abgetan hat: Frag nicht immer so! Hör doch mal auf! Sei doch mal zufrieden mit der Antwort, die du bekommst! Ich entschied mich dann später dafür, mich mit Philosophieren mit Kindern zu beschäftigen und es zu studieren, weil mir das auch ganz entsprach. Für mich war es das Schönste festzustellen, dass es Fragen gibt, die letztlich keiner beantworten kann. Und keiner kann sich hinstellen und sagen: Jetzt hast du es doch, jetzt sei mal zufrieden! Toll ist, wenn diese Neugierde bleibt.


Was ist denn der Unterschied zwischen einfachen Fragen und der Philosophie?

Die Welt besteht nicht nur aus Schlössern, die ich mit bestimmten Schlüsseln aufschließen kann und somit letztlich immer klare Antworten habe. Philosophieren ist viel ehrlicher, weil es von vornherein schon sagt: Alles das, was wir liefern können, sind vorläufige Denkmodelle und trotzdem werde ich mir klarer über etwas, weil ich darüber nachgedacht habe. Ich werde mir klarer, ohne nach einer konkreten Antwort zu suchen. Das ist übrigens etwas was gerade jüngere Kinder ganz toll finden. Dass der Erwachsene nicht vor ihnen steht, wie sie es normalerweise gewöhnt sind, und dieses "Lexikonspiel" mit ihnen spielt: Also, sie stellen eine Frage und der Erwachsene antwortet. Besser kommt es an, wenn Erwachsene sich mit den Kindern zusammen auf die Suche nach Möglichkeiten begeben.


Wie philosophieren Sie mit Kindern?

Am Anfang frage ich die Kinder immer, ob sie das Wort Philosophie schon mal irgendwo gehört haben. Dann nehme ich es auseinander: Philos ist altgriechisch und bedeutet „Freund“ und Sophia, das ist die Weisheit. Und dann sprechen wir lange darüber, was das eigentlich ist: Weisheit. Und wer ist weise? Für einige sind das Opa oder Oma. Oder Jesus, weil er auch Wunder vollbringen konnte; aber auch Yoda, diese Figur aus dem Film Star Wars, wird genannt. Und genau darum geht es mir, Kinder setzten sich mit dem Philosophieren auseinander, wenn sie zum Beispiel mit dieser Figur Yoda umgehen.


Sprechen denn Philosophen und Kinder die gleiche Sprache?

Ganz wichtig ist es, das ich als Erwachsene erstmal versuche überhaupt bei der Frage des Kindes anzufangen und genau seine Formulierung ernst nehme. Ich starte mit Geschichten, auf diese Weise lässt sich kreatives Denken beim Philosophieren fördern. Deswegen interessieren mich auch keine Philosophen. Mich interessieren diese Fragen, die in einem guten Kinderbuch enthalten sind und das ist der Ausgangspunkt, um nachzudenken. "Josef Schaf will auch einen Menschen" von Kirsten Boie, ist so ein Buch; oder "Die Geschichten von Frosch und Kröte" von Arnold Lobel. Zu Geschichten wie diesen stellen die Kinder dann Fragen, aus denen sich unser Gespräch entwickelt.



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